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Glam-Metal in Reinstform

Haarspray, reichlich Mädchen und Steel Panther

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Was in den 80er Jahren Bands wie Poison, Cinderella oder Ratt waren, ist heute Steel Panther: Das kräftig geschminkte Glam-Metal-Quartett aus Los Angeles singt zu eingängigen Gitarrenriffs über Mädchen, heiße Bräute und viel Sex. Auch in der Live Music Hall.

Viele Rock- und Metalbands singen über die zwei großen, wichtigen Themen Bier und Sex. Ganz anders dagegen Steel Panther, die beschränken sich auf eines: auf Sex. Die US-Amerikaner rocken so ganz im Stile ihrer bekannten, berühmten und berüchtigten Szenevorbilder der 80er Jahre wie Ratt, Poison, Mötley Crüe oder Cinderella - bei denen es um Gitarren und Girls ging. Kein Wunder also, dass auch Steel Panther sofort in die Schublade Glam-, Hair-, und Poser-Metal gesteckt werden. Doch irgendwie ist dies richtig, und daraus macht das Quartett von überm Teich gar keinen Hehl; davon überzeugten sich gut 1.500 Fans am Dienstagabend in der ausverkauften Live Music Hall.

Gleich mit dem Eröffnungssong "Supersonic Sex Machine" machten Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxx und Schlagzeuger Stix Zadinia klar, dass es bei ihnen fast ausschließlich darum geht, über Sex zu reden und zu singen, möglichst viele Mädchen flachzulegen und sich gegenseitig in sexuellen Aktivitäten zu übertrumpfen. Und wenn das Thema mit den drei Buchstaben auch noch mit eingängigem Metal und klassichem "Glam-Metal"-Bühnenoutfit wie Spandexhosen, Netzshirts, hochtoupierten Haaren und reichlich Schminke versehen ist, dann und erst dann ist das Bild des hardrockenden Frauenhelden perfekt.

Genau diese Rolle des unwiderstehlichen, kräftig rockenden Mädchenschwarmes personifizierten Starr und seine Mitstreiter so grandios perfekt , dass man sich beinahe so fühlte, als wäre man auf ein Mötley-Crüe-Konzert Mitte der 80er Jahre katapultiert worden - nur viel, viel überzogener, unglaublich überzeichnet: Das Quartett aus Los Angeles führte die musikalische Kitschnummer,  früher gelobhudelt, heute belächelt - so ad absurdum, dass es eine wahre Freude war, den 90 Minuten des Auftrittes beizuwohnen. Und dabei war das herumhantieren Foxx's mit einem Pink glitzernden Spiegel nur die Spitze des Eisbergs.

Bräute, Chicks, Girls - nur darum geht's

Außer dem bunten musikalischen Kreuzzug durch die beiden Alben "Feel the Steel" und dem aktuellen "Balls out" warfen sich die Musiker die zweideutigen Bälle zwischen den Songs ständig hin und her: Mehr Bräute als Bret Michaels gehabt zu haben, der in seiner Realityshow "Rock of Love" den von sexy Frauen umschwärmten Superlover mimte, war ebenso Thema, wie die angeblich scharfen weiblichen Fans in der Konzerthalle. In keiner anderen deutschen Stadt als Köln habe man so ein wahnsinnig tolles Publikum gehabt, habe man so unglaublich heiße Girls gesehen, überschüttete Starr die Zuschauer mit Lob.

Neben nahezu ununterbrochener verbaler Anzüglichkeiten, die allzu detailliert wiederzugeben sofort Sittenwächter auf den Plan riefe, gab es außer den Steel-Panther-Titeln während des etwa siebenminütigen Solos Satchels einen Kurztrip durch die Metalhistorie. Der mit brünett-hochtoupierten Haaren und Netzshirt versehene Gitarrist präsentierte Riffs und kurze Melodieläufe aus den ganz großen Nummern des Rock: Deep Purples "Smoke on the Water", Metallicas "Creeping Death", Iron Maidens "The Trooper" oder "Rock you like a Hurricane" der Scorpions verwurstete Satchel ebenso wie das klassische Interludium "Hummelflug" von Nikolai Rimski-Korsakow.

Wer die Ohren genau spitzte, erkannte viele weitere Versatzstücke bekannter Rocksongs. Doch die überwiegende Zahl der Fans wird wohl weniger den Nummern der Steel-Panther'schen Konkurrenz auf der Spur gewesen sein, denn sich vielmehr auf die wüste Melange aus überzogenem Männlichkeitsgehabe gepaart mit gekonnt dargebotenen Metalsounds eingelassen haben. Und viel Spaß dabei gehabt haben. (Helmut Löwe)

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