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Film der Woche

Thor

Von Marcus Wessel

Mit der Comic-Verfilmung "Thor" läutet Hollywood die diesjährige Blockbuster-Saison ein. Der vom Ehrgeiz zerfressene Königssohn wird darin von seinem Göttervater auf die Erde verbannt, wo er nicht nur seinen verloren gegangenen Hammer sondern auch seine eigentliche Bestimmung finden soll. Shakespeare-"Fanboy" Kenneth Branagh inszenierte den mit viel CGI-Bling-Bling aufgemotzten Actionspaß.

Die besten Szenen aus "Thor" in unserem CineChannel

Als Königssohn hat man es nicht leicht. Jeder erwartet von einem jederzeit ein perfektes Auftreten, ein tadelloses Benehmen und die Einhaltung der royalen Etikette. Was für die Windsors gilt, gilt erst recht für die Elite der nordischen Götterwelt. In Asgard, ihrem prachtvollen Herrschaftssitz weit oben irgendwo zwischen Himmel und Weltall, wacht der weise Göttervater Odin (Anthony Hopkins) über das kosmische Gleichgewicht. Die jetzige Ruhe ist hart umkämpft und verlangte in der Vergangenheit Odin und seinen Getreuen manch hartes Opfer ab. Eigentlich hat der alte Herrscher seinen Sohn Thor (Chris Heimsworth) längst als den nächsten König auserkoren, doch eine eigenmächtige, unüberlegte Entscheidung des Filius, die den seit Generationen befriedeten Krieg im Göttereich aufs Neue zu entfesseln droht, zwingt Odin schließlich zu einer folgenreichen Strafaktion.

Bildergalerie: "Thor"

Er verbannt den Sohn auf die Erde, wo dieser sich zunächst ohne seine Superkräfte und ohne seinen mächtigen Hammer zurechtfinden muss. Vielleicht wird ihm dann klar, dass sein Verhalten eigensinnig und dem eines zukünftigen Königs in keiner Weise würdig war. In der Wüste New Mexicos landet der im wahrsten Sinne des Wortes gefallene Held sodann vor den Füßen der überraschten Astrophysikern Jane Foster (Natalie Portman). Die kann sich die Herkunft des blonden Hünen nur schwer erklären, und so liefert sie ihn letztendlich – nicht ohne die tatkräftige Unterstützung ihrer Kollegen – in der Notaufnahme des nächsten Krankenhauses ab.

Eigentlich kommen mit "Thor" nur zwei Dinge zusammen, die schlichtweg zusammen gehören. Die Welt der Comics und Superhelden trifft hier auf die mythische Sagenwelt „echter“ Götter mit nicht minder beeindruckenden Superkräften. Im Gegensatz zu Peter Parker oder Bruce Wayne besitzt unser muskelbepackter Schönling jedoch keine zweite Identität. Ihn muss keine Spinne beißen, damit er die Macht in sich spürt. Stattdessen weiß er nur zu genau, wer er ist, womit eigentlich auch bereits der Kern des Problems umrissen ist. So bringen Thors Eigensinn und Überheblichkeit die Geschichte erst in Gang.

"Thor" in den Kölner Kinos    

Man muss an dieser Stelle jedoch nicht die Befürchtung hegen, einen womöglich pädagogisch wertvollen Beitrag zur charakterlichen Festigung junger Menschen vorgesetzt zu bekommen. "Thor" weiß um seine Wurzeln im Universum der Marvel-Superhelden und damit auch um die Erwartungshaltung seiner Fans. Die möchten im Kino vornehmlich rasante Action, State-of-the-Art-Effekte und einen coolen Spruch zur rechten Zeit erleben. Da passt es gut, dass sich Marvels jüngste Comicverfilmung an diesem Punkt ganz zielgruppenkompatibel – und ein bisschen bieder – gibt.

Aus dem soeben skizzierten Dreiklang aus Action, Effekten und flotten Onelinern bricht die 150-Mio.-Dollar-Produktion zu keiner Zeit wirklich aus. Wenn etwas von diesem Blockbuster länger in Erinnerung bleibt, dann sind es mit Sicherheit die gigantischen, komplett am Computer entwickelten Bilder der Götterresidenz Asgard. Eine Glasur aus Gold und Glitzer überzieht dort weit oben über den Wolken jeden einzelnen Bildpunkt, was den Verdacht nährt, der Film wolle mit bisweilen etwas trashigen Schauwerten sein Publikum hypnotisieren.

Kurzweiliger Blockbuster mit Sixpack-Garantie

Der visuelle Protz wird somit mehr als alles andere zu "Thors" Marken- und Erkennungszeichen. Dass mit Kenneth Branagh ein Schauspieler und ausgewiesener Theaterfachmann auf dem Regiestuhl Platz nahm, ist der Film und seiner Inszenierung am Ende kaum mehr anzumerken. Routiniert aber austauschbar erscheint Branaghs Version eines Superheldenfilms. Der Shakespeare-Kenner bewegt sich weitgehend im engen Korsett der Genrevorgaben, von denen augenscheinlich nur eine recht beschränkte kreative Freiheit ausging. Sein Interesse an dem Projekt und der Figur des gefallenen Göttersohnes begründet Branagh mit Kindheitserinnerungen. Glaubt man dem Presseheft, so träumte er sich im Belfast der sechziger Jahre regelmäßig in die bunte Welt der Comichelden. "The Mighty Thor" sei darunter schon immer sein Favorit gewesen. Aha.

Dabei lassen sich durchaus Anleihen zu zeitlosen Konflikten und Sujets herstellen wie sie schon Shakespeare in seinen Stücken beschrieb. Der Bruderstreit zwischen Thor und Loki (Tom Hiddleston), die Intrigen in einem traditionsreichen Herrscherhaus, der unbändige Ehrgeiz des Sohnes, der dem Vater etwas um jeden Preis beweisen will, mit all diesen Motiven spielen Comic wie Film, wobei keiner dieser Aspekte wirklich vertieft würde. Es bleibt daher bei einem zugegeben kurzweiligen, effekt-gesteuerten Ritt entlang mythologischer Zitate und Bilder – einschließlich Sixpack-Garantie und dem verführerischen Augenaufschlag einer frisch gekürten Oscar-Preisträgerin.

"Thor" in den Kölner Kinos
Bildergalerie: "Thor"
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Offizielle Website zum Film

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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