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Interview vor Köln-Konzert

US-Musiker klingen ziemlich britisch

The Airborne Toxic Event sind eine neue Band von der Westküste der USA. Genauer gesagt aus Los Feliz, einem Stadtteil der riesigen Metropole Los Angeles. Und anders, als man es vielleicht erwartet, machen The Airborne Toxic Event so gar nichts in Richtung Power-Pop-Rock-Punk wie so viele andere Westküstenbands. Ja, sie klingen nicht einmal amerikanisch - sondern britisch. Das Quintett liefert Rockmusik in bester Tradition der britischen Indierockbands der 80er Jahre. Und zudem sehr gute.

Ende April waren Sänger und Gitarrist Mikel Jollett, Gitarrist Steven Chen, Bassist Noah Harmon, Keyboarderin und Violinistin Anna Bulbrook sowie Schlagzeuger Daren Taylor erstmals in Deutschland und auf Tour. Sie stellten bei drei Auftritten in Berlin, Hamburg und Köln ihr am 10. Juli erscheinendes Debütalbum vor. koeln.de-Redakteur Helmut Löwe sprach vor dem Konzert im Kölner Gebäude 9 (26. April) mit Anna, Daren und Steven über Ihre Musik, ihre Auftritte und ihre Eindrücke von Deutschland.

Wie gefällt es Euch in Deutschland?

Daren: Wunderschön – gutes Bier.

Anna: Und guter Käse!

Daren: Es ist alles sehr sauber hier und es liegt kein Müll auf der Straße herum.

Hat Euch das etwa überrascht?

Daren: Überrascht trifft’s nicht so ganz; wir finden’s einfach gut. Es gibt Orte in Amerika, da ist es ähnlich. In Los Angeles dagegen, wo wir herkommen, ist es doch eher schmuddelig.

Steven: Was mir an Deutschland gefällt, ist die viele Kunst, die man in den Städten entdeckt. Wo Du auch hingehst – immer siehst Du irgendwelche Kunstwerke. Kunst ist hier ein wichtiger Bestandteil der Städte.

Anna: Was ich richtig klasse finde, ist, dass hier so viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs sind – eine richtige „Fahrradkultur“. In Los Angeles gibt zwar es eine Art „Fahrrad-Subkultur“, wo die Leute ihr Rad überall benutzen, aber die Stadt selbst ist furchtbar für Radfahrer. Und verdammt gefährlich, denn es gibt kaum Radwege.

Hattet ihr in Köln Zeit für Sightseeing?

Steven: Oh ja – wir haben uns am Samstag den Dom angesehen. Wir sind durch die Stadt gelaufen, haben eingekauft und lecker gegessen – Schnitzel gab’s. (lacht)

Anna: Ich war heute auf der Art Cologne. Es war super. Nach so einer langen Zeit im Tourbus ist es toll, mal wieder raus zu kommen, zurück in die „Zivilisation“ zu kommen, und etwas in sich aufzunehmen, was nichts mit unserer Musik zu tun hat.

Wie waren eure beiden Auftritte in Berlin und Hamburg?

Anna: Fantastisch.

Steven: Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll – das Hamburger Publikum war sehr „artig“. Alle warten, bis du den letzten Akkord gespielt hast und du weißt gar nicht, was los ist. Aber dann, nachdem die Show vorbei ist, klatschen die Leute nahezu pausenlos. Und im Anschluss an das Konzert sprechen alle mit Dir.

Anna: In Berlin war es wie eine riesige Party – wir haben uns unters Publikum gemischt. Einfach unglaublich. Wie bei guten Freunden.

Steven: Berlin war das erste Konzert unserer Tour durch Europa. Und nach dem Auftritt hatte ich ein gutes Gefühl. 

Daren: Wir wussten ja schließlich nicht, was uns erwarten würde; vor wie vielen Zuschauern wir spielen würden. Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn 20 Leute erschienen wären. Und letztendlich waren alle Hallen mindestens zur Hälfte voll. Wow, wir haben noch kein Album in Deutschland veröffentlicht, keiner weiß, wer wir sind – und all die Leute haben uns so herzlich willkommen geheißen. Das war wirklich toll.

Unterscheidet sich das deutsche Publikum von dem in anderen Ländern?

Anna: In den verschiedenen deutschen Städten ist das Publikum ja schon unterschiedlich: In Berlin zum Beispiel haben die Leute ausgelassen getanzt, in Hamburg dagegen erwartungsvoll und achtungsvoll unserem Auftritt zugesehen.

Steven: Die Hamburger hatten wohl großen Respekt und haben applaudiert, wenn sie meinten, dass man applaudieren müsse. Aber zum Ende des Auftrittes hin spürten wir, dass die Leute die Show super fanden: Nachdem das Saallicht angegangen war, wollte der Beifall einfach nicht enden. Wir waren uns gar nicht mehr so sicher, ob wir gehen oder bleiben sollten. Ich möchte nicht anmaßend sein, aber ich glaube, dass die Deutschen sehr viel mit Musik anfangen können und Musik lieben – ähnlich wie die Briten.

Anna: Das ist in Deutschland sicher nicht anders als in den USA – die Zuschauer unterscheiden sich von Stadt zu Stadt oder von Region zu Region. In Denver ist das Publikum zum Beispiel vollkommen anders als das in Boston oder in Los Angeles.

Daren: In New York und in Los Angeles muss man sich erst beweisen, weil es dort so unglaublich viele Bands gibt. Man muss dort härter ackern, um die Fans für sich zu gewinnen, während die Zuschauer hier begeistert davon sind, dass man überhaupt auftritt. Dies ist einer der Hauptunterschiede zwischen Deutschland und den USA. Amerika ist halt so unglaublich groß – Denver könnte wie Berlin sein, und Boston wie, wie… Berlin. (lacht)

Wie läuft Eure Tour?

Anna: Diese Tour ist etwas Besonderes – vorher haben wir überwiegend in englischsprachigen Ländern gespielt. Jetzt stehen wir das erste Mal vor Leuten auf der Bühne, deren Muttersprache nicht Englisch ist. In den USA und Großbritannien treten wir nun seit etwa zweieinhalb Jahren auf, und es ist sehr aufregend, über diesen Horizont hinauszukommen.

Steven: Jeder in der Band will neue Kulturen kennen lernen. Ich hätte vorher niemals daran gedacht, dass ich durch so viele Länder reisen würde. Oder dass ich irgendwann einmal nach Köln kommen würde. Ich bin froh, dass mir das passiert ist, und dass ich möglicherweise wieder nach Köln kommen werde.

Wenn ihr gefragt werdet, welche Art von Musik ihr macht, was antwortet Ihr?

Anna: Wir schreiben Songs, die wir mögen.

Steven: Ganz einfach gesagt: Rock’n’Roll. Ich glaube, dass die Einordnung in Genres oder Kategorien die Sache eher schwieriger macht, denn vereinfacht. Denn Du willst letztendlich nur gute Songs schreiben. Wir vermeiden es, uns in bestimmte Genres pressen zu lassen. Am einfachsten ist es, wenn du irgendwas Unsinniges angibst, wie zum Beispiel Psychobillyzigeunermusik oder irgendwas in der Art. Oder halt Rock’n’Roll. Weißt du, die Frage nach einer Kategorie ist wirklich verdammt schwer zu beantworten.

Ihr kommt von der Westküste der USA, wo man neue Bands aus der Power-Pop-Rock-Punk-Ecke erwartet. Und ihr hört euch dagegen eher „britisch“ an.

Steven: Es gibt eine riesige Musik-Community in L.A., die nichts mit Sunset Strip, Hollywood, Power-Pop und Orange County zu tun hat. Es existiert eine große Indie-Rock-Szene, die von Bands wie The Smiths oder Pulp beeinflusst ist - ich bin mit solchen Bands groß geworden. Europäer sind öfters überrascht, wenn sie hören, dass wir aus L.A. sind.

Anna: L.A. ist wie ein großes Abenteuer – acht bis zehn Städte, die durch Straßen und Freeways zusammenwachsen. Du kannst am Sunset Strip immer noch Stars wie Ron Wood mit seiner jungen Freundin sehen, aber das ist nicht das Los Angeles, aus dem wir kommen. Wir stammen aus einer ganz anderen Gegend – einer ganz anderen Welt.

Fühlt ihr euch durch die britische Musik der 80er Jahre beeinflusst?

Daren: Als ich anfing Schlagzeug zu spielen, war The Cure angesagt, The Clash, The Smiths, Echo & The Bunnymen und Siouxsie & The Banshees. Ich will nicht unbedingt behaupten, dass diese Bands mein entscheidender persönlicher Einfluss waren - XTC finde ich auch klasse.

Hatten die nicht einen Hit mit..?

Daren: „Making Plans for Nigel”. Das war auf dem 1979er Album „Drums And Wires.

Anna (unterbricht ihn): Daren kennt sich unglaublich gut in der Rockgeschichte aus. Manchmal spielen wir einen Song eine Sekunde an und er muss den Song erkennen, das Erscheinungsjahr, den Komponist und das entsprechende Album. Wie bei einem Quiz.

Steven: Wir hören uns auch Klassiker an wie David Bowie, die Stones und die Beatles. Oder Neueres wie die White Stripes – die sind großartig. Amerikanische und britische Musik beeinflussen sich gegenseitig sehr stark: Die Ramones haben die Sex Pistols beeinflusst, diese wiederum den Grunge. Ein einzige Hin und Her. Ich finde es toll, wenn sich die beiden Kulturen gegenseitig befruchten.

Wie kommt ihr mit Vergleichen zu bekannten Bands klar? Stört euch so etwas?

Anna: Ich glaube, es ist ein wenig verfrüht, uns mit anderen Bands zu vergleichen. Wir haben eine einzige Platte herausgebracht, die in Deutschland noch nicht einmal erschienen ist. Wir sind eine junge Band und fühlen uns zwar schon ein wenig geschmeichelt, wenn wir mit großen und berühmten Bands verglichen werden, aber ein solch schönes Kompliment ist etwas verfrüht.

Steven: Das erinnert uns daran, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben.

Anna: Ja, und das ist wirklich demütigend (lacht).

Daren: Es ist halt schwierig zu beschreiben, welchen Stil eine Band hat. Wenn du aber jemandem erzählst, die hören sich an wie die und die, dann kommt gleich zurück: Ach so, klar, die kenne ich.

Steven: Richtig, und durch Vergleiche kann man schließlich besser beschreiben, welche Musik eine Band macht. Den Vergleich mit bekannten Bands, auch wenn’s ein Lob ist, darf man allerdings nicht zu ernst nehmen. Denn zuerst musst du dir sicher sein, dass du deine Musik magst. Und du musst dich voll auf deine Musik konzentrieren und dein Ding durchziehen.

Daren: Wenn uns jemand sagte, dass wir uns anhören wie Carrie Underwood (US-amerikanische Countrysängerin und Gewinnerin der vierten Staffel von „American Idol“), oder Nickelback, dann müssten wir ernsthaft darüber nachdenken, ob wirklich alles richtig ist, was wir so machen. (Gelächter).

Wie kommen eure Songs zustande?

Daren: Mikel ist weitgehend verantwortlich für unsere Songs. Die Texte stammen ausschließlich von ihm. Und auch die meisten Melodien. Einige Titel sind zusammen mit unserem Bassisten Noah Harmon geschrieben worden und ein Song ist in Gemeinschaftsarbeit entstanden.

Anna: Mikel ist die absolut treibende Kraft.

Steven: Wir dagegen lernen immer noch – es ist ja schließlich erst unser erstes Album. Viele Songs hatte Mikel bereits geschrieben, als ich dazu stieß. Vier Monate lang bestand die Band nur aus Daren und Mikel – in der Zeit haben die beiden eine Menge ausklamüsert. Mikel ist so eine Art Dirigent.

Wie kommt ihr an euren Namen „The Airborne Toxic Event“?

Steven: Don DeLillo schrieb 1985 den postmodernistischen Roman „White Noise“. Eine Figur des Buches ist ein Universitätsprofessor der sich ganz und gar an Unglücke und Tote im Fernsehen gewöhnt hat – er hat schließlich den nötigen Abstand dazu. In einem Kapitel namens „The Airborne Toxic Event“ – deswegen lassen sich viele Fans das Buch von uns signieren - verunglückt ein Zug und setzt eine Giftwolke frei; die Medien überschlagen sich förmlich in der Berichterstattung. Und plötzlich wird für den Professor das ganze abstrakte Unglück und Chaos, was er bislang nur aus dem Fernsehen kannte, real.

Anna: Es ist halt ein außergewöhnlicher Name. Letztendlich kannst du dich irgendwie nennen. Und warum dann nicht so?

Welche Pläne habt ihr für die Zeit nach eurer Tour?

Steven: Na ja – wir sind eigentlich immer auf Tour. Wenn die eine aufhört fängt die nächste an. Anna: Nach unseren Auftritten in Europa spielen wir im Sommer auf verschiedenen Festivals in den USA. Anschließend treten wir erneut auf Festivals in Europa auf, bevor wir nach Japan und Australien reisen. Was im Herbst passiert… wer weiß?

Wie sieht’s mit einer neuen Platte aus? Arbeitet ihr daran?

Alle zugleich: Jaa.

Anna: Immer, wenn wir Zeit dafür haben.

Steven: Zwei Songs, die auf der kommenden Platte sein werden, spielen wir jetzt schon bei unseren Auftritten. Das war mit der aktuellen Platte genau so: Wir hatten eine Menge Titel beisammen und mussten uns entscheiden, welche auf die Platte kommen sollten. Und bei solchen Entscheidungen ist es wichtig, wie das Publikum in Konzerten auf die Titel reagiert. So soll es auch bei der nächsten Platte sein.

Wisst ihr schon, wann die neue Scheibe erscheinen wird?

Anna: Wir wissen ja noch nicht einmal, wann wir sie aufnehmen sollen – wir sind ja ständig auf Tour. Vielleicht wird ja im Dezember was daraus; oder aber erst im nächsten Jahr. Je nachdem, wie die Dinge laufen.

Steven: Mikel kommt am besten zurecht, wenn er alleine ist und seine Ruhe hat. Wir werden ihn wohl nach Südfrankreich schicken müssen

Anna: So wie gestern: Während wir in Köln unterwegs waren, blieb er im Hotelzimmer und arbeitete an den Songs.

Daren: Um sich zu konzentrieren braucht er vollkommene Ruhe und Abgeschiedenheit – so wie ein Mönch.

Mikel scheint ja ein echter Workaholic zu sein?

Anna und Daren: Ja, absolut.

Daren: Er ist der Meinung, dass, wenn du etwas ernsthaft machen willst, du viel Zeit darin investieren musst und du keinesfalls aufhören darfst.

Was werdet ihr als Erinnerung an Deutschland mit in die USA nehmen?

Anna: Wenn man aus Los Angeles kommt, fällt einem direkt auf, wie geschichtsträchtig das Land ist. Hier existiert so viel aus dem Mittelalter. In Los Angeles dagegen gilt das schon als alt, das aus den 70ern ist. Wenn etwas älter ist, als 50 Jahre, dann ist man schon beeindruckt.

Steven: Deutschland hat kulturell sehr viel zu bieten – und das wird auch durch die Architektur deutlich. Du kannst in vielen Gebäuden die Kultur direkt erkennen. In Los Angeles ist Kulturelles eher verborgen. Es ist zwar da, aber man wird es nicht gewahr. Nicht so offensichtlich, wie es hier in den Fassaden der Gebäude deutlich wird.

Daren: Ich wage es kaum, es nochmal zu sagen – aber das Bier ist wirklich super. Ebenso das Essen. Ich finde, dass die Architektur hier in Deutschland etwas Besonderes hat; und ich werde mich daran erinnern, dass ich im Kölner Dom war. 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Internet: myspace.com/theairbornetoxicevent

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