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Wenn die Gitarren lärmen

Neil Young und Crazy Horse begeistern in der Arena

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Neil Young und Crazy Horse: eine eingeschworene Musikergemeinschaft, die Rock mit Folkelementen lautstark und mit lärmenden Gitarren zelebriert. Und 13.500 Zuhörer in der Arena mit Instrumentenorgien begeistert.

Alchemist ist er nicht, keiner, der aus rostigem Schrott Gold oder ähnliche Edelmetalle macht. Selbst, wenn seine Tournee genau so heißt: "Alchemy-Tour". Dafür ist Neil Young einfach viel zu wenig Hitproduzent. Oder Chartmaschine. Und das will er auch gar nicht sein; denn wie sonst könnte man wohl erklären, warum er nicht sehr viel mit radiotauglicher Lieddauer von knapp vier Minuten zu tun hat. Young Songs sind ganz oft länger. Viel länger sogar, wie "Driftin' back" von seinem jüngsten Album "Psychedelic Pill" mit einer Laufzeit von über 27 Minuten deutlich macht. Oder "Ramada Inn" und "Walk like a Giant", beide weit über 16 Minuten lang. Young wäre durchaus in der Lage, ein anderthalbstündiges Konzert mit einer Setlist von gerade einmal fünf Titeln zu bestreiten.

Ganz so ist es in der Kölner Lanxess-Arena am Freitagabend jedoch nicht, selbst wenn Young die beiden letzten der genannten Lieder sowie weiteres längeres Material im Repertoire hat. Zusammen mit seinen langjährigen Begleitern Crazy Horse packt er durchaus etwas mehr aus der Liederschatzkiste aus, auch manch ziemlich alten Song. So zum Beispiel gibt es mit "Cinnamon Girl" und "Everybody knows this is Somewhere" als Zugabe Titel aus dem gleichnamigen Album von 1969 - die erste Zusammenarbeit von Young mit Crazy Horse. Und anderthalb Stunden nehmen sich Young und Crazy Horse auch nicht Zeit - wenn Musik, dann richtig, sagen sie sich wohl und bedienen das Publikum zwei Stunden und zwanzig Minuten lang.

Rocker ohne Rockstarattitüde

Trotz dass die vier ganz klar Rockmusik machen - von Folk- und Liedermacher- und einigen, wenigen Blueselementen mal abgesehen - geht Young, Gitarrist Poncho Sampedro, Bassist Billy Talbot und Schlagzeuger Ralph Molina jegliche Rockstarattitüde, Posing gar, anscheinend vollkommen ab. Lediglich in Jeans, T-Shirt und Schlabberhemd bekleidet stehen die Musiker auf der Bühne. Viel Bewegung und Aktion gibt es nicht. Wenn die Saitenfraktion eng aufeinanderhockt, hat dies fast schon was von einer intimen Skatrunde. Da scheint die riesige Bühne deutlich überdimensioniert, selbst das heimische Wohnzimmer würde dem Quartett sehr viel Platz bieten.

Aber warum sollen sie auch wild über die Bühne tigern, die großen Showmen markieren? Nein, die vier Musiker wollen ganz unprätentiös Musik machen. Ist ja auch ihr Job. Und den tun sie vorrangig mit ganz viel Instrumentalanteil: Wo andere Bands kurz mal ein knappes Solo in ihre Lieder einstreuen, scheucht Young nicht enden wollende Gitarreneskapaden aus den Lautsprechern; lässt sein Instrument wimmern, kreischen, knurren, sich außer der Reihe anhören. Irgendwie so wie eine Jamsession mit sich alleine, während seine drei Kollegen neben ihm den Rhythmus weiterbrummen und -rumpeln lassen. Das ist schon wirklich sehr bodenständig, Rockmusik ohne neumodischen technischen Firlefanz wie Sampler, digitales Equipment und Rhythmus aus dem Laptop.

Lagerfeuerromantik und "Friedenslieder"

Aber auch ohne elektrische Verstärkung der Gitarre, ohne Verzerrer und Rückkopplungen gibt Young ein sehr gutes Bild ab: Wenn er "Heart Of Gold" und Bob Dylans "Blowin' In The Wind" ganz alleine mit Akustikgitarre und Mundharmonika intoniert, verbreitet sich in die Riesenhalle Lagererfeuerromantik. Die 13.500 Zuhören kommen sich dann ein wenig vor, wie in einem Zeltlager irgendwo in der Wildnis, in dem jemand "Friedenslieder" anstimmt. Apropos Dylan: diesem huldigten Young und Crazy Horse auch schon auf "Psychedelic Pill" mit der Textzeile "First time I heard 'Like A Rolling Stone', I felt that magic and took it home" im Lied "Twisted Road". Nun also auch die Hommage an Herrn Robert Allen Zimmerman als Konzertbestandteil in aller Öffentlichkeit.

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