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Film der Woche

Wickie und die starken Männer

Von Marcus Wessel

Seine letzten drei Kinofilme, darunter die beiden Genre-Parodien "Der Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise", zählten zusammen 23 Mio. Besucher. Keine Frage, Michael „Bully" Herbig ist der Star unter Deutschlands Komödienfilmern. Schon lange bevor der quirlige Bayer ein neues Projekt überhaupt in Angriff nimmt, wird über dessen Inhalt und Besetzung spekuliert.

Nach einem nur mäßig erfolgreichen Ausflug ins Animationsfach - von einem Flop möchte man angesichts von immerhin 2,8 Mio. Zuschauern für „Lissi und der wilde Kaiser" nicht reden - wagte sich Bully zuletzt an eine echte Institution des Kinderfernsehens, die längst Kultstatus genießt und Generationen miteinander verbindet.

Die besten Szenen aus "Wickie und die starken Männer" in unserem CineChannel

Seit über vierzig Jahren macht der rothaarige, schlaue Wikinger-Junge Wickie bereits die Kinderzimmer unsicher. Mit seiner unbekümmerten, fröhlichen Art hat er nicht nur die Herzen vieler kleiner Fans im Sturm erobert. Manch einer, der mit Wickie aufwuchs, freut sich heute zusammen mit dem eigenen Nachwuchs, wenn der Dreikäsehoch zu einem neuen Abenteuer aufbricht.

Fast ebenso berühmt wie Wickie sind die anderen Bewohner des idyllischen Wikinger-Dorfes Flake. Wickies Vater Halvar, vermutlich der sturste Clan-Chef aller Zeiten, und seine starken Männer tun das, was echte Nordmänner und Seefahrer so gemeinhin tun. Sie ziehen los, plündern, brandschatzen und kommen mit mal mehr, mal weniger reicher Beute zurück. Seltsamerweise hat man ihnen das alles nie wirklich übel genommen.

Auf die Kinderbücher des Schweden Runer Jonsson folgte in den 70er Jahren schließlich die bis heute für den Erfolg der Wickie-Reihe maßgebliche Zeichentrickserie. Die deutsch-japanische Koproduktion wurde zum telemedialen Dauerbrenner. Wickie, so wie ihn die meisten kennen, ist untrennbar mit dieser Serie verbunden. Es setzt daher schon einiges an Mut und Selbstvertrauen voraus, wenn ein Regisseur das als Zeichentrick ungemein populäre Format nach über dreieinhalb Jahrzehnten in eine Realverfilmung überführen will. Michael Herbig hat sich an dieser kniffligen Aufgabe versucht - mit durchwachsenem Erfolg.

Zwar fällt sein Film im Gegensatz zu den schrecklichen letzten Asterix-Umsetzungen nicht in die Kategorie „seelische Grausamkeiten", so wirklich überzeugen kann das nun vorliegende Resultat allerdings auch nicht. Vor allem weil einem der Vergleich zu der ungleich charmanteren Zeichentrickserie zu keiner Zeit aus dem Kopf gehen will, hält sich die Begeisterung für den ersten Wickie aus Fleisch und Blut doch sehr in Grenzen. Wer hingegen nicht mit den alten Zeichentrick-Figuren groß geworden ist, mag vermutlich unbelasteter an den Film herangehen und ihn weniger streng beurteilen.

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Zunächst fällt auf, dass Wicke und die starken Männer immer dann eine vergleichsweise gute Figur abgibt, wenn „Bullys" Handschrift nicht unmittelbar herauszulesen ist. In den Szenen zwischen Wickie (Jonas Hämmerle) und seiner besten Freundin Ylvi (Mercedes Jadea Diaz) lässt sich zugegeben keine große Schauspielkunst bewundern - mancher Dialog hört sich doch sehr auswendig gelernt an -, dafür stimmt all das, was sich zwischen den Zeilen abspielt. Auch Halvar (Waldemar Kobus) und seiner Crew gönnt Herbig eine nette, verspielte Einleitung. Tjure und Snorre werden uns als die ewig streitenden Widersacher vorgestellt, Urobe als die graue Eminenz, der Barde Ulme als verweichlichter Schöngeist und Faxe als der sanfte Koloss von Flake. Das ist recht flott inszeniert und tut niemandem weh.

Die eigentliche Geschichte erreicht wiederum nur mit Mühe die Komplexität einer durchschnittlichen Wickie-Folge (und die war gerade einmal 23 Minuten lang). Selbst wenn Herbig einen bewusst einfach gehaltenen Kinderfilm drehen wollte, der in Erwachsenen nur Begleitpersonen sieht, ist die Handlung arg fantasielos geraten. Nachdem die Piraten um den Schrecklichen Sven (Günther Kaufmann) das malerische Flake überfallen und die Kinder der Wikinger entführen, hissen Halvar, Tjure, Snorre, Gorm, Urobe, Ulme und Faxe die Segel zur großen Rettungsaktion. Mit von der Partie ist selbstverständlich auch Wickie, der als einziger Sprössling den Fängen der wilden Horde entkommen konnte. Viel mehr gibt es nicht zu erzählen.

Irgendwie scheint hier ein Regisseur seinem jungen Publikum nicht wirklich viel zuzutrauen, was schade ist. Richtig ärgerlich wird es jedoch, wenn Herbig um jeden Preis auf die schnelle Pointe aus ist. Mögen popkulturelle Spiegelungen in Parodien wie "Der Schuh des Manitu" ihren Zweck erfüllen, in einem Kinderfilm wirken sie schlichtweg deplaziert. Genauso entbehrlich ist Herbigs eigener Auftritt als spanischer (!) Abgesandter und Latin Lover.

Gleichwohl steht außer Frage, dass seine Interpretation des Wickie-Universums die Kassen zum Klingeln bringen wird. Herbig versteht es wie kaum ein zweiter, sich und seine Filme zu vermarkten. Bei „Wetten, dass...?" ist er praktisch Stammgast. Öffentlichkeitswirksam blies sein Heimsender Pro7 zudem bereits das Casting für die Nebenrollen zu einem mehrwöchigen Medienevent auf. Das war im Frühjahr 2008. Lange vor dem Kinostart war die Werbemaschinerie angelaufen und das Thema in der Zielgruppe hinreichend präsent. Das sollte sich jetzt auszahlen. In barer Münze.

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 8. September 2009 - 14:01 Uhr; aktualisiert 10. September 2009 - 9:25 Uhr)


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Kommentare

das ganze casting war ein

das ganze casting war ein fake gewesen, ich selber war 2runden beim Bully-casting für den wickie-film, deshalb werde ich mir den film auch nie anschauen

Schlechte Verliere gibt´s

Schlechte Verliere gibt´s halt immer wieder.

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