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Film der Woche

Zombieland

Von Marcus Wessel

Die Zombies sind wieder unter uns. Seit einer Virus-Katastrophe bevölkern sie die Welt. Der junge Columbus will sie ausschalten. Auf seiner Mission trifft er auf den Waffenfreak Tallahassee.

Die Natur ist brutal. Fressen oder gefressen werden lautet dort das Credo, was bereits Charles Darwin vor 150 Jahren dazu veranlasste, seine weltberühmte Evolutionstheorie zu formulieren. Gerade im Zombiefilm, dieser oftmals blutigen, ekligen und etwas unanständigen Spielart des Genre-Kinos, gilt das Natur-Gesetz vom „Survival of the Fittest“. Die Schwachen, Kranken und Unvorsichtigen fallen als erste den umherziehenden Zombie-Horden zum Opfer.

Die besten Szenen aus "Zombieland" in unserem CineChannel

Das weiß auch der junge Columbus (Jesse Eisenberg). In einer Welt, in der Chaos und Anarchie regieren und in der ein gefährliches Virus Millionen Menschen in faulende Untote verwandelt, hilft er sich mit einer Reihe überlebenswichtiger, selbstaufgestellter Regeln. Diese reichen von der Gewährleistung einer bestimmten körperlichen Fitness – Zombielands Zombies sind nämlich echte Sportskanonen –, über den kontrollierenden Blick des Autorücksitzes bis zum Vernunft-Mantra: Sei kein Held! Columbus’ Vorteil ist, dass er keine Familie und keine echten Freunde besaß, bei denen er sich hätte infizieren können. Seine soziale Kompetenz ist ebenso unterentwickelt wie seine Beziehungen zum weiblichen Geschlecht.

Schon bald trifft er auf einen anderen Überlebenden der Zombie-Invasion. Tallahassee (Woody Harrelson) verkörpert all das, was er nicht ist. Der schießwütige Waffenfreak geht keiner Konfrontation aus dem Wege. Er liebt es, Zombies ihr Gehirn wegzupusten und dabei ganz nebenbei einen auf dicke Hose zu machen. Später dann wird aus dem Duo ein Quartett, wenn Columbus und Tallahassee auf das mit allen Wassern gewaschene Schwestern-Gespann Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) treffen. Deren Ziel ist der Freizeitpark „Pacific Playland“, einer der vermeintlich letzten Zombie-freien Orte des Landes.

Ruben Fleischers’ in den USA bereits zum Kassenschlager avancierte Untotenjagd dürfte mit ihrer überschaubaren Road-Movie-Konstruktion und dem unverschämt dünnen Plot wohl kaum einen wertvollen Beitrag zur Kinokultur leisten. Selbst für Kritik an einem medial herangezüchteten Thema wie der Schweinegrippe, das sich bei einem Film dieses Genres anbieten würde, reicht es am Ende nicht. Aber solch verpasste Chancen sind schnell verziehen, wenn das Ergebnis so gut unterhält. Man spürt, dass hier Leute mit Herzblut bei der Sache sind, die mit Studio-Unterstützung ein millionenschweres, natürlich rein kommerzielles Fan-Projekt (kein Widerspruch!) auf die Beine gestellt haben.

Zombieland ist reines Unterhaltungs-Kino für die Geek-Generation. Für all diejenigen, denen es wie Columbus ergeht oder die sich zumindest in seine Situation hineinversetzen können. Für World-of-Warcraft-Zocker, Fast-Food-Junkies, Web2.0-Trolle und Frauen-Nicht-Versteher. Der entwaffnende, nicht selten derbe Humor ist Jungs-typisch und unterstreicht nochmals das zielgruppengerechte Marketing des Films. Natürlich können auch Damen an dieser gar nicht mal so blutigen Schlachtplatte Gefallen finden, zumal sie mit dem cleveren, selbstbewussten Schwesternpaar Wichita und Little Rock gleich auf zwei Verbündete treffen. Dass die beiden im besonders Zombie-verseuchten Finale ausgerechnet von unseren Jungs gerettet werden müssen, sollte man nicht gleich als Rückfall in alte Rollenbilder brandmarken. Es ist eher als Belohnung und Entschädigung für die zuvor erlittene Männlichkeitsdemontage zu verstehen. Schließlich will Mann die eigene Spezies nicht 90 Minuten der Lächerlichkeit preisgegeben sehen.

Zombieland bietet allerlei Eye-Candy. Das fängt bereits bei dem in Superzeitlupe gedrehten Vorspann mitsamt seiner amüsanten Zombieattacken an und zieht sich über die immer mal wieder eingeblendeten Zombie-Überlebensregeln bis zu einem denkwürdigen Gastauftritt Amber Heards, die als Columbus’ verführerische Nachbarin reichlich Verwirrung stiftet. Fleischer weiß, was gut aussieht und so macht er von manchen Stilmitteln wie der Zeitlupe reichlich Gebrauch. Den Vergleich mit Shaun of the Dead, der Slacker-Zombie-Komödie schlechthin, kann sein Film allerdings nicht gewinnen, was vor allem den recht oberflächlich gezeichneten Figuren liegt. Dagegen war das britische Pendant fast schon eine Charakterstudie. Zudem merkt man Zombieland bisweilen an, dass sich selbst für die kompakte Laufzeit ein gewisser Leerlauf eingeschlichen hat, der im Mittelteil gerade noch rechtzeitig von einem grandiosen Cameo Bill Murrays aufgefangen wird.

Trotz dieser Mängel dürfte man(n) in diesem Winter kaum einen konsensualeren Party-Film finden, der noch dazu nicht als Affront gegen die eigene Intelligenz aufgefasst werden muss. Da Fleischer in seiner bezugsreichen Horror-Komödie weniger die Horror- als die Komödienkomponente betont, werden auch notorische Angsthasen nicht überfordert.

Horror/Komödie, USA 2009
Regie: Ruben Fleischer
Darsteller: Woody Harrelson, Jesse Eisenberg, Emma Stone, Abigail Breslin, Amber Heard, Bill Murray
88 Minuten
Ab 16 Jahren

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 8. Dezember 2009 - 15:22 Uhr; aktualisiert 11. Dezember 2009 - 17:05 Uhr)


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