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Filmkritik

The Watch - Nachbarn der 3. Art

Von Marcus Wessel

Weniger aus Sorge um ihre Mitmenschen denn aus Zeitvertreib beschließen vier Freunde, eine Nachbarschaftspatrouille zu gründen. Doch statt mit nächtlichen Störenfrieden müssen sich die Freizeit-Sheriffs (Ben Stiller, Jonah Hill, Vince Vaughn) plötzlich mit ihnen wenig freundlich gesonnenen Aliens herumschlagen.

Nur die wenigsten Außerirdischen erkennt man auf den ersten Blick. Seit den „Men in Black“ wissen wir, dass sich die Extraterrestischen nur zu gerne eine bürgerliche Fassade und ein unauffälliges, menschliches Kostüm zulegen. Wer dagegen erst auf ihre Ankunft in einer fliegenden Untertasse wartet, dürfte überrascht sein, dass sein Nachbar in Wahrheit von sehr, sehr weit her zugezogen ist. Für Evan (Ben Stiller) und seine drei Kumpels (Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade) ist die Alienjagd ein relativ neues Metier. Eigentlich wollte sich das Quartett mit der Idee von einer eigenen Bürgerwehr einen Männerabend erschleichen. Zumindest waren das die Motive von Evans Freunden, die den nötigen Ernst bei ihrem ungewöhnlichen „Nebenjob“ vermissen lassen.

Allein Evan – ein Perfektionist und zugleich äußerst engagiertes Gemeindemitglied – sorgt sich tatsächlich um die Sicherheit seiner Mitmenschen. Nachdem ein Arbeitskollege in der von ihm geleiteten Costco-Filiale auf ziemlich unschöne Weise ermordet wurde, hofft er, mit Hilfe seiner privaten  den Täter zu ermitteln. Dumm nur, dass seinen Mitstreitern der Sinn mehr nach Abhängen im luxuriös ausgestatteten Partykeller steht. Erst als sich weitere, sogar tödliche Zwischenfälle ereignen, fühlen sich die Männer plötzlich von der außerirdischen Bedrohung herausgefordert.

Bildergalerie: The Watch -  Nachbarn der 3. Art

Evan, Bob, Franklin und Jamarcus ziehen also in die Schlacht und wirken dabei heillos überfordert. Aus dieser Kluft zwischen männlichem Anspruch und Wirklichkeit zieht „The Watch“ viele seiner vorzugsweise recht pubertären Witze, in denen es sich nahezu ausschließlich um Sex und alles, was damit zusammenhängt, dreht. Trotz dieser verbalen Freizügigkeit – letztlich alles nur Gehabe und Show – ist die Geschichte mehr ein mutloser Versuch, Science-Fiction- und Komödienelemente zusammenzubringen. Zum einen sind Regisseur Akiva Schaffer und sein Cast meist auf die jeweils offensichtlichste Pointe aus, zum anderen fällt ihnen mit Blick auf die Alien-Geschichte absolut nichts Neues ein. Man mag an dieser Stelle einwenden, dass sich auch das erfolgreiche „Men in Black“-Franchise längst tot gelaufen hat. Das stimmt zweifellos, als Entschuldigung für „The Watch“ reicht das aber noch lange nicht aus.

Die besten Szenen aus The Watch - Nachbarn der 3. Art in unserem Cine Channel

Hier wünscht man sich angesichts der immer leicht homophob angehauchten Witze über männliche Geschlechtsteile und Körperflüssigkeiten früher oder später den Alkohol aus Bobs Partykeller herbei. Natürlich landen Stiller & Co. ab und an auch einen Volltreffer, verteilt auf 100 Minuten bleiben diese Zwerchfellattacken aber viel zu rar gesät. Auch der Schauplatz des stets perfekt herausgeputzten Vorzeigestädtchens nutzt der Film viel zu wenig für bissige Kommentare und subtile Kritik am manchmal oberflächlichen American way of life. Was hätte John Waters aus diesem verlogenen Zahnpasta-Setting wohl alles herausgeholt? Statt „Bad Taste“ bleibt die Story durchaus familienfreundlich und mainstream-kompatibel. Selbst die (viel zu) kurzen Splattereinlagen ändern daran nicht wirklich etwas.

Weniger die alten Comedy-Haudegen Vince Vaughn und Ben Stiller als ihre jüngeren Kollegen Jonah Hill – als militantes Muttersöhnchen – und Newcomer Richard Ayoade sind die Stars dieses Quartetts. Während der sichtlich erschlankte Hill in seiner Rolle mit viel Freude und konsequentem Overacting zwischen Wahnsinn und noch mehr Wahnsinn wandelt, könnte Ayoade glatt als Double des jungen Samuel L. Jackson auftreten. Beide entschädigen für so manchen, allzu tiefergelegten oder ganz einfach überflüssigen Drehbucheinfall. Der Subplot um Evans Spermien, die sich schließlich als „Platzpatronen“ herausstellen, ist so einer. Um seine Männlichkeit zurückzugewinnen, muss Evan am Ende zusammen mit seiner nur kurzzeitig enttäuschten Frau zur Waffe greifen. Es ist die mit Abstand dümmste Idee eines ohnehin nicht sonderlich klugen Films.

Die besten Szenen aus The Watch - Nachbarn der 3. Art in unserem Cine Channel
Bildergalerie: The Watch - Nachbarn der 3. Art
The Watch - Nachbarn der 3. Art in den Kölner Kinos
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

(Erstellt am 5. September 2012 - 10:02 Uhr; aktualisiert 5. September 2012 - 15:37 Uhr)


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