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Film der Woche

Wallstreet - Geld schläft nicht

Von Marcus Wessel

Mehr als zwei Jahrzehnte nach „Wall Street" kehrt Regie-Provokateur Oliver Stone an die alte Wirkungsstätte zurück. Seine mit Spannung erwartete Fortsetzung greift die Ereignisse der Finanzkrise auf und verknüpft sie mit einem für Gordon Gekko gänzlich untypischen, emotionalen Vater-Tochter-Wiedersehen.

Die Zeit kann niemand aufhalten. Auch nicht Gordon Gekko (läuft in seiner Paraderolle zur Höchstform auf: Michael Douglas). Als wir den berühmtesten Spekulanten der Filmgeschichte in „Wall Street - Geld schläft nicht" zum ersten Mal begegnen, hat er gerade eine achtjährige Gefängnisstrafe abgesessen. Mit seinen wenigen Habseligkeiten, seinem alten Handy, das mehr einem Klotz ähnelt, und seinem etwas ungepflegten Aussehen samt Dreitagebart wirkt er wie ein Dinosaurier. Und tatsächlich hat sich die Finanzwelt in der Zwischenzeit rasant weiterentwickelt und zwar in eine Richtung, die sich das Idol aller Vollblutspekulanten niemals erträumt hätte. War Gier früher nach Meinung Gekkos lediglich gut, so ist sie heute zu seinem Erstaunen sogar legal. Das, was früher noch verboten war, ist mit der Deregulierung der globalen Finanzmärkte plötzlich Teil des täglichen Bankgeschäfts.

Für Gekko, der sich bei Vorträgen gerne einsichtig gibt, wird es höchste Zeit, sich erneut in das Haifischbecken zu stürzen. Wenige Jahre und zahllose Trades später ist er wieder da, wo er auch schon vor seinem unfreiwilligen Gefängnisstopp war. Ziemlich weit oben. Nur privat blickt er auf einen Scherbenhaufen. Sein Sohn hat vor langer Zeit Selbstmord begangen, seine Frau hat ihn verlassen und seine inzwischen erwachsene Tochter Winnie (Carey Mulligan) blockt jede Kontaktaufnahme rigoros ab. Lediglich ihr neuer Freund Jake (Shia LaBeouf), wie Gekko ein echtes Kind der Wall Street, sucht die Nähe des alten Haudegen. Ohne Winnies Einverständnis trifft er sich mit ihm und schlägt dem überraschten Gekko ein auch für ihn persönlich nicht ganz ungefährliches Geschäft vor: Wenn dieser ihn an seinem Wissen über das Aktiengeschäft teilhaben lässt, will er Winnie zu einem Treffen mit ihrem Vater überreden.

Damit wäre jedoch nur einer von zwei elementaren Handlungssträngen des Films umrissen. Der andere verlässt den Raum des persönlichen Schicksals und befasst sich mit den schmutzigen Kämpfen in den Hinterzimmern und Vorstandsetagen von Wall Street. Die Pleite der traditionsreichen Lehman Brothers nahm Stone zum Vorbild für seine Geschichte um eine nicht minder renommierte Brokerfirma, die an ihren faulen Anlagen unterzugehen droht. Für einen Spottpreis will der gerissene Banker Bretton James (Josh Brolin) den Konkurrenten übernehmen und damit seinen Einfluss im Kreis der Mächtigen vergrößern. Allein Jake, der sich noch bestimmten ethischen Prinzipien verpflichtet fühlt und vorzugsweise in grüne Unternehmen investiert, scheint bereit, den Kampf mit James aufzunehmen.

In diesem von Stone mit beachtlichem Tempo erzählten Duell bleibt für Gekko nur die Rolle eines weisen Stichwortgebers. Sehr zu Enttäuschung seiner vielen Fans liegt der Fokus des Films mehr auf LaBeoufs Jung-Trader und dessen berufliche wie private Herausforderungen. Bei letzteren kommt dann am Ende allerdings doch wieder Gekko ins Spiel. Dieser darf hier nicht nur seine väterlichen Gefühle wiederentdecken, sondern sich schlussendlich sogar als Wohltäter mit Herz und einem gewissen Gerechtigkeitssinn inszenieren. Egal, ob man sein Verhalten als naiven Wunsch der Filmemacher oder als nachvollziehbare Läuterung bewertet, erstaunt es schon, wie sehr dieser „Wall Street" statt auf nüchterne Zahlen und Statistiken auf das große Gefühl setzt.

Dass Stone als Begründung für den Beinahe-Zusammenbruch des Weltfinanzsystems nichts anzubieten hat, was über die bekannten Erklärungsansätze (Liberalisierung und Deregulierung der Märkte, eine zu laxe Geldpolitik, virtuelle Finanzprodukte) hinausweist, vermag er mittels einer Hochglanz-Oberfläche aus hübsch animierten Grafiken, Splitscreens und Newsschnipseln geschickt zu kaschieren. Darüber hinaus sorgen zahlreiche Gastauftritte bekannter Börsenkommentatoren wie David Faber und Maria Bartiromo zumindest beim fachkundigen Teil des Publikums für ein authentisches Wall-Street-Feeling. Sogar Investoren-Legende Warren Buffet folgte dem Ruf Gordon Gekkos.

Es ist eine ganz besondere Welt, in die wir in „Wall Street - Geld schläft nicht" eintauchen. Eine Welt, in der andere Spielregeln als im Rest der Gesellschaft zu gelten scheinen und die gerade deshalb gewaltige Risiken für uns alle birgt. Daran hat selbst die letzte Krise nichts geändert. Stone, der bekennende Linke, gibt sich daher auch keinen allzu großen Illusionen hin. Wenn er Gekko von der holländischen Tulpenmanie erzählen lässt und als dessen Vermächtnis ausgerechnet das Bild dieser irrwitzigen Spekulationsblase an Jake übergibt, deutet er an, dass die Saat für die nächste Krise bereits gelegt wurde. Die Schlagzeilen werden sich gleichen, die Bilder auch und das Gejammere wird wieder einmal nicht zu überhören sein.

Offizielle Homepage
"Wallstreet - Geld schläft nicht" in den Kölner Kinos

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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