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"Das muss von Herzen kommen ..."

Live Music Hall feiert 20. Geburtstag

Eine Kölner Konzertinstitution feiert runden Geburtstag: Die Live Music Hall (kurz LMH) in der Lichtstraße in Köln-Ehrenfeld wird 2010 20 Jahre alt. Im Interview mit koeln.de-Redakteur Helmut Löwe plaudern die LMH-Macher Micki Pick (53 Jahre), Georg Schmitz-Behrenz (46 Jahre) und Daniel Czichopad (29 Jahre) über die Anfänge der Konzert- und Partyhalle, große Künstler und Wunschkonzerte.

Schmitz-Behrenz und Czichopad, Geschäftsführer der LMH, beichnen sich selbst als eine Art "Mädchen für Alles", deren Aufgaben von Finanzen über Partyorganisation und Bandbetreuung bis hin zu Renovierungstätigekeiten mit Hammer und Akkuschrauber reichen. Pick ist unter anderem zuständig für Genehmigungen, Kooperationspartner und Sponsoring - und als Einziger der drei vom ersten Tag an dabei.

Die Live Music Hall feiert 20-jähriges Bestehen. Micki, erzählen Sie von den Ursprüngen der Konzerthalle.

Micki: Das war eigentlich ein Zufallstreffer. Ich kam aus der Musikbranche, hatte eine Agentur und war, wie so viele andere, darauf angewiesen, Konzerte zu veranstalten. Weil dies aber nicht so gut lief, wollte ich eine eigene Halle haben und schaute mir mehrere an. Diese waren jedoch ohne Schallisolierung und eine solche war damals einfach zu teuer für mich. Nachdem ich mir dann eines Tages die heutige Live Music Hall angesehen hatte, rief mit jemand beim Hinausgehen hinterher, was ich mit der Halle machen wolle. Als ich sagte "Konzerte durchführen" kam die Antwort: "Diese Halle ist doch super, die ist isoliert". Denn das Gebäude war früher eine Blechschlosserei der Firma Bosch - und komplett isoliert. Tja, und so fing alles an. Später kamen zu den Konzerten, mit denen man eher weniger verdient, noch Partys hinzu.

Wenn Konzerte finanziell wenig abwerfen, warum verzichtet man nicht darauf?

Micki: Bei manchen Konzerten verdient man, bei anderen zahlt man zu. Aber Konzerte – egal, ob 100 oder 1.000 oder mehr Zuschauer – führen dazu, dass Leute hierhin kommen. Das hat einen sehr guten Werbeeffekt, regional und überregional. Dadurch wird der Name Live Music Hall zu einer Marke. Und dann kommen auch Leute zu unseren Partys, die vorher die Halle nur von Konzerten kannten. Das war vor 20 Jahren so und wird in 20 Jahren sicherlich immer noch so sein. Ein Zuschussgeschäft sind Konzerte aber keinesfalls.

Wie kamen Georg und Daniel mit ins Boot?

Georg: Ich habe früher in der Live Music Hall tolle Konzerte gesehen und mir gedacht: "ier willst Du auch mal Konzerte veranstalten". So haben wir mit unserer damaligen Agentur MG Productions die Halle zunächst für Konzerte gemietet. Irgendwann sind wir dann - wir kannten uns über die Konzertschiene näher - mit den LMH-Betreibern zusammengekommen. Und 1996 ersetzte ich Mickis frühere Partner.

Daniel: Ich habe im August 2004 bei der Live Music Hall GmbH eine Ausbildung als Veranstaltungskaufmann begonnen. Nach der Ausbildung war ich eine zeitlang Mädchen für alles – so wie heute, nur unter einem anderen Namen (lacht) – und habe, als Marcus Bült 2006 als Geschäftsführer ausschied, dessen Job übernommen.

Wieviele Konzerte haben in der Live Music Hall bislang stattgefunden?

Micki: Das ist schwer zu schätzen; es sind aber mehrere tausend.

Georg (schaut kurz in den Unterlagen nach): Etwa 3.000.

Welches waren Ihre musikalischen Höhepunkte der vergangenen Jahre?

Micki: Mir gefallen viele Auftritte von Bands oder Künstlern, die heute gar nicht mehr existieren: Zum Beispiel Johnny "Guitar" Watson (der Musiker starb 1996, d. Red.). Was ich auch nie vergessen werde, ist der Auftritt von Peter Frampton; der hat auf der Bühne ununterbrochen gelacht. Egal was im Publikum vor sich ging. Eine traurige Geschichte ist dagegen das Konzert von Johnny Winter: Der musste klapperdürr und einer Leiche gleich auf die Bühne getragen und wieder herunter geholt werden.

Georg: Das Konzert von Boo Ya Tribe war auch so ein Ding: Jeder von denen hatte mindestens 150 Kilo drauf, und dann sprangen die ununterbrochen. Da standen wir auch vor der Bühne und dachten "Au wei - ob das wohl gut geht?".

Daniel: Wenn es um Favoriten geht, dann war dies das Konzert von Ministry.

Gibt es auch einen persönlichen Kontakt zu den Bands, oder ist dieser rein geschäftlich?

Micki: Anfangs war es schon so, dass ich mich um Kontaktaufnahme mit den Künstlern, sei es Bob Geldof, bemüht habe und versuchte, diesen aufrecht zu erhalten. Aber mittlerweile sind so viele Künstler hier aufgetreten, dass ich davon Abstand genommen habe.

Sind Konzerte heute anders als früher?

Georg: Ich bin mir nicht sicher, ob sich das Konzertwesen verändert hat. Die Bands spielen immer noch gerne live und suchen die Nähe zum Publikum. Das ist heute nicht anders als früher.

Micki: Meiner Meinung nach gibt es schon Veränderungen. Man sehe sich nur mal die Mitarbeiterzahl der Plattenfirma an, die ist viel geringer geworden. Produktmanager wechseln oft nach ein, zwei Jahren. Und die Plattenverkäufe sind rapide zurückgegangen. All das wirkt sich auf die Konzerte aus. Wo die Fans früher eine neue Platte kauften, werden diese heute als Mp3 runtergeladen und das gesparte Geld in einen Konzertbesuch investiert. Der Wunsch, live dabei sein zu wollen, ist heute viel stärker ausgeprägt als früher. Das ist wie beim Trinken: früher trank man aus dem Glas, heute aus der Flasche – das ist cool. Und cool ist es auch, mit Freunden auf ein Konzert zu gehen.

Daniel: Je nachdem, welche Band auftritt, wollen die Fans ihrem Idol nahe sein. So geben sie ihr Geld eher dafür aus, als für Platten. Auf Konzerten gibt’s ein Gemeinschaftsgefühl, so was wollen die Zuschauer.

Beim Kölner Tokio-Hotel-Konzert zum Beispiel haben die Fans vor der Lanxess-Arena übernachtet. Gab es ähnliches auch bereits vor der Live Music Hall?

Daniel: Beim Auftritt von Miyavi (ein japanischer Visual Kei-Musiker; d. Red.) übernachteten die Fans bereits eine Woche vorher vor der Halle. Mit Decken und Zeltmuscheln ausgestattet wartete das Publikum auf das Konzert.

Spielen persönliche musikalische Vorlieben bei der Konzertauswahl eine Rolle?

Georg: Üblicherweise nicht, aber es gibt auch Konzerte, von denen wir wissen, dass wir Verluste machen, aber die machen dennoch Spaß.

Micki: George Clinton ist so ein Fall. Viele Zuschauer kommen zu dessen Auftritten nicht. Da fragen wir uns immer, sollen wir’s machen, oder nicht? Und bislang haben wir uns noch immer dafür entschieden. Aber es gibt auch Künstler, bei denen wir uns sagen: "Das muss nicht sein." Zum Beispiel, wenn die textmäßig unter aller Sau sind, oder es gefährlich für die Halle wird. Destinys Child zum Beispiel, ein großer Name zwar, aber die Goldkettchenabteilung, die ansonsten auf den Ringen verkehrt und die Lichtstraße mit dem Rudolfplatz verwechselt, die müssen wir hier wirklich nicht haben.

Welche Künstler stehen ganz oben auf der Konzert-Wunschliste der Macher der Live Music Hall?

Georg: Bob Marley würde ich gerne mal sehen – aber das wird ja schwierig (lacht).

Micki: Einer, den ich so oft gesehen habe, wie kaum jemand anderen: Carlos Santana würde ich gerne hier haben. Da würde ich so einiges für tun.

Kann man den Betrieb der Live Music Hall mit einem Bürojob vergleichen?

Georg: Es muss einem klar sein, dass man wenig Freizeit hat, für die Halle immer da ist. Da kann man nicht um 9 oder 10 Uhr kommen und gegen 17 Uhr gehen. Das muss aus dem Bauch heraus kommen, von Herzen kommen; sonst ist das Quälerei.

Sehen Sie sich eigentlich alle Konzerte selbst an?

Micki: Ach nein, eigentlich nicht. Davon gewinnt man irgendwann Abstand.

Georg: Nein, auf keinen Fall. Sicher, da gibt’s noch die ein oder andere neue Band – aber jedes Konzert? Das war mal. Schließlich wollen mich die Familie und die Kinder auch noch mal sehen.

Daniel: Ich seh’ mir viele Konzerte an, schließlich bin ich der Jüngste (Glächter). Da sind auch Auftritte dabei, die mich nicht auf Anhieb interessieren, aber die ich gerne mal sehen möchte. Auch außerhalb der Live Music Hall.

Welches ist Ihr Konzerttipp für 2010 in der Live Music Hall?

Daniel: Slayer!

Georg: Arrested Development.

Micki: Am 28. Dezember Carlos Santana (Gelächter). Noch hat er allerdings nicht bestätigt.

Daniel: Da könntest Du auch was vom 31. Februar erzählen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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