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Interview mit Ray Cokes

Anarchisch und verdorben - Unterhaltung eines "Exhibitionisten"

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Ray Cokes war neben Kristiane Backer und Steve Blame eines der Gesichter des Musiksenders MTV, als dieser Ende der 80er in Europa groß rauskam. Nun, MTV ist lange im Abseits, geht Cokes mit "Ray's Guesthouse", einer Musiktalkshow, auf Tour. In Köln hat er am 22. Mai im E-Werk unter anderem die Donots sowie Jupiter Jones zu Gast.

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Im Interview mit koeln.de-Redakteur Helmut Löwe spricht er über sein Konzept, Nacktsein und "gute" Musik. Außerdem verriet er, dass er manchmal ziemlich "old School" ist, zumindest wenn es um Notizen geht, für die er immer noch stapelweise Papier verwendet und nicht aufs iPad zurückgreift.

Was erwartet einen bei „Ray’s Guesthouse“?

Das Mindeste, was man erwarten kann, sind Auftritte von Bands in intimer Atmosphäre, die akustisch oder halbakustisch ablaufen. Und dass ich mit den Musikern ein Bier trinke und plaudere. Außerdem kommen weitere Gäste, mit denen ich mich unterhalte – ein bisschen so, wie eine Talkshow, nur dass die Musik eine viel größere Rolle spielt. Darüber hinaus hoffe ich, dass reichlich gelacht wird und das Publikum mitmacht.

Du beziehst also das Publikum ein?

Ja, klar. Das ist für mich eigentlich noch wichtiger, als mit den Bands zu sprechen. So was in der Art haben wir bereits auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg gemacht („Ray’s Reeperbahn Revue“ vom 22. bis 24. September 2011; d. Red). Und weil es gut ankam, kam ich darauf, daraus eine Tour zu machen. Dafür schreibe ich mir ein paar Ideen auf, auf kleine Karten. Üblicherweise mache ich so etwas ja nicht, ich bin da ganz spontan.

Hast Du etwa Angst, dass Du die Namen der Bands vergessen könntest?

Klar – ich vergesse alles, ich bin schließlich 54. Manchmal weiß ich abends gar nicht mehr, was ich zum Frühstück hatte (lacht). Mittlerweile brauche ich solche kleinen Sicherheiten, damit ich das Timing halte. Auf der Bühne sieht es zwar so aus, als ob alles wie ein Expresszug läuft, weiter und weiter und weiter, aber in Wirklichkeit muss ich aufpassen, wo die Zeit bleibt. Ansonsten würde die Show endlos dauern. Und in Bezug auf das Publikum notiere ich mir auch so Manches, wie zum Beispiel Spiele mit den Zuschauern. Das Ziel des Ganzen ist, klassische Fernsehunterhaltung zu machen, die politisch unkorrekt ist, verdorben, gespickt mit Gelächter und anarchisch. Genau das will ich machen. Ob’s klappt, weiß ich nicht, aber ich hoffe es.

Du trittst an fünf Terminen in Deutschland mit deiner Show auf. Wie sieht’s in anderen Ländern aus?

Na ja, so ganz und gar überzeugt bin ich noch nicht, außerdem muss ich realistisch bleiben. Denn Geld verdienen wollen und werden wir mit dieser Tour nicht, es kostet lediglich Geld. Die fünf Shows sind eine Art Test, mit dem wir feststellen wollen, ob es die Leute interessiert, ob meine Vorstellungen ankommen. Anschließend ziehen wir ein Fazit, lernen, ob wir alles richtig gemacht haben. Deutschland deswegen, weil mich die Leute kennen und das, was ich mache, üblicherweise gut finden. Falls alles super läuft, gibt es im Herbst einen Nachschlag mit einer Tour durch weitere Städte.

In Köln zumindest scheint’s gut zu laufen, Ray’s Guesthouse wurde vom Alten Wartesaal ins größere E-Werk verlegt…

Das scheint wohl daran zu liegen, dass, je mehr darüber gesprochen wird, das Interesse umso mehr steigt. Und deswegen sind die Plattenfirmen auch eher daran interessiert, ihre Künstler zum Auftritt zu bewegen. Zu Anfang des Jahres, als wir die Shows planten, war das noch ganz anders: Die Labels hielten sich mit Künstlerzusagen extrem zurück – „nein, keine Zeit, keine Platte zu promoten“, das waren üblicherweise die Antworten auf unsere Anfragen. Dann aber haben die Bands, darunter die H-Blockx, die Donots und Jupiter Jones, von unserer Absicht Wind bekommen und ihrem Management gesagt: „Hey, da wollen wir dabei sein, uns ist das Geld und die Promotion egal. Wir finden Ray Cokes gut.“ Und das macht mich unglaublich stolz.

Außer solch bekannten Namen sind auch unbekanntere Bands und Künstler zu Gast. Viele von denen suche ich aus. Außerdem möchte ich in jeder der fünf Städte eine Band in der Show haben, die keinen Plattenvertrag, nichts Großes vorzuweisen hat. Wer nicht in den beknackten Karaoke-TV-Shows, nicht in der Coca-Cola-Red-Bull-Challenge auftreten will, kann also gerne zu mir kommen. Ohne Logo, ohne Werbung, ohne Alles – außer für zehn Minuten die gleiche Bühne, auf der auch Jupiter Jones stehen.

Führst Du mit diesen Bands auch Gespräche oder stellen sie nur ihre Songs vor?

Klar spreche ich mit ihnen, sie bekommen dieselbe Behandlung wie Jupiter Jones.

Also ein erster Schritt zum Erfolg?

Ich hoffe. Wenn man gute Musik liebt, dann will man sie verbreiten. Das versuche ich.

Gibt es Musik, die in der Show keine Chance hat?

Ja, Drum’n’Bass und Techno. Ich stehe auf Indierock und –pop, Alternative; vorrangig also Typen mit Gitarren, das ist mein Ding: vier Leute - Gitarre, Bass, Schlagzeug, Sänger. Auf Liedermacher dagegen stehe ich nicht so; diese Nummer mit dem schüchternen Jungen und seinem Instrument, der singt „ich liebe dich, aber ich muss dich verlassen“ (summt) – nein Danke.

Der Name Ray Cokes wird auch jetzt noch immer zu allererst mit MTV in Verbindung gebracht. Ärgert dich das?

Nein, überhaupt nicht. Der Name MTV hat mir den Weg bereitet und öffnet immer noch Türen. Ob ich in Deutschland bin, Schweden, Israel: stets heißt es, „hey, MTV“. Das ist gut für Leute wie mich, denn heutzutage ist lediglich das Format der Sendung wichtig, nicht der Charakter des Moderators. Das war früher genau andersrum. All jene Personen, mit denen ich Geschäfte mache, haben mit 15 Jahren MTV gesehen und fanden es super. Jetzt sind sie 40 und besitzen Unternehmen oder sind Geschäftsführer von Firmen. David Bowie mag vielleicht genug davon haben, über „Ziggy Stardust“ zu reden, aber ich rede immer noch gerne über MTV.

Du hast sowohl Fernseh- als auch Radioshows gemacht. Was ist Dir lieber?

In jedem Falle Fernsehen. Das Visuelle ist für mich wichtig, hin- und her zu laufen, zu gestikulieren. Beim Radio geht’s halt nur um die Stimme. Was mir aber beim Radio gefällt, ist eine gewisse Art der Intimität, das enge Gespräch, das man mit jemandem haben kann. Und dass man Musik spielen kann, die man selber mag. Deswegen sind zum Beispiel Frühstückssendungen nichts für mich: Da musst du die Musik spielen, die dem Programmdirektor gefällt und alle paar Minuten Verkehrsdurchsagen machen. Lieber sind mir kleine Sendungen, gerne auch bei großen Sendern – Hauptsache, gute Musik spielen. Geld verdienen ist da nicht so wichtig.

Die meisten Fotos von Dir zeigen dich lachend oder grinsend. Bist Du privat wirklich ein so lustiger Mensch?

Absolut. Ich bin Engländer, und Engländer finden alles lustig. Das scheint uns im Blut zu liegen. Meine Freundin lacht viel, auch meine zwei Schwestern und mein Bruder machen ständig Witze. Humor war und ist immer um mich herum. Ja, das mach mich sehr zufrieden. Das war ganz anders, nachdem ich MTV verließ und ohne Arbeit dastand; da war ich ziemlich deprimiert: Zuerst der König der Welt und dann ein Nichts. So bin ich heutzutage allerdings nur noch drauf, wenn ich kaum geschlafen habe, dann bin ich griesgrämig und grummelig. Wenn Du älter bist, wird halt vieles leichter: Du wachst morgens auf, stellst fest, dass alles mit Dir in Ordnung ist und der Doktor hat keine schlechten Nachrichten - tja, dann stimmt das Leben.

Bezeichnest Du Dich deswegen auf Deinem Myspace-Account als „Happy Hedonist“?

Oh ja, was das betrifft, war ich wirklich etwas ungezogen. Früher habe ich mir über solche Sachen (sich als Hedonisten zu bezeichnen, als jemanden, der dem Hier und Jetzt den größtmöglichen Lustgewinn abgewinnt und das persönliche Glück in den Vordergrund stellt; d. Red.) keine Gedanken gemacht. Jetzt, mit 54, reflektiere ich wesentlich mehr, schaue zurück, ob ich etwas nicht womöglich anders hätte machen sollen. Letztendlich bist du nur das Produkt der Entscheidungen, die du in deinem Leben bislang getroffen hast.

Auf einem Foto bist Du lediglich mit einem Handtuch um die Hüften bekleidet zu sehen...

Oh ja, Entschuldigung (lacht).

Würdest Du dich für ein Frauenmagazin ausziehen?

In jedem Falle. Nur will mich jetzt ja keiner mehr nackt sehen, denn ich bin zu alt. Denk an die Sache mit dem „Happy Hedonist“: ich war und bin stets zu allen Schandtaten bereit. Solange es nicht primitiv ist, niemanden verletzt und nicht illegal ist. Na gut, wenn es um Marihuana geht, kann es schon mal illegal sein. Auf dem Höhepunkt meiner MTV-Karriere und meines großen Bekanntheitsgrades in Frankreich habe ich in Südfrankreich stets an den FKK-Stränden gelegen. Und die Leute tuschelten immer „schau mal, das ist doch der MTV-Typ“. Wie Du siehst, macht mir Nacktsein gar nichts aus. Ich habe all das, was andere auch haben. Alles in allem bin ich eine Art Exhibitionist, das ist wohl der Grund, warum ich Moderator bin.

Über was lachst Du am liebsten?

Worüber man als Engländer keinesfalls lacht, ist das Missgeschick anderer. Die Franzosen dagegen machen dies. Engländer lachen zuerst über sich selbst, erst danach über andere. Wir haben so viel in England, über das es sich zu lachen lohnt: grauenvolles Essen, furchtbares Wetter, ein seltsames Leben und ein London, in dem du nur dann leben kannst, wenn du verdammt viel Geld verdienst. Jüngst sagte ein Komödiant zu mir, dass man über alles lachen könne, es käme lediglich darauf an, wie man es verkaufte. Das sehe ich anders - rassistische oder schwulenfeindliche Witze sind nicht lustig.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Helmut Löwe.

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