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Film der Woche

True Grit

Von Marcus Wessel

Wenn die Lieblinge des amerikanischen Independent- und Autorenkinos, die Gebrüder Coen („Fargo“, „No Country for Old Men“), einen Western-Klassiker neu verfilmen, dann darf man gewiss viel erwarten. Ihre Version des Charles-Portis-Romans ist düster, kühl und durchzogen von einem sehr speziellen Humor.

Bildergalerie: True Grit

„True Grit“, so stellen die Brüder Joel und Ethan Coen in so ziemlich jedem Interview klar, will kein Remake des John-Wayne-Spätwestern „Der Marshall“ sein. Es ist mehr eine Neuinterpretation, die sich nicht auf den Film sondern auf die Vorlage von Charles Portis stützt. Dessen zweiter Roman erschien 1968 als Fortsetzungsgeschichte in einer Wochenzeitung und spielt im Arkansas der 1870er-Jahre. Es war eine Zeit, in der der Wilde Westen die Umschreibung „wild“ tatsächlich noch verdiente und die Vereinigten Staaten an der heutigen Westgrenze Oklahomas aufhörten. Dahinter begannen die „Territories“, die Indianergebiete, in die sich nur wenige freiwillig hineintrauten und wo das Gesetz des Stärkeren galt.

Die besten Szenen aus "True Grit" in unserem CineChannel 

In diese unsichere Gegend verschlägt es ausgerechnet ein 14-jähriges Mädchen. Die burschikose Mattie Ross (Hailee Steinfeld) ist auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters. Sie weiß, dass sie sich auf die Hilfe der Behörden nicht verlassen kann und so heuert sie kurzerhand für 100 Dollar den trinkfesten, raubeinigen Marshall Rooster Cogburn (Jeff Bridges) an. Dieser soll den flüchtigen Verbrecher finden und seiner gerechten Strafe zuführen. Eher widerwillig nimmt der alte Haudegen den Auftrag an. Vor allem als er erfährt, dass Mattie ihn bei seiner Suche begleiten will, hält sich seine Begeisterung in Grenzen. Babysitter zu spielen, das kommt Cogburn gewiss nicht in den Sinn und so versucht er die Kleine mit einem Trick loszuwerden. Doch die lässt sich so leicht nicht abschütteln und schon bald sind sie, der Marshall und ein etwas zu geschwätziger Texas Ranger (Matt Damon), der Cogburn seine Mithilfe anbietet, dem Mörder dicht auf den Fersen.

Natürlich ist „True Grit“ Western durch und durch. Bereits die ersten Bilder, die Matties Ankunft in Fort Smith zeigen und mit einer für das Genre typischen Einstellung des ankommenden Zuges beginnen, sind ein Zitat. Fast meint man, Morricones Leitthema zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu hören. Und obwohl das so ist, hebt sich der Coen-Film wie schon die John-Wayne-Version vom Muster gängiger Western-Geschichten merklich ab. Das liegt hauptsächlich an der ungewöhnlichen Erzählperspektive. Ein Teenager ist hier die eigentliche Hauptfigur. Mattie, die durch den Tod ihres Vaters gezwungen wird, in Windeseile erwachsen zu werden und für die Familie zu sorgen, treibt die Handlung immer wieder durch ihren unbändigen Willen voran. Mit ihrem Mut und ihrer Zielstrebigkeit erkämpft sie sich dabei des Marshalls und unseren Respekt.

Ohne die junge Hailee Steinfeld oder mit einer weniger überzeugenden Nachwuchsschauspielerin wäre dieser Coming-of-Age-Aspekt gleichwohl nur eine Randnotiz in einem Film, dessen dunkle Seele die Mythen des Westerns von Einsamkeit und Freiheit mit jeder Einstellung einzuatmen scheint. Kamerakünstler Roger Deakins – genre-erfahren nicht zuletzt dank „Die Ermordung des Jesse James“ und dem Coen-Neo-Western „No Country for Old Men“ – schuf dazu elegante Bildkompositionen aus erdigen Farbtönen und warmen Licht, die aus der Western-Kulisse fast schon ein Wandgemälde werden lassen. Hübsch anzusehen, keine Frage, dabei aber immer auch etwas langweilig und bisweilen sogar ziemlich tot.

"True Grit" in den Kölner Kinos

Ohnehin erstarrt der Film mehrmals in seiner perfektionistischen Haltung und künstlichen Ernsthaftigkeit, die gerade deshalb unangenehm auffällt, weil die Coens noch versuchen, sie mit ihrem besonderen Humor zu kontrastieren. Schon die erste Begegnung zwischen Mattie und dem Marshall ist diesbezüglich ein einziger Witz wie ihn sich eigentlich nur die Coens erlauben können. Die meist schwarzen Pointen und grotesk-überzeichneten Charaktere wie der von Barry Pepper mit Zahnprothese verkörperte Ekel-Ganove Lucky Ned verstärken am Ende allerdings nur den Eindruck, dass hier eine Geschichte viel zu verkniffen und artifiziell erzählt wird.

Das Ergebnis ist ein handwerklich nahezu perfektes, emotional aber arg unterkühltes Rachedrama, das zu seinen Figuren immer eine gewisse Distanz hält. Es fällt einfach schwer, Empathie für jemanden zu entwickeln, dessen Verhalten seltsam unnatürlich erscheint. Aber auch wenn die Fassade des rotzfrechen Görs dann gelegentlich bröckelt und eine einzelne Träne Matties Wange herunterläuft, wirkt diese Geste irgendwie falsch. Es passt daher, wenn Jeff Bridges seine Rolle ebenfalls als Karikatur und Variation seiner früheren „Dude“-Auftritte anlegt – vernuschelte Aussprache inklusive. Bei aller Ernsthaftigkeit kauft man „True Grit“ schließlich nur eingeschränkt seine düstere Vergeltungs-Agenda und Western-Verpackung ab.

Offizielle Website zum Film
Bildergalerie: True Grit
Die besten Szenen aus "True Grit" in unserem CineChannel
"True Grit" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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