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Film der Woche

Vergebung

Von Marcus Wessel

Auf „Verblendung" und „Verdammnis" folgt „Vergebung". Zumindest in der Logik der düsteren Kriminalromane des schwedischen Bestseller-Autors Stieg Larsson. Der dritte Teil seiner Millennium-Trilogie liefert weitere Antworten über eine bis in höchste Regierungskreise reichende Verschwörung und das Schicksal der mutigen Lisbeth Salander.

"Vergebung" in unserem CineChannel

In „Verdammnis" kam es am Ende zum Duell zwischen Lisbeth Salander (Noomi Rapace) und ihrem leiblichen Vater Alexander Zalachenko (Georgi Staykov), einem nach Schweden emigrierten russischen Offizier mit krimineller Vergangenheit, der in seiner neuen Heimat bei einer äußerst verschwiegenen Geheimorganisation, der „Sektion", anheuerte. Der Kampf zwischen Vater und Tochter endete blutig. Lisbeth wurde gleich mehrfach angeschossen und auch Zalachenko erlitt im Zuge dessen schwerste Verletzungen. Eine Notoperation, bei der die Ärzte eine Kugel aus ihrem Schädel entfernen, rettet Lisbeth schließlich das Leben. Aber auch ihr verhasster Vater ist dem Tod noch einmal entkommen. Er droht, mit seinem Wissen über die „Sektion" an die Öffentlichkeit zu gehen, sollte man seinen Forderungen nicht nachkommen. Es ist eine Drohung, die er nur wenig später mit dem Leben bezahlt.

Bildergalerie: Vergebung

Der Abschluss der Millennium-Trilogie beginnt gleich mit mehreren Paukenschlägen. Lisbeths Feinde sind zu allem entschlossen. Es gilt, die dunklen Machenschaften der Organisation zu schützen und eine Enttarnung zu verhindern. Zugleich muss sich die mutige, junge Frau vor Gericht wegen mehrfachen Mordes verantworten. Sie wird beschuldigt, unter anderem ihren gesetzlichen Vormund getötet zu haben. Ein von ihrem früheren Peiniger, dem Psychiater Dr. Teleborian, verfasstes Gutachten verlangt schließlich Lisbeths Einweisung in die geschlossene Psychiatrie. Dort wäre sie weiteren Übergriffen schutzlos ausgeliefert.

Unterdessen versucht der investigative Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) Beweise für Lisbeths Unschuld zu sammeln und an Informationen über die Vorgänge innerhalb der Geheimdienstgruppe zu gelangen. Beides bringt nicht nur ihn sondern die gesamte „Millennium"-Redaktion in höchste Gefahr. So erhalten seine Kollegen plötzlich anonyme Droh-Mails, in denen sie aufgefordert werden, ihre Recherchen einzustellen.

Nach einem starken Auftakt und einem eher enttäuschenden zweiten Teil, der erkennbar mit einigen Konditionsschwächen zu kämpfen hatte, schließt „Vergebung" erfreulicherweise wieder an viele Qualitäten seines Vorvorgängers an. Obwohl wie schon bei „Verdammnis" Daniel Alfredson die Gesamtverantwortung übernahm, ist insgesamt doch ein deutlicher Qualitätssprung feststellbar. Das liegt weniger an der eher betulichen, nach wie vor nur bedingt spektakulären Inszenierung, der manche Kritiker nicht zu Unrecht eine zu große Nähe an TV-Standards vorhielten, als an der durchweg spannenden, einnehmenden Story, die weit in die Befindlichkeiten und Strukturen der schwedischen Gesellschaft der achtziger und neunziger Jahre hineinleuchtet.

War Mikael Blomkvist in Teil Zwei noch weitgehend abgemeldet, greift er nun endlich wieder aktiv in das Geschehen ein. Während Lisbeth erst im Krankenhaus und später dann in der Untersuchungshaft auf ihren Prozess wartet, treibt der Journalist die Handlung mit seinen Ermittlungen maßgeblich voran. Dabei taucht er immer tiefer in die Welt der „Sektion" ein, wo inzwischen alte Männer um ihr Lebenswerk und Erbe fürchten. Dass die Perspektive der Punk-Rebellin indes nicht zu kurz kommt, dafür sorgen schon die Ausflüge in Lisbeths schmerzhafte Vergangenheit. Was seinerzeit tatsächlich geschah und was ihr bereits als Kind angetan wurde, fördert der Prozess wieder zu Tage. Diese Szenen sind zugleich die emotional stärksten und dichtesten, nicht zuletzt dank der einmal mehr couragierten Leistung von Lisbeth-Darstellerin Noomi Rapace.

Ihr Kollege Michael Nyqvist hat es da schon schwerer, kommt sein Charakter nie wirklich aus der Schablone des idealistischen Kämpfers heraus. Die strenge Dichotomie zwischen Gut und Böse gehört ohnehin zu den wenigen Schwachstellen von Larssons Werk, dem man des öfteren anmerkt, wie sehr es „Message Material" ist und auf eine Anklage von Missständen abzielt. Das wirkt auch im Film bisweilen etwas verbissen und didaktisch. Manche Figuren wie die des rücksichtslos mordenden Deutschen Ronald Niedermann (Mikael Spreitz) sind darüber hinaus mehr Cartoon, als dass man sie in ihrer monströsen Brutalität wirklich ernst nehmen könnte. Die Bedrohung, die von ihnen ausgeht, erscheint weniger real als die wahrhaft grausame Vergangenheit, die Lisbeth bis heute quält und die in Zeiten von immer neuen Missbrauchsenthüllungen eine erschreckende Aktualität erhält. (Foto: Yellow Bird Pictures, Foto Knut Koivisto)

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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