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Premiere im Schauspiel

Maxim Gorkis "Die Letzten" als Rollschuh-Spektakel

Von Jürgen Schön 

Die Familie hat es in sich: Bestechung, Folter, Falschaussagen, verkaufte Bräute, Seitensprünge, Schulschwänzen, falsche Vaterschaft, ein Hauch Inzest – kein Laster scheint ihr fremd. Da mag es ein kurzes Aufbegehren für Wahrheit und Ehrlichkeit geben – am Ende halten sie wieder zusammen und am Alten fest. „Die Letzten“ heißt das Stück von Maxim Gorki. Im Schauspiel hatte es jetzt gefeierte Premiere.

Auf Rollschuhen rasen, schleichen und stolpern die Protagonisten über die Bühne. Das verleiht ihnen stellenweise etwas Puppenhaftes, vom Schicksal Geschobenes, losgelöst von der Realität scheinen sie über die Bühne zu schweben. Im vorrevolutionären Russland – Gorki schrieb das Stück 1905 – klammert sich die Familie um den suspendierten Polizisten Iwan Kolomizew an die alte Ordnung, Moral spielt keine Rolle.

Standbilder und Plakate zu Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ verweisen auf die politischen Verhältnisse, in denen das Stück spielt. Der gescheiterte Matrosenaufstand im Hafen von Odessa fand 1905 statt. Werner Bruhss hat das Stück neu übersetzt und die Sprache behutsam modernisiert. Sebastian Nübling verzichtet in seiner ebenso beklemmenden wie spannungsgeladenen Inszenierung auf aktuelle Bezüge, unbekannt sollte uns solches Verhalten allerdings auch heute nicht vorkommen.

Ein rotes, kreisrundes Sofa beherrscht die Bühne, in der Mitte ein Geldversteck. Darum dreht sich das Spiel, darum kreist Familie Kolomizew: Vater Iwan (Markus John), machtbesessen und skrupellos, Mutter Sofja (Julia Wieninger), die zwei Söhne Pjotr (Jan-Peter Kampwirth) mit leichten moralischen Anflügen, und Alexander (Tim Porath), der ebenfalls in den Polizeidienst getreten ist, die drei Töchter Ljubow (Lina Beckmann), Wera (Marie Rosa Tietjen), die sich nur vorübergehend gegen ihre bezahlte Verheiratung wehrt, und Nadeshda (Anja Lais), gerissen, sexy und gegen ordentlich Rubel an den nicht weniger korrupten Doktor Leschtsch (Robert Dölle) verheiratet.

Schließlich Iwans Bruder Jakov (Samuel Weiss), der Einzige, der sein Geld ehrlich verdient. Davon lebt die Familie seines Bruders, die sich zudem in seinem Haus einquartiert hat und auf seinen Tod spekuliert. Von seinem Geld werden Stellungen im Justizwesen gekauft und Töcher unter die Haube gebracht.

Eindrucksvolle Inszenierung

Mitmischen will da auch Polizist Jakorew (Renato Schuch) – scheitert allerdings an der Einigkeit der Familie. Lediglich Marina Frenk als Frau Sokolowa entzieht sich dem Spiel, dreht sich nicht mit im Kreis: Ihr Sohn soll Iwan angeschossen haben, sie verlangt, dass Iwan diese Beschuldigung zurück nimmt. Umsonst.

Die eindrucksvolle Inszenierung wird vor allem geprägt von Julia Wieninger und Lina Beckmann. Emotionsgeladen schwankt Wieninger zwischen der Erkenntnis hin und her, als Mutter versagt zu haben und den Kindern weiterhin eine gute Mutter sein zu wollen. Und dann ist da noch der Seitensprung mit Jakov und die gemeinsame, Iwan untergeschobene Tochter Ljubow.

Iwan hat die falsche Tochter als Kind einmal fallen lassen, seitdem hat sie einen Buckel, wird als Nichtnutz behandelt. Beckmann spielt hier wieder einmal mit voller Energie und Verzweiflung eine geprügelte Existenz (man möchte ihr einmal eine andere Charakterrolle wünschen). Doch die Erkenntnis, wer ihr wahrer Vater ist, macht sie frei: Der Buckel verschwindet und die Rollschuhe sind weg. Bleibt man bei der anfänglichen Sichtweise, steht sie jetzt als Einzige fest auf dem Boden der Tatsachen und fordert Ehrlichkeit ein. Um sich am Schluss wieder mit Buckel in die Familie einzuordnen.

Nach einer vorgetäuschten Entführung aus Liebe tauchte Marie Rosa Tietjen als Wera mit Krücken wieder auf. Das hätte ein dramaturgisch passender Einfall sein können, doch als sie beim langen Schlussapplaus fehlte war klar: Es hatte einen Unfall gegeben. Später stellte sich heraus: Sie hatte sich bei einem Sturz den Fuß gebrochen, wird operiert. Ihre Rolle übernimmt jetzt Jennifer Frank. Doch bei der Premiere hielt Marie Rosa Tietjen bis zum Schluss durch. Ein ganz besonderer Respekt für ihr Durchhaltevermögen. Den anderen Ensemblemitgliedern sowieso.

„Die letzten“ – weitere Termine: 28. und 29.5. , 5. bis 9.6., jeweils 19.30 Uhr, Schauspiel in Expo XXI, Gladbacher Wall 5, 50670 Köln-Agnesviertel, Tickets: Vorverkauf in den Opernpassagen, Mo-Sa 10-19 Uhr, Tel. 0221/22 12 84 00, oder in unserem KölnTicket-Shop

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