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Film der Woche

Wolverine: Weg des Kriegers

Von Marcus Wessel

Als Wolfsmensch Wolverine in den „X-Men“-Filmen gelang dem Australier Hugh Jackman einst der internationale Durchbruch. Vier Jahre nach dem ersten Spin-off unter dem „X-Men Origins“-Titel ist der Mutant bereit für einen weiteren Soloauftritt. Dieser fällt trotz aufwändiger Effekte eher durchwachsen aus.

Als die „X-Men“ zum ersten Mal im Kino zu sehen waren, zeigte sich recht schnell, welche Figur das Zeug zum Publikumsliebling hatte. Der verschwiegene Kanadier Logan – besser bekannt unter seinem Mutanten-Alias „Wolverine“ – wurde nicht zuletzt dank eines gewissen Hugh Jackman zum heimlichen Star der Truppe. Während Jackmans Hollywood-Karriere ab da so richtig Fahrt aufnahm, musste Wolverine noch bis 2009 auf sein erstes Soloabenteuer warten. „X-Men Origins: Wolverine“ erzählte Logans dramatische Familiengeschichte, den Konflikt mit seinem Bruder Victor und den Kampf gegen den ihm einst nahe stehenden Colonel Stryker. Der Film war ganz auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten, hinzu kamen spektakuläre Actionsets und einige nette Prequel-Ideen.

"Wolverine: Wege des Kriegers" in den Kölner Kinos

Und doch waren weder Jackman selbst noch das Studio mit dem Ergebnis vollauf zufrieden. Also nahm man sich für den nächsten „Wolverine“-Kinoeinsatz gleich einer der populärsten Comics zur Vorlage. „Wolverine“ von Chris Claremont und Frank Miller genießt bei vielen Fans längst Kultstatus. Mit James Mangold („Walk the Line“, „Knight & Day“) konnte zudem ein renommierter, in vielen Genres erfahrener Filmemacher verpflichtet werden. Die Vorzeichen für einen launigen und vielleicht sogar tiefgründigen Sommer-Blockbuster standen somit nicht schlecht.

Am Beginn von „Wolverine: Weg des Kriegers“ ist aus dem stolzen Logan ein verbitterter Einsiedler geworden, der in der kanadischen Wildnis seiner großen Liebe nachtrauert. Er verflucht sein Mutantendasein. Nur zu gerne wäre ein ganz normaler Mensch, verwundbar und sterblich. Umso verlockender erscheint in diesem Moment ein Angebot, was ihn aus dem fernen Japan erreicht. Sein alter Bekannter Yashida (Hal Yamanouchi), dem Logan beim Atombombenangriff auf Nagasaki einst das Leben rettete, ist unheilbar an Krebs erkrankt. Mittels einer von Wissenschaftlern entwickelten Apparatur scheint es nun aber möglich, Wolverines besondere Selbstheilungskräfte auf ihn zu übertragen. Damit könnte er den Krebs besiegen und der Mutant endlich ein ganz normales Leben führen.

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Für Wolverine und uns Zuschauer geht die Reise Richtung Osten. Japan und seine teils jahrhundertealten Rituale bilden die Kulisse für einen weniger auf Action denn auf den inneren Konflikt seines Titelhelden aufgebauten Films. Mit dieser Ausrichtung scheint Mangold die an ihn formulierten Erwartungen zunächst zu erfüllen. Logan/Wolverine erhält mit der flippigen Yukio (Rila Fukushima) gleich mal einen echten Wirbelwind an die Seite gestellt. Etwas Hilfe und Orientierung schadet nicht, da die Lage immer unübersichtlicher wird. Yashida stirbt, woraufhin seine Enkelin Mariko (Tao Okamoto) von Unbekannten entführt werden soll.

Obwohl die Zutaten für einen intelligenten und spannungsreichen Actioner im Fall von „Wolverine: Weg des Kriegers“ allesamt vorhanden waren – ein zerrissener Held, der keiner sein will, ein exotischer Schauplatz, eine auf dem Papier wendungsreiche Story –, erreicht der Film nie die Komplexität und Intensität anderer Comicumsetzungen. Die Handlung plätschert eher dahin als dass sie jemals so richtig Fahrt aufnehmen würde und auch von den Action-Sets will lediglich eines länger in Erinnerung bleiben. Als Wolverine in einem verschneiten, typisch japanischen Dorf von Ninjas attackiert und schließlich eingefangen wird, dann erreichen die Bilder nicht nur unsere Netzhaut sondern auch unser Herz. Vieles andere bleibt hingegen konturlos und austauschbar. Dazu muss man leider auch Wolverines Gegner zählen. Die wie eine blasse Schurkenkopie auftretende Viper (Svetlana Khodchenkova) verbreitet weder Angst noch Schrecken und auch ihr Ninja-Gehilfe Harada (Will Yun Lee) wird trotz einer unmotivierten Wendung nicht interessanter.

So bleibt Jackmans, vom Schicksal entkräfteter Mutant der einzige Rettungsanker in einem ansonsten ohne echte Höhepunkte inszenierten Blockbuster. Und selbst der von Seelenpein geplagte Held-wider-Willen darf hier nicht wirklich zu seinem wahren Ich finden. Logans animalische Instinkte, seine Wut und Aggressionen erscheinen meist weichgespült und domestiziert. Der Film-Wolverine ist nicht mit dem aus den Comics zu vergleichen. Dass er ein Getriebener ist, jemand, der schon lange nicht mehr an das Gute im Menschen glaubt, wird viel zu selten deutlich. Auf Todessehnsucht und Nihilismus einen Mainstream-Film aufbauen zu wollen, wäre von Hollywood aber vermutlich zu viel verlangt. Und so fühlt sich „Wolverine: Weg des Kriegers“ ebenso zerrissen wie seine Hauptfigur an – zwischen Spektakel und Requiem.

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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

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