• Home
  • Mi, 7. Dez. 2016
  • Stadtplan
  • cologne.de
  • Branchen
  • KoelnMail
  • Experten

Rausch von Licht und Ton

Kraftwerk im Palladium: ein audiovisuelles Meisterwerk

Von

Rote Hemden und schwarze Krawatten - daran erkennt man sie: Kraftwerk. Mittlerweile und im Palladium stehen die vier Düsseldorfer so zwar nicht auf der Bühne, fesseln das Publikum aber mit grandios inszeniertem Klang und Licht.

500 Meter ist sie lang, die Schlange vor dem Palladium. Die Konzertbesucher müssen also einen langen Atem haben, um Einlass zum Konzert zu erhalten. Dabei tritt in der Mülheimer Halle keine Teeniepopband auf, wo langes Anstehen oft genug vorkommt, sondern lediglich vier ältere Herren stehen auf der Bühne. Doch halt - bei den vier älteren Herren handelt es sich um Kraftwerk. Ein Name, der bei Musikfans Ehrfurcht hervorruft. Kraftwerk gelten als Pioniere, als Ikonen der elektronischen Musik, gehören zu den einflussreichsten Musikern der Neuzeit. Da darf die Schlange eben mal lang sein.

Irgendwann ist dann doch der letzte Besucher eingelassen, mit gut 20-minütiger Verspätung beginnt der knapp zweistündige Auftritt. Allerdings ist das Konzert des Düsseldorfer Klangkombinats so gar nicht wie ein übliches Konzert. So wie ein Konzert, bei dem die Fans ununterbrochen johlen, lauthals mitgröhlen oder -singen, jederzeit tanzen oder klatschen zu dem, was auf der Bühne geschieht. Ein Konzert von Kraftwerk, und besonders das der Sorte "Kraftwerk 3D", liegt weit jenseits des herkömmlichen musikalisch konzertanten Maßstabes. Denn "Kraftwerk 3D" ist ein aufwändig inszeniertes audiovisiuelles Gesamtkunstwerk.

Bildergalerie: Kraftwerk 3D im Kölner Palladium 2015

Beeindruckende Symbiose von Licht und Klang

Wenn die vier "Musikarbeiter" um Kraftwerkgründungsmitglied Ralf Hütter nahezu statisch hinter ihren minimalistischen Apparaturen stehen, dann lauscht das Publikum andächtig digitalen Klängen, die die Welt bewegten und bewegen. Dann bestaunen die mit speziellen 3D-Brillen versehenen Komzertbesucher dreidimensionale optische Elemente, dann rezipieren die Anwesenden beeindruckt eine Symbiose von Licht, Klang und der Anwesenheit von Künstlern, die die elektronische Musikszene von den 70er Jahren an prägten wie kaum jemand anders.

Hütter, Henning Schmitz, Fritz Hilpert und Falk Grieffenhagen lassen die 4.000 anwesenden Personen mehr als nur andächtig lauschen - sie lassen die Menschen staunen. Denn hat man so was schon mal im Konzert gesehen? Gesehen, dass Satelliten direkt auf einen zufliegen, quasi im Publikum vor einem abtauchen? Kubische Körper zum Greifen nah sind? Wörter, Sätze aus der Tiefe des Raumes heranhuschen und erst unmittelbar vor einem haltmachen? Nein, bislang hat man so etwas auf einem Konzert noch nicht gesehen, das ist wahrhaft ganz großes Kino.

Die Bühnenprotagonisten verschmelzen mit der Optik, stehen bald weit vor dem visuellen Geschehen, bald mittendrin, bald dahinter. Ohne sich auch nur einen Zentimeter von ihren wie Raumschiffkonsolen aussehenden Pulten zur Klang- und Lichterzeugung wegzubewegen. "Am Heimcomputer sitz' ich hier, und programmier' die Zukunft mir", so lautet eine Textzeile des Liedes "Heimcomputer" vom Album "Computerwelt" aus dem Jahre 1981. Über 30 Jahre alt, immer noch hochmodern: Denn mit ihrem Zusammenspiel aus Ton und Licht reisen Kraftwerk durch die junge Vergangenheit, durch die Gegenwart und touchieren die Zukunft.

Maschinen ersetzen Menschen

Wer rote Hemden, schwarze Krawatten und graue Hosen erwartet -  das bildliche Markenzeichen Kraftwerks - muss sich bis zur ersten Zugabe gedulden. Dann nämlich ersetzen Maschinen Menschen, bewegen sich automatengleich zu "Die Roboter". Und greifen mit meterlangen Armen mitten hinein in den Kubus Palladium. In diesem Moment ist das ungewöhnliche Konzert ein gewöhnliches Konzert - die Zuhörer und -schauer johlen, pfeifen und klatschen vor Begeisterung. Während "Music nonstop" lange erklingt, Noten durch die Luft schweben, verabschieden sich die Kraftwerker einer nach dem anderen unter höflicher Verbeugung.

"Gute Nacht, auf Wiedersehen" sagt Hütter um 22:25 Uhr - die Nacht war und bleibt gut, ein Wiedersehen darf gerne sein. Dann aber doch vielleicht an einem anderen Ort als dem Palladium, an einem Ort, der geeigneter für die  außergewöhnliche audiovisuelle Überschwemmung ist. Ein bisschen mehr genießen als im Gedränge unter schiebenden Menschen mit eingeschränkter Sicht wäre nicht schlecht!

Schon gelesen?

Mehr Musik in Köln

callejon140210_hl_7958_145.jpg

Konzerthallen

Die Kölner Konzerthallen in der Übersicht.  mehr

acdc150619_hl-27_145.jpg

Musiknews

Berichte über Bands, Musiker und Konzerte in Köln.  mehr

konzertticket_bonjovi_145.jpg

Tickets

Eintrittskarten und Tickets für Konzerte bestellen.  mehr

Onlinespiele

hex-puzzle-225.jpg
Ganz schön knifflig: Platzieren Sie die Sechseck-Elemente so, dass möglichst viele auf das Spielfeld passen.  Jetzt spielen!
smartybubbles-225.jpg
Schießen Sie Ihre Luftblasen auf mindestens zwei Blasen mit der gleichen Farbe und bringen Sie diese so zum Platzen. Achtung! Suchtgefahr!   Jetzt spielen!
mahjong-600.jpg
Mahjong op kölsch - können Sie alle Steine entfernen?  Mahjong spielen