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Film der Woche

The Town

Von Marcus Wessel

Ben Affleck hat längst Gefallen daran gefunden, auch hinter der Kamera zu agieren. Nach seinem düsteren, mit viel Lob bedachten Regiedebüt „Gone Baby Gone“ mutet er sich nun gleich das doppelte Arbeitspensum zu. Sein packender Heist-Thriller zeigt ihn in Hochform – als Hauptdarsteller und Filmemacher.

Wer in Boston Charlestown aufwächst, dort wo das Verbrechen als ein Automatismus von einer Generation zur nächsten praktisch vererbt wird, hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder er zieht schnellstmöglich weg oder er nimmt den harten Kampf dieser Straßen, dieses Viertels an. Doug MacRay (Ben Affleck) hat sich für Letzteres entschieden, vermutlich auch aus Mangel an echten Alternativen. Schon sein Vater (Chris Cooper), der für einen Mord bei einem bewaffneten Überfall lebenslänglich hinter Gittern sitzt, hat gekämpft und am Ende alles verloren. Zusammen mit seinen Kumpels Albert (Slaine), Desmond (Owen Birke) und James (Jeremy Renner) plant Doug Überfälle auf Banken und Geldtransporter.

Bildergalerie: "The Town"

Er ist der Kopf dieser Bande, die bei ihrem letzten Coup mit einigen unerwarteten Ereignissen konfrontiert wird. Gegen ihre Gewohnheit nehmen sie schließlich die leitende Bankangestellte Claire Keesey (Rebecca Hall) als Geisel. Auf ihrer Flucht lassen sie die junge Frau jedoch schon bald wenig später frei. Die folgende Befragung durch das FBI und den mit dem Fall beauftragten Special Agent (Jon Hamm) verläuft ohne Ergebnis. Zu der Identität der maskierten Männer kann Claire keine Angaben machen. Lediglich ein markantes Tattoo am Hinterkopf eines der Männer bleibt ihr in Erinnerung.

Die Jagd auf Doug und seine Mitstreiter ist damit eröffnet. Um den Kopf doch noch aus der Schlinge ziehen zu können, lässt sich Doug auf ein überaus riskantes Manöver ein. Er sucht den Kontakt zu Claire, in der Hoffnung Näheres über den Fortgang der Ermittlungen zu erfahren. Man ahnt, dass diese Begegnung nicht ohne Folgen bleibt. Doug verliebt sich in Claire und sie verliebt sich in ihn, nichtahnend, wer ihr da gegenübersitzt.

Charlestown, der soziale Brennpunkt der titelgebenden Stadt, wird darüber zu einem Ort, an dem Menschen ohne Zukunft eine Beziehung ohne Zukunft eingehen. Bei Affleck ist es zudem das Spielfeld für einen allmählichen Kontrollverlust, bei dem die verlangten Opfer auf beiden Seiten zunehmend größer werden. Geht der erste Bankraub trotz mancher Störfeuer noch weitgehend glimpflich über die Bühne, steigt der Gewaltpegel bereits im nächsten Durchgang, dem Überfall eines Geldtransporters auf offener Straße, drastisch an. Wohin diese Entwicklung letztlich führt, ist nicht schwer vorauszusagen. „The Town“ folgt an diesem Punkt lediglich der Logik einer todbringenden und äußerst blutigen Gewaltspirale.

Die besten Szenen aus "The Town" in unserem CineChannel

Obwohl die Action nicht zu kurz kommt, ist Afflecks zweite Regiearbeit alles andere als ein stumpfer Gewaltexzess. Wenn hier geschossen wird und Menschen im Kugelhagel zu Boden gehen, dann tut das auch uns weh. Von der Ästhetisierung eines Michael Bay und dessen Videoclip-Optik scheint „The Town“ jedenfalls Lichtjahre entfernt. Eher schon drängt sich ein Vergleich zu den energetischen und harten Shoot-Outs aus Michael Manns Crime-Oper „Heat“ auf. Auch dort wurde ähnlich kompromisslos gekämpft, gelitten und gestorben. In der Macho-Welt von Charlestown ist für Schwäche und Mitgefühl kein Platz.

Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Fahnder und Dougs Bande spielt sich auf dem Boden einer eigentlich unmöglichen Romanze ab. Die anrührende Beziehung, die den Täter aus einfachen Verhältnissen und das Opfer aus gutem Hause über eine zugegeben etwas konstruierte Brücke zusammenführt, bildet den emotionalen Kern dieser packenden Gangsterballade. Affleck, der vor Jahren noch ein beliebtes Ziel von Spott und Häme war, zeigt hier auch als Schauspieler, was er kann. Und das ist durchweg stark. Bis in die Nebenrollen mit Oscar-Preisträger Chris Cooper und Pete Postlethwaite als irischstämmiger Pate von Charlestown erstklassig besetzt, ist es aber vor allem Jeremy Renner, der in der Rolle von Dougs bestem Kumpel das hochexplosive Zentrum von Afflecks Film ausfüllt. Dessen aufgestaute Frustration und Wut – die sichtbaren Symptome einer erlebten sozialen Ausgrenzung – sind ständig auf der Suche nach dem geeigneten Ventil.

In seiner Reflexion von sozialen Identitäten bleibt „The Town“ bisweilen hinter den eigenen Möglichkeiten zurück. Das katholische, von irischen Einwanderern geprägte Milieu von Georgetown ist mehr eine Behauptung. Dafür konzentriert sich Affleck bei der Ausarbeitung seines Crime-Dramas auf eine stimmige Figurenzeichnung und einen mitreißenden Plot. Das Ergebnis gefällt, überzeugt und macht Appetit auf den nächsten Coup aus dem Hause Affleck.

Bildergalerie: "The Town"
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Die besten Szenen aus "The Town" in unserem CineChannel

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

 

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