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Film der Woche

Valentinstag

Kein Halloween ohne Horrorfilm, kein Valentinstag ohne romantische Komödie. Hollywood hat feste Prinzipien, wenn es darum geht, seine Produktionen zu timen. Schließlich soll der Zuschauer genau das bekommen, wonach er sich gerade sehnt. Und am Tag aller Verliebten ist das augenscheinlich eine Überdosis Kitsch.

"Valentinstag" in unserem CineChannel

Immerhin versteckt „Valentinstag“ sein Anliegen nicht hinter einem unnötig komplizierten Titel. Während im vergangenen Jahr die Ensemble-Komödie „Er steht einfach nicht auf Dich“ fälschlicherweise noch eine Abkehr vom Genre der Romantic Comedy suggerierte, spielt Garry Marshalls neuer Film von Beginn an mit offenen Karten.

Hier soll unablässig gekuschelt, sich geliebt, sich verliebt, sich getrennt und sich dann wieder in letzter Sekunde versöhnt werden. Mit dieser Agenda ist das Zielpublikum bereits klar umrissen. Nur (frisch) Verliebte werden vermutlich gewillt sein, eine solch rosarote Fantasie zwei Stunden lang zu ertragen. Bei unfreiwilligen Singles besteht hingegen akute Suizidgefahr.

Erübrigt sich eine Inhaltsangabe schon bei einer ganz normalen romantischen Komödie – der Ablauf ist praktisch stets derselbe –, erscheint ein solches Unterfangen im vorliegenden Fall besonders unsinnig. Hinter „Valentinstag“ versteckt sich nämlich ein klassisches Ensemblestück, dessen zehn, sich fortwährend kreuzende Geschichten in der Gesamtschau so etwas wie den „L.A. Crash“ für Verliebte ergeben.

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Eine Hauptrolle sucht man vergeblich. Stattdessen bieten die Produzenten halb Hollywood auf. Jessica Alba, Ashton Kutcher, Jennifer Garner, Julia Roberts, Jamie Foxx, Bradley Cooper, Jessica Biel, Patrick Dempsey, Anne Hathaway, die Liste bekannter Namen ließe sich problemlos fortsetzen.

Sie alle spielen gleichberechtigt ihren jeweiligen Part, was anfangs für Verwirrung sorgt, wenn man nach dem eigentlich nicht existenten zentralen Handlungsstrang Ausschau hält. Am ehesten erfüllt noch die Geschichte des ebenfalls schwer verliebten Floristen Reed (Kutcher) diese Vorgabe.

Zumindest dient sein Blumenladen immer wieder als Anlaufstation für alle übrigen Romeo und Julias. Aus den in Summe zehn Episoden bastelt das Skript einen exemplarischen Valentinstag in Los Angeles, wobei die Chronologie der Ereignisse – von früh morgens bis spät abends – peinlich genau eingehalten wird.

Die überaus prominente Besetzung erweist sich noch aus einem anderen Grund als genialer Schachzug. Nicht nur dürften Stars wie Julia Roberts und Ashton Kutcher für die nötige Publicity zum Kinostart sorgen, das Hollywood-Personal deckt gleichzeitig auf Seiten des Publikums so ziemlich jeden Geschmack und jede Altersgruppe ab.

Für die männlichen Twentysomethings gibt es die beiden Jessicas (Biel und Alba), für das „Sex & the City“-Publikum laufen Patrick Dempsey und Bradley Cooper auf, für die weiblichen Teenies Twilight-Star zeigt Taylor Lautner, was er hat, die pubertierenden Jungs können sich an Emma Roberts und Taylor Swift erfreuen und die älteren Herren an einer wieder mal bezaubernden Shirley MacLaine.

Die einzelnen Episoden variieren die Höhen und Tiefen des Verliebtseins auf mal mehr, mal weniger originelle Weise. Ein echter Totalausfall ist glücklicherweise nicht auszumachen, wobei die propagierte „Lass uns noch etwas warten“-Keuschheit der Teenie-Romanze zwischen der jungen Miss Roberts und ihrem Love Interest Alex (Carter Jenkins) als deutliches Zugeständnis an eine konservative Klientel gewertet werden kann.

Das mag man anbiedernd finden, durchschaubar ist es allemal. In die ganze Vorhersehbarkeit der diversen Valentinstagsvorbereitungen platzieren Marshall und seine Autorin Katherine Fugate zumindest kleine Überraschungen, die auf charmante Art unsere Erwartungen unterlaufen und die an dieser Stelle nicht verraten werden sollen.

Im Genre der romantischen Komödie wird das Happy End schon serienmäßig mitgeliefert. Auch RomCom-Veteran Marshall („Pretty Woman“, „Die Braut, die sich nicht traut“) bleibt dieser vorgegebenen Linie treu, was ihn trotz manch frecher Ausreißer wie in der Episode mit Anne Hathaway und Topher Grace als Traditionalisten outet. Im Übrigen bietet sein Film nicht nur eins sondern gleich fast ein Dutzend Happy Ends.

Der Humor ist dazu passend familienkompatibel und das Gegenteil von frech. Fans von Judd-Apatow-Komödien – insofern sie überhaupt ernsthaft mit dem Gedanken gespielt haben, sich „Valentinstag“ anzusehen – suchen sich daher besser einen anderen Film aus.

Zum Ende hin drehen Marshall und Fugate zudem den Kitsch-Regler mächtig auf. Miteinander kuschelnde, tanzende und sich umarmende Pärchen dürften bei manch einem allergische Reaktionen hervorrufen. Unter der besonderen Valentinstag-Prämisse des Films, der sich als Date- und Event-Movie eindeutig zu erkennen gibt, erscheint das hier ausgeschüttete Füllhorn an Sentimentalitäten allerdings nur konsequent.

 

Komödie, USA 2010
Regie: Garry Marshall
Darsteller: Ashton Kutcher, Jessica Alba, Julia Roberts
124 Minuten
Ab 0 Jahren

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"Valentinstag" in den Kölner Kinos

"Valentinstag" in Bonner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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