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Film der Woche

Wie das Leben so spielt

Von Marcus Wessel

Seitdem er vor einigen Jahren mit den Box-Office-Hits „Jungfrau, 40, männlich, sucht..." und „Beim ersten Mal" die amerikanische Mainstream-Komödie aus ihrer selbstverschuldeten Ideen- und Mutlosigkeit befreite, zählt Regisseur/Autor/Produzent Judd Apatow zu den von Kritik wie Publikum gleichermaßen gefeierten Hoffnungsträgern unverkrampfter Albernheiten.

Die besten Szenen aus "Wie das Leben so spielt" in unserem CineChannel

Er betätigte sich erfolgreich als Förderer bis dahin eher unbekannter Talente und baute um sich ein eingeschworenes Team, mit dem er immer neue Projekte in wechselnden Besetzungen realisierte. In „Wie das Leben so spielt" zeigt sich Apatow nun von einer ernsteren Seite, wobei Freunde seines unverwechselbaren, mitunter durchaus zotigen Humors ebenfalls auf ihre Kosten kommen.

Zum ersten Mal arbeitete Apatow zudem mit einem echten Comedy-Superstar zusammen. Adam Sandler ist zumindest in seinen komischen Rollen ein Hit-Garant. Selbst allenfalls mittelprächtige Produktionen wie „Chuck & Larry" werden dank seiner Popularität letztlich noch veritable Kassenschlager. Bei Apatow spielt er einen Charakter, der wohl nicht ganz zufällig an seinen eigenen beruflichen Werdegang angelehnt ist.

George Simmons gilt als einer der erfolgreichsten Comedians Hollywoods. Seine Filme spielen allesamt Hunderte Millionen Dollar ein. Er kann sich über teure Werbeverträge, eine Luxusvilla, ein eigenes Privatflugzeug und so ziemliche jede Annehmlichkeit freuen. Abseits des finanziellen Schlaraffenlandes sieht es hingegen weniger erfreulich aus. Echte Freunde hat George keine und seiner Ex Laura (Leslie Mann) trauert er auch noch nach Jahren der Trennung hinterher.

Es erscheint daher wie ein allerletzter Weckruf, als Ärzte bei ihm eine schwer wiegende Bluterkrankung diagnostizieren. Plötzlich wird sich George der Leere und Oberflächlichkeit seines Hollywood-Lifestyles bewusst. Gleichzeitig wird der Wunsch nach einem besten Freund, jemandem, der ihm in dieser schweren Zeit zur Seite steht, übermächtig. Der Zufall will es, dass George just in diesem Moment den jungen, gar nicht mal so untalentierten Teilzeit-Comedian Ira (Seth Rogen) kennenlernt.

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Wenn dieser nicht gerade auf der Bühne steht oder sich als Gag-Schreiber versucht, hängt er mit seinen leicht durchgeknallten WG-Mitbewohnern Leo (Jonah Hill) und Mark (Jason Schwartzman) ab. Dass sich ein Star wie George Simmons für ihn interessiert, kann Ira zunächst kaum glauben. Eigentlich als Autor engagiert, wird er schon bald zu einem „Mädchen für alles", dem George das anvertraut, was er sonst niemandem erzählen kann.

Auch wenn Apatow dieses Mal den erprobten Pfad der Nerd- und Slacker-Komödie verlässt, ist „Wie das Leben so spielt" nur deshalb noch kein weinerliches Melodram. Georges Krankheit spielt letztlich gar keine so große Rolle, zumal er schneller als gedacht die erlösende Nachricht von seiner vollständigen Genesung erhält.

Damit beginnt nach gut einer Stunde eigentlich ein neuer Film, eine zweite Geschichte, in der die Freundschaft zwischen ihm und Ira etwas in den Hintergrund tritt. Stattdessen finden wir uns auf einmal in einer neu entflammten Romanze wieder, die uns kurzzeitig vom perfekten Hollywood-Happy-End träumen lässt. Doch Apatow ist nicht daran gelegen, nur bewährte Klischees aufzuwärmen und sie leidenschaftslos in einem engen Story-Korsett auszustellen. Mehrmals erlaubt er sich, die Dramaturgie auf den Kopf zu stellen.

Vor allem aber nähert er sich jeder Figur mit einer solchen Hingabe und Empathie, dass man bisweilen vergisst, in den üblichen Kategorien von Haupt- und Nebencharakteren zu denken. Zwar ist und bleibt George das emotionale Zentrum dieser Patchwork-Erzählung, um ihn herum finden sich jedoch gleich ein halbes Dutzend überaus interessante, vielschichtige und widersprüchliche Menschen, die jeder für sich einen eigenen Film verdient gehabt hätten. So ist es schließlich auch zu erklären, dass „Wie das Leben so spielt" trotz seiner Laufzeit von nahezu zweieinhalb Stunden eher zu kurz als zu lang erscheint. Es erstaunt nicht, dass Apatow bereits laut über ein Spin-Off nachdenkt, das dem von Aziz Ansari gespielten Comedian Randy gewidmet sein soll.

In seinem Humorverständnis unterscheidet sich „Wie das Leben so spielt" am Ende kaum von Apatows früheren Arbeiten. Immer noch zielen viele Pointen unter die Gürtellinie, wobei die explizite Sprache von ihm nie krampfhaft oder pubertär eingesetzt wird. Und obwohl nicht nur George und Ira am liebsten über die Einsatzmöglichkeiten gewisser primärer Geschlechtsmerkmale philosophieren, ist Apatows Film so ziemlich das Gegenteil eines billigen Hormonstaus. Dafür sind die meisten Gags einfach zu gut geschrieben (Man denke nur an die böse Bemerkung, die sich Ira in Bezug auf die Liste mit den jüdischen Teilnehmern nicht verkneifen kann). Allenfalls die nachgestellten Stand-Up-Einlagen wollen nicht wirklich zünden.

Sandler und Rogen bilden ein perfekt aufeinander abgestimmtes Gespann. Die nicht immer streng heterosexuelle Kumpelei ihrer Filmfiguren, bei der Ira George auch schon mal bis ans Bett begleitet und ihm eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, geht weit über das Maß einer normalen Freundschaft hinaus. Ira und George sind irgendwann mehr als Kumpels, auch wenn sie nicht müde werden, im Streit das Gegenteil zu behaupten.

Am ehesten ließe sich ihre Beziehung mit dem maßgeblich von Barney Stinson, Schürzenjäger aus der US-Erfolgs-Sitcom „How I met Your Mother" (von ProSieben im Samstagnachmittagsprogramm versteckt), verkörperten Ideal einer „Bro-Freundschaft" umschreiben. Bros sind füreinander da, wenn es darauf ankommt. Und sie stehen zu ihren Gefühlen, auch wenn das immer noch als nicht sonderlich männlich gilt. So gesehen ist Apatows Film eine Lehrstunde im „Bro-Sein" und als Bromance zugleich ein ernst zunehmender Gegenentwurf zum Mr.Big-verseuchten Kosmos der Sex in the City-Girls.

Komödie, USA 2009
Regie: Ang Lee
Darsteller: Demetri Martin, Imelda Staunton, Henry Goodman
121 Min.
Ab 6 Jahren

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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