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Film der Woche

Tron: Legacy

Von Marcus Wessel

Als Anfang der achtziger Jahre die virtuelle Realität eines Computerprogramms erstmals zum Inhalt eines aufwändigen Kinofilms wurde, waren die Reaktionen eher verhalten. Mag „Tron“ seiner Zeit voraus gewesen sein, sein Nachfolger ist es nicht, auch wenn er ebenfalls hübsch anzusehen ist.

Der Hype lässt sich nicht leugnen. Und er wird gezielt angeheizt. Schon die Verpflichtung der Elektrokünstler von „Daft Punk“, die den Soundtrack komponierten, glich einer kleinen Sensation. Am Ende dürften die Erwartungen der Fan-Gemeinde, die mit „Tron: Legacy“ nichts weniger als eine weitere technische Revolution herbeisehnten, vermutlich wieder einmal zu groß sein, als dass sie der nun vorliegende Film tatsächlich erfüllen könnte. Dafür wird man Zeuge eines Scheiterns auf optisch überaus ansprechendem Niveau.

Vom Original-Cast sind Hauptdarsteller Jeff Bridges (in gleich doppelter Ausführung) und Bruce Boxleitner mit von der Partie. Letzterer erhält allerdings nur wenige Minuten Leinwandzeit. Seine Aufgabe beschränkt sich darauf, den bisweilen recht konfusen Plot in Gang zu bringen und dabei als Stichwortgeber zu fungieren. So werden die Geschehnisse des ersten „Tron“ zu Beginn noch einmal in wenigen Sätzen zusammengefasst, schließlich will Disney mit der Fortsetzung auch eine neue Generation von Kinobesuchern ansprechen, denen das Original unbekannt ist. Es sind immerhin rund zwanzig Jahre vergangen, seitdem der gefeierte Computerspieleentwickler Kevin Flynn (Bridges) unter mysteriösen Umständen verschwand. Sein Sohn Sam (Garrett Hedlund) ist inzwischen erwachsen und kämpft mit nicht immer ganz legalen Methoden gegen den einst von seinem Vater gegründeten Softwarekonzern.

Als Sam eines Tages vom Geschäftspartner seines Vaters einen Schlüssel zu alten Räumlichkeiten erhält, in denen Flynn seinerzeit an der Entwicklung einer virtuellen Realität tüftelte, beginnt für ihn ein unglaubliches Abenteuer. Er wird in eine andere Welt teleportiert (?), die dem ähnelt, was sein Dad als „das Raster“ („The Grid“) beschrieb und programmierte. Dort haben Programme die Macht übernommen und sich von ihrem Schöpfer, Sams Vater, gewissermaßen emanzipiert. Der lebt isoliert in einer Art Exil, von wo aus er mit Sorge auf das blickt, was er zu verantworten hat. Herrscher über diese Welt aus Bits und Bytes ist seit einem Putsch der exzentrische Clu (ebenfalls Bridges), den Flynn nach seinem Ebenbild erschuf. Noch ehe sich Sam so richtig orientieren kann und weiß wie ihm geschieht, befindet er sich bereits mittendrin in futuristischen Gladiatorenkämpfen. Diese werden nicht mit herkömmlichen Waffen sondern mit den bereits aus dem Vorgänger bekannten Laser-Discs und Licht-Bikes ausgetragen.

Dem Zuschauer soll es wie Sam ergehen. Er soll sehen und staunen und über Sinn respektive Unsinn des Gezeigten möglichst nicht länger nachdenken. Ansonsten kann es durchaus passieren, dass einen die besondere Logik der Geschichte in den Wahnsinn treibt. „Tron: Legacy“ ist wahrlich kein leuchtendes Beispiel großer Erzählkunst, tatsächlich stehen hier spätestens mit Sams Eintritt in die Cyber-Welt ganz andere Werte erkennbar im Vordergrund. Es sind hauptsächlich die visuellen und akustischen Reize, die den Film zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Vor allem das inzwischen inflationär gebrauchte 3D-Konzept setzt Regie-Debütant Joseph Kosinski mit maximaler Sogwirkung ein. Hier zeigt sich ganz nebenbei die Überlegenheit eines bereits in 3D abgedrehten gegenüber einem lediglich in 3D nachbearbeiten Films.

Es ist das besondere, hypnotische Zusammenspiel von Bild und Ton, von plastischen Neonlichtern, futuristisch durchgestylten Dekors und einem wummernden, unablässig treibenden Soundtrack, das „Tron: Legacy“ zumindest in seiner Form der Präsentation ziemlich einzigartig macht. Um auf die Dreidimensionalität des „Rasters“ jedoch noch mit echter Begeisterung zu reagieren, kommt der Film gut ein Jahr zu spät. James Cameron hat mit „Avatar“ zumindest in technischer Hinsicht bereits gezeigt, was sich mit dem 3D-Zusatz so alles bewerkstelligen lässt. Besser sieht auch Konsinskis dunkles Cyber-Universum trotz aller Anstrengungen nicht aus, weshalb sich sein Streifen nur bedingt als neue Referenz unter den 3D-Blockbustern eignet.

So sehr sich die Möglichkeiten der Computertechnik seit dem ersten „Tron“ in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit weiterentwickeln haben, so sehr hat sich zugleich unser Verständnis und unser Umgang mit digitalem Spielzeug verändert. Vor allem das Internet revolutionierte Kommunikations- und Interaktionswege. Im Ergebnis sind wir heute weniger (technik-)naiv als damals und so hat es eine Geschichte, die im Kern die Grenzen eines scheinbar grenzenlosen Fortschrittglaubens ausloten und aufzeigen will, naturgemäß schwerer, vollauf zu überzeugen. Aus Disneys Sicht liegt darin aber ein großer Vorteil. Anders als das Original, dem man schnell das Etikett „Nerd-Kino“ anklebte, sollte „Legacy“ auch das Massenpublikum erreichen können. Da passt es, dass die Autoren ihre Kritik um eine an „Star Wars“ angelehnte Vater-Sohn-Zusammenführung ergänzten. Neben all dem kühlen Design sorgt die Begegnung zwischen Bridges’ Obiwan-Double und Newcomer Garrett Hedlund zumindest für ein wenig Herzarbeit. Nur der Pulsschlag bleibt selbst in diesen Momenten zu 100% digital.

Bildergalerie: "Tron: Legacy"
Offizielle Website zum Film
Die besten Szenen aus "Tron:Legacy" in unserem CineChannel
"Tron:Legacy" in den Kölner Kinos (3D-Fassung)

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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