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Film der Woche

X-Men: Erste Entscheidung

Von Marcus Wessel

Auch die X-Men sind im Fortsetzungsfieber. Wobei so ganz stimmt das nicht. Denn der vierte Film der populären Comic-Reihe ist streng genommen ein Prequel, in dem die Vorgeschichte der späteren Kontrahenten Professor Xavier und Magneto beleuchtet wird. Bryan Singer, Regisseur der ersten beiden Teile, kehrte als Produzent zurück, der Brite Matthew Vaughn („Kick-Ass“, „Der Sternwanderer“) übernahm die Regie. 

In der Zeit zurückzureisen ist nirgendwo so leicht wie im Kino. Das Prequel, also der Gegenentwurf zum Sequel, beinhaltet dabei eine besonders elegante Möglichkeit all das zu beleuchten, was zunächst nicht gezeigt und erzählt werden konnte. George Lucas nutzte den Prequel-Kniff für seine Sternen-Saga und auch Christopher Nolan führte den Mythos einer Comic-Ikone in „Batman Begins“ gewissermaßen an ihren Ursprung zurück.

Die besten Szenen aus "X-Men: Erste Entscheidung " in unserem CineChannel 

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgen nun Regisseur Matthew Vaughn – in der Yellow Press gerne nur als der „Ehemann von Claudia Schiffer“ vorgestellt – und Produzent Bryan Singer. Letzterer führte die „X-Men“ in ihren ersten beiden Kino-Ausgaben zu einem überragenden Erfolg bei Publikum und Kritik. Dass er für Teil 4 wieder mit an Bord ist, heizte bereits im Vorfeld die Erwartungen der Fangemeinde kräftig an.

„X-Men: Erste Entscheidung“ springt in seiner ersten Szene gleich zum dunkelsten Kapitel des letzten Jahrhunderts zurück. Inmitten des Holocaust wird der junge Erik (Bill Milner, als Erwachsener Michael Fassbender) erst von seinen Eltern getrennt. Wenig später muss er dann mitansehen, wie ein fanatischer Wissenschaftler (Kevin Bacon) kaltblütig seine Mutter erschießt. Für Erik ist es das Urtrauma und die ungesunde Grundlage für vieles, was später folgt. Denn Erik ist kein normales Kind. Er besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, Gegenstände aus Metall nur mit der Kraft seiner Gedanken zu bewegen und zu manipulieren. In etwa zur selben Zeit wächst der junge Charles (Laurence Belcher, später James McAvoy) recht behütet im schönen Neuengland auf. Auch Charles ist anders. Er kann die Gedanken anderer Menschen lesen.

Bildergalerie: "X-Men: Erste Entscheidung"

Aus diesen beiden Kindern werden später einmal erbitterte Kontrahenten – besser bekannt als Professor Xavier und Magneto. Bis es jedoch soweit ist, kämpfen beide noch auf derselben Seite gegen Magnetos Peiniger, den einstigen Nazi-Kollaborateur Dr. Shaw, und dessen ebenfalls mutierte Gefolgschaft um die verführerisch schöne Emma Frost (January Jones). Während Charles unter dem Schutz eines geheimen Programms der US-Regierung andere jugendliche Mutanten ausbilden und für eine gute Sache gewinnen will, droht der Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion im Herbst des Jahres 1962 endgültig zu eskalieren. Die von den Russen auf Kuba stationierten Raketen sollen nach Willen des egozentrischen Doktors einen dritten Weltkrieg auslösen.

Die Geschichte nutzt somit reale Ereignisse wie die Kubakrise als Anknüpfungspunkte für ihren Superheldenkosmos, der mehr als andere Comic-Reihen seit jeher die besondere Andersartigkeit seiner Protagonisten betont. Denn auch wenn sich Raven (Jennifer Lawrence), Havoc (Lucas Till) und Beast (Nicholas Hoult) nur zu gerne wie ganz normale Teenager fühlen würden, sind sie es nicht. Sich diese Tatsache einzugestehen, ist für jeden von ihnen – auch für Charles und Erik – ein überaus mühsamer Lernprozess, an dessen Ende nicht die vollständige Anpassung an die soziale Norm sondern nur die Akzeptanz des Anderssein stehen kann. Mit diesem deutlichen Coming-of-Age-Anstrich verweisen die „X-Men“ im übrigen auf eine lange Tradition im Genre des Superheldenfilms, der schon immer bevorzugt Außenseiter (Peter Parker, Hellboy) oder privilegierte Sonderlinge (Bruce Wayne, Bruce Banner) zu Helden machte.

"X-Men: Erste Entscheidung" in den Kölner Kinos 

Wie schon bei Lucas’ Prequel-Trilogie liegt auch bei diesem „X-Men“ ein besonderer Reiz in der Hinführung zu den „erwachsenen“ Figuren und der Aufarbeitung ihrer individuellen Vorgeschichte. Diese ist hier eindeutig mehr als nur hübsches Beiwerk. Den Autoren des vierten „X-Men“ gelingt es, das Puzzle um Prof. Charles Xavier, Magneto, Mystique und die anderen Mutanten zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzusetzen, dem sowohl Kenner der Serie als auch Neueinsteiger gebannt folgen dürften. Das besondere Sixties-Flair mit seinen geschickten Querverweisen zur großen Weltpolitik hebt den vierten Teil zudem wohltuend von den meisten anderen Vertretern des Superheldenfilms ab. Während sich Marvel-Adaptionen wie „Spider-Man“ nur sehr eingeschränkt für die Zeit, in der sie stattfinden, interessieren, besitzt „X-Men: Erste Entscheidung“ ein besonders ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein. Nicht nur weil sich hier einmal mehr Amerikaner und Sowjets im Wettstreit zweier Systeme gegenüberstehen, erinnert der Film zuweilen an alte James-Bond-Abenteuer. Da passt es, dass die Spezialeffekte vermutlich nicht immer nach State-of-the-Art aussehen.

Regisseur Matthew Vaughn hat sich bislang als verlässlicher Handwerker in ganz unterschiedlichen Genres hervorgetan. Seine frische, wunderbar selbstironische Superheldensause „Kick-Ass“ diente ihm als Visitenkarte für seinen ersten Blockbuster. Gegenüber dem doch sehr effekt-orienterten dritten Teil fuhr Vaughn den Anteil großer Actionsequenzen merklich zurück. Erst in der letzten halben Stunde wird der neue „X-Men“ in dieser Hinsicht etwas mutiger, wobei auffällt, dass der in die Länge gezogene Showdown mit seinen Mehrfachenden nicht zu den Stärken dieser Marvel-Umsetzung gehört. Aufgrund der starken, kurzweiligen und durchaus vielschichtigen ersten 90 Minuten sowie einer rundum erstklassigen Besetzung bleibt es letztlich aber bei einer Empfehlung für alle Freunde des Hollywood- und Superheldenkinos.

Bildergalerie: "X-Men: Erste Entscheidung"
"X-Men: Erste Entscheidung" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "X-Men: Erste Entscheidung " in unserem CineChannel
Offizielle Website zum Film

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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