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Premiere im Theater Tiefrot

Leidenschaft und Wahnvorstellungen im "Woyzeck"

"Ein guter Mord, ein echter Mord, ein schöner Mord": Das Theater Tiefrot inszeniert das fragmentarische Drama "Woyzeck" von Georg Büchner mit viel Leidenschaft und Hingabe.

Von Julia Schmitz

Die Bühne im Theater Tiefrot ist eigentlich gar keine richtige Bühne: Die Zuschauer sitzen auf kleinen Podesten, in der dadurch entstandenen Kuhle tummeln sich die Schauspieler. Als Bühnenbild dienen ein grober Holztisch und zwei Bänke. Das schmucklose Umfeld bietet die ideale Kulisse für die Geschichte des Soldaten Woyzeck, der zwar eine gute Seele, aber nicht besonders viel Glück im Leben hat. 

Das Stück, welches Büchner mit seinem Tod 1837 als unvollendetes Fragment zurückließ, besitzt auch nach mehr als 170 Jahren noch erstaunliche Aktualität. Es handelt vom kleinen Manne, der sich in verschiedenen Nebenjobs verdingt, um seine Familie zu ernähren - und dadurch so selten zuhause ist, dass seine Freundin sich in die Arme eines vor Männlichkeit nur so strotzenden Tambourmajors wirft.

Realität oder Halluzination?

Menschen, die sich auf einer sozial höheren Stufe befinden, nutzen Woyzeck schamlos aus: So zwingt ein vom Forschungsdrang getriebener Arzt den armen Mann, sich wochenlang ausschließlich von Erbsen zu ernähren. Die Folgen dieser krassen Mangelernährung werden aufmerksam beobachtet - für den Arzt ist Woyzeck nicht mehr als ein "interessanter Kasus" ohne Willenskraft, welchen man getrost zu Studienzwecken missbrauchen darf. 

Dass die Hauptfigur nach und nach dem Wahnsinn verfällt, erscheint somit als logische Konsequenz: Immer lauter werden die Stimmen in Woyzecks Kopf, immer eindringlicher die Worte "Stich! Stich! Stich die Zickwölfin tot!". Immer stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Halluzinationen und Realität, bis Woyzeck keinen Ausweg mehr sieht und Freundin Marie in einer klaren Mondscheinnacht den Hals durchschneidet. 

Schmerz und Enttäuschung spürbar

Das unvollständig gebliebene Drama bietet dem Regisseur eine Menge Spielraum: Die Szenen können nach eigenem Belieben angeordnet werden, so lange der rote Faden - der zunehmende Wahnsinn der Hauptfigur - deutlich bleibt. Wolfram Zimmermann  und Lars Zastrow, die für die Inszenierung am Theater Tiefrot verantwortlich sind, meistern diese Aufgabe sehr gut. 

Doch es ist Volker Lippmann, der die Premiere zu einem von Anfang bis Ende fesselnden und faszinierenden Abend werden lässt: In seiner Rolle als Woyzeck geht er bis an seine Grenzen, spielt die Verwirrtheit der Figur bis in die letzte Faser aus, so dass man Schmerz und Enttäuschung fast schon schmecken kann. Auch die weiteren Schauspieler überzeugen auf ganzer Linie: Sandra Kouba als leichtfüßige Marie, Carlos Garcia Piedra als einfältiger Hauptmann, Arno Kempf als selbstverliebter Tambourmajor. Ein Theaterabend, der sich wirklich lohnt. 

Stückbrief
Woyzeck: Volker Lippmann
Marie: Sandra Kouba
Andres/Narr: Jörg Kernbach
Hauptmann: Carlos Garcia Piedra
Tambourmajor: Arno Kempf
Doktor: Bernd Blömer
Textfassung: Lars Zastrow
Regie/Bühne: Wolfram Zimmermann
Musik: Jonas Körfer/Ensemble
 
Weitere Aufführungen im April: 28., 29., 30. 

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