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Musiker in Höchstform

Thin Lizzy zeigten Lehrstunde in Sachen Rock

Eine Band, die seit 1969 in Sachen Rockmusik unterwegs ist - und auch über 40 Jahre später noch frisch klingt: Thin Lizzy. Die Rocklegende legte in der Live Music Hall einen furiosen Auftritt hin, den man getrost als Lehrstück der Musik bezeichnen darf.

Von Helmut Löwe

Mit ihrem Opener machten Thin Lizzy sofort klar, wo der Hase am Sonntagabend langläuft: "Are you ready to rock? Are you ready to rip it up?" Von da ab zeigte die Rocklegende aus Irland den etwa 1.300 Zuschauern, wie sich Musik anhört, wenn sie von den richtigen Leuten gemacht wird. Und genau diese Leute, sechs an der Zahl, hatten sich auf der Bühne der Live Music Hall eingefunden, eine Lehrstunde in Sachen Rock zu geben.

Bildergalerie: Thin Lizzy in der Live Music Hall

Erst vor kurzem hatte Lizzy-Veteran und Gitarrenvirtuose Scott Gorham fünf musikalische Protagonisten, darunter Thin-Lizzy-Gründungsmitglied Brian Downey, um sich geschart: Zusammen mit dem früheren Thin-Lizzy-Keyboarder Darren Wharton, Ricky Warwick (Gesang), Vivian Campbell (Gitarre) und Marco Mendoza (Bass), allesamt Könner ihres Fachs, ging Gorham daran, dem legendären Frontmann Phil Lynott auf einer Tour anlässlich dessen 25. Todestages zu huldigen. Tja - und schon war man on the Road.

In allen Spielarten des Rock beheimatet 

Die sechs Musiker füllten die Bühne der alten Ehrenfelder Industriehalle beileibe nicht nur in Persona aus: Wie eine breite Wand kam der Sound, den die Band mit ihren beiden Meistern an den Gitarren produzierte, über die Fans gebraust. Vor dem Bandlogo im Glitzerlook, das von Lichteffekten umhuscht wurde, zeigten Gorham und Kollegen, dass sie in nahezu allen Spielarten des Rock beheimatet und firm sind. Ob Bluesrock, treibender Rock'n'Roll oder schwergewichtiger Hardrock - Thin Lizzy machten deutlich, dass sie nicht umsonst unter den ganz Großen des Rock geführt werden.

Wo andere Gitarristen mit simplen Riffs für den Rhythmus sorgen, lieferten Gorham und Campbell ausgefeilte Gitarrenläufe. Die Soli, oft zweistimmig, bei denen sie sich immer wieder den Aktivposten wie einen Ball hin- und herwarfen, ließen so manchen Mund im Publikum offenstehen: Für das, was beide auf der Bühne aus dem Effeff zauberten, brauchen andere Gitarristen in der Entspanntheit eines Studios Anlauf um Anlauf. Dank der hervorragenden Gitarrenarbeit mutierte auch ein eher mittelmäßiger Song wie "Wild One" einmal mehr zu einem richtigen Kracher.

Thin Lizzy statt Metalkapelle

Um nichts nach stand ihnen der Rest der Band um Sänger Warwick, der hin und wieder zur Gitarre griff und das Gitarrenduo zu einem Triumvirat machte. Überzeugend dabei die Stimme des Keyboarders Wharton, der sich während "Still in Love with you" mit Warwick abwechselte. Dass Downey trotz seiner 60 Jahre keineswegs zum alten Schlagzeugereisen gehört, zeigte sein kurzes, fulminantes Solo. Sauber und auf den Punkt die Bassarbeit Mendozas, dessen optische Erscheinung, langmähnig wie er ist, auch einer knallharten Metalkapelle gut zu Gesicht gestanden hätte.

Mehr als einmal erinnerte Warwick an seinen berühmten Vorgänger Lynott, der am 4. Januar 1986 an den Folgen seines jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauchs starb. Darüber hinaus stand ein zweites ehemaliges Bandmitglied im Fokus des Abends: Gary Moore. Der Gitarrist, der unter anderem am Album "Black Rose" beteiligt war, starb eine  Woche zuvor, am 6. Februar 2011, im Alter von 58 Jahren. Ihm zu Ehren intonierte Thin Lizzy den gleichnamigen Titelsong der Scheibe nach eindreiviertel Stunden als letzte Zugabe. Und heimste nicht nur damit den lautstarken Applaus der begeisterten Fans ein.

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