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Synthiepop-Pioniere plaudern

OMD im Exklusivinterview mit koeln.de

Orchestral Manoeuvres In The Dark, kurz OMD, sind nach 14-jähriger Pause mit einem neuen Album wieder zurück: "History Of Modern" heißt ihre Comebackscheibe und sie ist das elfte Studioalbum der Synthiepop-Pioniere. Zur Zeit rühren OMD in Deutschland die Werbetrommel für das neue Album.

koeln.de traf sich mit OMD vor ihrem Promotermin in Köln am Mittwoch zum Interview in der Südstadt. Helmut Löwe sprach mit den OMD-Köpfen Paul Humphreys und Andy McCluskey über das Comeback der Band, das neue Album, und die Unterschiede zwischen Synthiepop früher und heute.

Ihr seid dieses Jahr nicht zum ersten Mal in Köln, ihr wart bereits zur c/o pop hier. Wie war es für Euch, mit jungen Musikern zusammenzutreffen?

Andy: Wir hatten leider einen engen Zeitplan und konnten keine der anderen Bands sehen. Das hat uns sehr frustriert, da wir unbedingt Robyn erleben wollten. Aber sie ist erst vier Stunden nach uns aufgetreten. (OMD hatten am 25. Juni während des Spex-Abends einen Überraschungsauftritt als erste von vier Bands im Gloria; d. Red.). Und wir konnten wirklich nicht bis um 1 Uhr morgens warten.
Unser Auftritt selbst war ziemlich seltsam: Die meisten der Zuschauer waren so jung, dass sie hätten unsere Kinder sein können. Und sie machten den Eindruck, als würden sie sich fragen, was zum Teufel ihr Vater auf der Bühne treibt. Aber zum Ende des Sets hin sind sie richtig mitgegangen.

Kannten denn wenigstens einige Eure Songs?

Andy: Na ja, wir haben als erstes „Maid Of Orleans“ gespielt, und selbst bei diesem Riesenhit gab es ahnungslose Gesichter. Daran kannst Du sehen, wie jung das Publikum war.

Das ist schon verwunderlich, denn die Besucher der c/o pop sind überwiegend Electronica-Fans und sollten eigentlich die Urväter der elektronischen Musik kennen...

Andy: Da wir nicht angekündigt waren, wusste kaum jemand, dass wir Orchestral Manoeuvres In The Dark waren. Schon ganz schön seltsam. Aber machen wir uns nichts vor: Niemand hatte uns mehr auf dem Schirm, und das für eine verdammt lange Zeit. Und es wird auch sicherlich noch einige Zeit brauchen, bis wir wieder etabliert sind. Im Moment läuft’s aber großartig für uns. Das neue Album ist gerade erst erschienen und macht sich sehr gut. „History Of Modern“ steht in den Top Ten – was nicht schlecht für das erste Album nach 14 Jahren Pause ist. (lacht)

Wie war es für Euch, nach einer 14-jährigen Pause neue Songs zu schreiben?

Paul: Wir haben nie wirklich aufgehört, Songs zu schreiben. Wir haben lediglich nicht mehr zu zweit an neuen Songs gearbeitet. Als mit OMD zunächst Schluss war, haben wir uns beide unterschiedlichen Projekten gewidmet, aber immer neue Songs geschrieben, Musik gemacht, kreativ gearbeitet. Und so war es nicht allzu schwierig, wieder zusammenzuarbeiten.

Andy: Paul hat’s auf den Punkt gebracht: wir beide sind äußerst kreativ geblieben, nur nicht als OMD. Nachdem wir uns wieder zusammengetan hatten, überlegten wir, wie wir den Sound der ersten OMD-Alben für eine neue Platte nutzen könnten, ohne auf der Nostalgieschiene zu fahren. Denn der originäre OMD-Sound der ersten Stunde sollte sich modern anhören, nicht wie ein alter Hut, sondern wie Musik anno 2010.

Habt ihr moderne Technik wie Computer oder digitale Aufnahmegeräte benutzt oder auf Technik der 80er Jahre wie analoge Synthesizer gesetzt?

Paul: Von dem alten Kram kam rein gar nichts zum Einsatz. Was das betrifft, sind wir verdammt modern.

Andy: Heutzutage sind es ja vielmehr die 20-Jährigen, die mit analogen Bandgeräten oder analogen Synthesizern herumexperimentieren. Wir aber sind nicht mehr scharf darauf, einen Jupiter 8 (analoger Synthesizer der Firma Roland aus den frühen 80ern; d. Red.) durch die Gegend zu schleppen (lacht).

Paul: Wir beide besitzen moderne Studios. Ausgestattet mit allem möglichen technologischen Schnickschnack. Und wenn wir damit die von uns angestrebten ursprünglichen OMD-Sounds generieren können, warum nicht?

Ist es für euch dank moderner Technik einfacher geworden, Musik zu machen?

Paul: Nicht wirklich, manchmal ist es sogar schwieriger als früher. Es gibt einfach viel zu viele Möglichkeiten mit der heutigen Technologie. Die Synthesizer zum Beispiel haben eine wahnwitzige große Sammlung von Sounds, sodass du endlos Zeit damit verbringen kannst, dich durch die ganzen Einstellungen durchzuwühlen.
Das geht ja schon beim Schlagzeug los: Früher hatten wir eine einzige Drum-Machine und konnten zwischen drei verschiedenen Bass-Drum-Klängen wählen. Und jetzt musst du dich durch 1.500 Bass-Drum-Klänge arbeiten, bis du den geeigneten Sound gefunden hast. Du musst dich also limitieren, um nicht im Wirrwarr der Klänge verloren zu gehen.

Andy: Ein Song schreibt sich nicht von selbst. Damals nicht, wie auch heute. Wenn das so wäre, würden wir jeden Tag den Knopf für die „Hit-Single“ drücken. (lacht)

Warum ist die CD in Seite eins und Seite zwei unterteilt?

Andy: Das hätte ich wohl besser nicht getan. Es ging dabei lediglich um Song-Management. Da ich derjenige bin, der die Reihenfolge der Songs festlegt, kam ich mit 13 etwas ins schleudern. Deswegen habe ich die Titel in zwei Stapel geordnet. Und jetzt sieht’s nach Vinyl-Retro aus, aber das ist es gar nicht.

Mike Crossey hat Euer Album abgemischt – wie war sein Einfluss auf „History Of Modern“?

Andy: Ehrlich gesagt, sind unsere besten Alben entstanden, wenn ein Toningenieur seine Finger im Spiel hatte. Und ein solcher ist Mike. Die Produktion lag zwar bei uns, doch manchmal muss sich jemand mit „frischen“ Ohren die Arbeit anhören. Mike ist ein großartiger Produzent, Mixer und Toningenieur. Wir sitzen sogar in demselben Gebäude. Und eines Tages ging ich mit unserem Material zu ihm und sagte „Hey Mike, misch das mal ab.“.

So, so, ihr wolltet also lediglich Kosten einsparen?

Andy: Nein, nein, Mikes Job war das Teuerste am gesamten Album (beide lachen). Wir beide hätten es in unseren Studios auch kostenlos machen können.

Mike wird eher mit Alternative- und Indiebands wie den Arctic Monkeys oder Razorlight in Verbindung gebracht. Warum trotzdem er?

Andy: Ja, das ist schon richtig. Aber Mike kann alles mixen – und er hat reichlich Erfahrung in Sachen Elektropop. Als wir jung waren, haben wir auf altes Equipment und Röhrengeräte zurückgegriffen, um einen weichen, nicht klinisch wirkenden Klang zu erhalten. Und Mike hält es ähnlich.

Warum habt Ihr „If You Want It“ als erste Single veröffentlicht?

Paul: Das war nicht unsere Entscheidung – schuld ist das Radio. Andy: BBC Radio 2 sowie verschiedene deutsche Radiosender wollten den Song spielen. Und da haben wir gesagt: „O.k., nehmen wir das als erste Single“. Das bedeutet aber nicht, dass wir „If You Want it“ für den besten Song des Albums halten.

Paul: Singles sind eine heikle Geschichte: Geld verdienst du damit kaum. Viel wichtiger ist es, als Single ein Aushängeschild für das gesamte Album zu haben. Im besten Falle den Song, der am häufigsten im Radio gespielt wird.

Für welchen Song hättet ihr euch denn entschieden?

Paul: Welchen hättest Du ausgewählt?

„New Babies: New Toys“. Dieses klingt nicht wie die klassischen OMD-Stücke.

Andy: Meine Frau ist ein riesiger Pop-Fan. Und genau dieses ist auch ihr Lieblingslied. Auf meine Anmerkung, was mit den aggressiven Drums und dem schrägen Basslauf sei, sagte sie nur: „Der Refrain ist Pop in Reinkultur“. Und wir wollen mit Singles ja auch kein Geld verdienen. Wir sind ja schließlich keine amerikanische HipHop-Band. 

Ist das erste Album nach einer solch langen Unterbrechung ein Schritt in Richtung OMD Teil zwei?

Paul: Wir haben in der Tat schon an ein weiteres Album gedacht. Aber um darüber zu reden, ist es eindeutig zu früh – schließlich ist „History of Modern“ gerade erst erschienen. Wir wollen erst mal sehen, wie sich die Sache entwickelt. Wenn es gut läuft, wenn wir Lust darauf haben, machen wir sicherlich weiter Aber es ist kein Muss?

Paul: Richtig, denn wir brauchen das Geld nicht. Wir wollten lediglich wieder auf der Bühne stehen, Spaß haben. Und Spaß hatten wir damit, das Album aufzunehmen. Wenn wir uns auch erst daran gewöhnen mussten, wieder zu zweit zu arbeiten.

Andy: Zu Beginn der Arbeit am neuen Album wollten wir up to date sein und haben die Ergebnisse unseres Schaffens übers Internet ausgetauscht (Andy lebt in der Nähe von Liverpool, Paul in London; d. Red.). Das klappte zwar, war aber sehr ineffektiv.

Paul: Und außerdem litt die Kreativität darunter. Irgendwann haben wir uns dann zusammen ins Studio verzogen, und die Ideen sind nur so gesprudelt.

Andy: Wir stehen jetzt wieder da, wo wir am Anfang mit OMD standen: Wir machen das, worauf wir Lust haben und nehmen uns alle Freiheiten. Das gleiche haben wir bereits vor 30 Jahren gemacht. Und wir waren damals überrascht, mehrere Millionen LPs zu verkaufen – dabei wollten wir nie Popstars sein. Dieses Mal werden wir zwar sicherlich keine Millionen Alben verkaufen, aber es ist toll, das machen zu können, wozu man Lust hat.

Wenn ihr eines Morgens aufwachtet und es würde keine Musik mehr geben, welches wären die Platten, die ihr am meisten vermisstet?

Paul: „Radioaktivität“ von Kraftwerk.

Andy: Hey, das wollte ich auch sagen.

Paul: Ich liebe dieses Album heute noch genau so, wie ich es in den 70ern geliebt habe und höre es mir sehr oft an.

Paul: Zum einen „Greatest Hits“ von Leonard Cohen. Darauf sind tolle einschmeichelnde Melodien und großartige Texte. Zum anderen Platten von Kate und Anna McGarrigle, zwei kanadische Folksängerinnen. Kate ist die Mutter von Martha und Rufus Wainwright, sie starb leider im vergangenen Jahr. So, das waren zwei von mir, jetzt hast Du auch noch eine, Paul.

Paul: David Bowies „Station to Station“.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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