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"De Plaat" ist wieder am Start

Jürgen Zeltinger meldet sich mit "Best of"-Album zurück

Köln (ddp-nrw). Der Mann hat einiges erlebt in seinem Leben - und das sieht man ihm auch an. Doch jetzt, mit 59, meldet sich Jürgen Zeltinger, genannt «de Plaat» (Die Glatze), zurück. Das Urgestein der kölschen Rockszene feiert am 21. Oktober mit einem großen Konzert sein 30. Bühnenjubiläum. Schon einige Tage zuvor erscheint am 17. Oktober ein «Best of»-Doppelalbum unter dem Titel «Geschmack, Charakter, Zeltinger - 30 Jahre Wahnsinn in Vollendung» (EMI/Rhingtön), was in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Es war ein langer Weg von dem Jungen, der einst brav im Schulorchester musizierte, hin zum rabiaten Zweieinhalb-Zentner-Ereignis, das Jahrzehnte später lediglich mit Tigerslip bekleidet über die Bühnen der Republik tobte. «Schon als Jugendlicher war für mich klar, dass ich Musiker werde», erinnert sich Jürgen Zeltinger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp. Eine bürgerliche Existenz verbot sich da: «Ich war ein Hippie.» Schon in 1960er Jahre textete er kölsche Rockmusik: «Doch dafür war die Zeit noch nicht reif».

Stattdessen hielt sich der Kölner nach eigenen Angaben mit seinem Kumpel, dem Schauspieler Heiner Lauterbach, als Straßenmusiker in Paris über Wasser: »Wir haben so lange gespielt, bis wir genug Geld für zwei Flaschen Whisky zusammen hatten«.

Der Durchbruch im Kölner Roxy

Der Durchbruch gelang dann 1979 fast versehentlich bei einem Party-Auftritt von Zeltinger und seiner damaligen Band in der Kölner Kultkneipe Roxy. Produzent Conny Plank (1940-1987, unter anderem Talking Heads, Annie Lennox, Ideal) ließ mehr aus Spaß die Bandmaschine mitlaufen. Dabei entstand mit «Live im Roxy und im Bunker» ein Album, das aus dem Stand die gesammelten Qualitäten der «Plaat» präsentiert.

Musikalisch setzte Zeltinger auf eine kaum näher zu bestimmende Mischung aus Rock, Rock'n Roll und Punk: «Ich habe mich da nie so festlegen wollen». So entstanden Stücke wie «Panzerfahrer» oder die von den Ramones inspirierte Schwarzfahrer-Hymne «Müngersdorfer Stadion», bis heute das Kultlied aller Beförderungserschleicher. Der Sänger stampfte das Volkslied «Mein Vater war ein Wandersmann» auf eine Minute und vier Sekunden ein und verlegte seine Version von Lou Reed «Walk on the wild side» auf den Kölner Schwulenstrich.

Der schamfreie Umgang mit Stabreimen fand aus dem Stand ein begeistertes Publikum, auch wenn heute der Chef der zunächst bunt zusammen gewürfelten Zeltinger-Band etwas zerknirscht ist: «Wenn ich gewusst hätte, dass der Mitschnitt tatsächlich als Album rauskommt, dann wären die Texte wohl nicht so drastisch geworden.»

Für den ungehobelten Live-Mitschnitt fand sich prompt eine große deutsche Plattenfirma. Seinen ersten Vorschuss ließ sich Zeltinger mangels eigenem Konto kurzerhand in bar auszahlen: »Ich bin sofort zu Köln bekanntesten Juwelier gegangen, habe mir dort eine Rolex und ein Dupont Feuerzeug gekauft, dann ab zum Flughafen und dann eine Woche Mallorca, nur so zum Feiern».

Der Asi mit Niwoh

Sein künstlerisches Credo sollte er auf ein späteres Album packen: «Ich bin ein Asi mit Niwoh, lese Lyrik auf'm Klo, poliere Kritikern die Fresse, der Band mach ich das Abendessen» - das ist auch nach diversen alkoholischen Getränken noch mühelos mitgrölbar. Da ist nur konsequent, dass Zeltinger Jahre später auch «Herzilein» von den «Wildecker Herzbuben» furios neu interpretierte.

Für drei Alben war Jürgen Zeltinger auch bundesweit ausgezeichnet im Geschäft, dann ließ das Interesse nach. Ein Kritiker monierte damals, «de Plaat» sei zu gut geworden, nicht ganz zu Unrecht, wie der Musiker heute einräumt: «Mit der Zahl der Auftritte wird man immer routinierter und immer perfekter. Irgendwann muss man sich richtig zwingen, Texte zu schreiben.»

Nach dem Bühnenjubiläum soll im nächsten Jahr pünktlich zu 60. Geburtstag im Mai ein Album mit neuen Stücken erscheinen. Mit den Jahren sei er ruhiger geworden, findet Zeltinger: «Inzwischen bin ich richtig häuslich geworden und trinke auch kaum noch.» Nur vor Auftritten sei immer mal ein kleiner Motivationsschluck nötig: «Wegen dem verdammten Lampenfieber». Denn das macht auch vor einer Rampensau wie der «Plaat» nicht halt.

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