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Film der Woche

Total Recall

Von Marcus Wessel

In der Zukunft soll es möglich sein, die eigenen Träume in echte Erinnerungen zu verwandeln. Glauben Sie nicht? In der Welt von „Total Recall“ gelten schließlich andere Gesetze. Zwei Jahrzehnte nach der ersten Verfilmung der Science-Fiction-Kurzgeschichte von Kultautor Philip K. Dick versucht sich Hollywood erneut an einer Umsetzung.

Die nahe Zukunft war schon immer ein Ort, an dem sich Schriftsteller, Filmemacher und andere kreative Geister ausgelebt haben. Wie unsere Welt in einigen Jahren wohl aussieht, weiß niemand und doch versucht jeder, sich darunter etwas Konkretes vorzustellen. Auch Science-Fiction-Autor Philip K. Dick blickte nur zu gerne in die Zukunft – schon von Berufswegen. Zu seinen berühmtesten Werken zählt die Kurzgeschichte „We can remember it for you wholesale“, die bereits vor rund zwei Jahrzehnten von Entfant terrible Paul Verhoeven mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle aufwändig in Szene gesetzt wurde. „Total Recall“ hieß ihr Film, der Publikum wie Presse spaltete.

Nun kommt es zur Neuinterpretation. Zumindest möchte „Underworld“-Schöpfer Len Wiseman seinen „Total Recall“ weniger als Remake denn als alternative Version von Dicks Geschichte verstanden wissen. Die größte und augenfälligste Änderung gegenüber Verhoevens Film betrifft dabei den Schauplatz. Bei Wiseman ist nicht der Mars sondern eine entwohnte, zerrüttete Erde Kulisse eines folgenreichen Traum-/Gedankenexperiments. Denen, den es etwas besser geht, leben in den „Vereinigten Staaten von Großbritannien“. Dort wird jedoch der Wohn- und Lebensraum zunehmend knapp. Die anderen, die weniger Glück hatten, arbeiten in der „Kolonie“ am anderen Ende der Welt. Zu diesen Malochern zählt sich auch unser Held Douglas (Colin Farrell). So sehr er seinen Job hasst, um seine bildhübsche Frau (Kate Beckinsale) beneiden ihn viele.

Bildergalerie: Total Recall

Und dennoch sucht auch er manchmal den Kick, eine kurze Auszeit von seinem Alltag. Die Verlockungen der Firma „Rekall“, die echte Erinnerungen zu transplantieren verspricht, kommen da wie gerufen. Dumm nur, dass bei der Programmierung etwas gewaltig schief läuft und Douglas fortan von der Polizei und Sondereinheiten unter der Führung des diktatorisch herrschenden Kanzlers Cohaagen (Bryan Cranston) verfolgt wird. Sogar seine eigene Frau scheint plötzlich wie verwandelt. Er lernt schnell, niemandem zu vertrauen. Schließlich begegnet er der Rebellin Melina (Jessica Biel), die zusammen mit Gleichgesinnten im Untergrund gegen das Regime kämpft. Sie verspricht, ihm auf seiner Flucht zu helfen.

Die besten Szenen aus Total Recall in unserem Cine Channel

Die Neuauflage von „Total Recall“ ist ein lupenreiner Zeitgeistfilm. Er setzt auf Styling, Oberfläche, Tempo und eine fast schon verbissene Ernsthaftigkeit. Die satirische Schärfe des Originals sucht man andererseits vergebens. Wiseman schaute mehr auf Nolans Batman-Reboot als auf Verhoevens kurzweiliges SF-Abenteuer. Die wenigen, durchaus charmanten Verweise auf die erste Verfilmung bleiben Randnotizen, die Kenner des Originals nicht mehr als ein kurzes Schmunzeln entlocken dürften.

Immerhin hat Wisemans Film optisch einiges zu bieten. Die urbane Zukunft wurde aus einem Zusammenspiel von echten Kulissen und Computerbauten konstruiert. Ihr Design wirkt düster, kühl und gleichzeitig vertraut. Europäische Elemente mischen sich in dieser Welt immer wieder mit asiatischen und afrikanischen Einflüssen. Besonders eindrucksvoll gestaltet sich dabei die Fahrt im „The Fall“, einem gigantischen Tunnelsystem, das die Kolonien mit der „Heimat“ verbindet. Die während der Reise einsetzende Schwerelosigkeit nutzt der Film für so manchen visuellen Leckerbissen.

Die insgesamt überzeugenden Schauwerte und ein engagierter Colin Farrell können aber nicht verdecken, dass dieser „Total Recall“ hinter seiner hektischen Daueraction – es wird gerannt, geschossen, gerannt, geschossen und dann wieder gerannt – kaum Substanzielles verbirgt. Die Kommentare zum Totalitarismus, zu Freiheits- und Bürgerrechten wirken bestenfalls wie ein schwaches Alibi. Auch die Frage, was einen Terroristen von einem Widerstandskämpfer unterscheidet, bleibt unbeantwortet. Das ist schade, gebe es zu alledem doch so viel Wichtiges zu sagen. Wiseman verschenkt diese Chance zugunsten eines handwerklich soliden Actionfilms, den man leider viel zu schnell vergisst (oder vergessen soll). Ob darin am Ende vielleicht eine versteckte Botschaft steckt?

Bildergalerie: Total Recall
"Total Recall" in den Kölner Kinos

Die besten Szenen aus Total Recall in unserem Cine Channel
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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