• Home
  • Sa, 3. Dez. 2016
  • Stadtplan
  • cologne.de
  • Branchen
  • KoelnMail
  • Experten

Film der Woche

The King’s Speech

Von Marcus Wessel

Der diesjährige Oscar-Favorit verknüpft eine hübsche Anekdote der britischen Monarchie mit tragikomischen Beobachtungen eines unsicheren Thronfolgers, dessen Stottern eine ganze Nation in Atem hielt. Als George VI., König von England, greift Hauptdarsteller Colin Firth erneut nach dem Preis aller Filmpreise. Die Chancen stehen gut, dass er ihn am Ende auch in den Händen halten wird.

Bildergalerie: The King's Speech

Sie sind unverzichtbarer Bestandteil jedes Klatschmagazins, jeder Boulevard-Sendung und jedes Internet-Gossips: Die Royals. Insbesondere das englische Königshaus sorgte über die letzten Jahre und Jahrzehnte immer wieder für auflagenstarke Schlagzeilen und Skandale. Zur Zeiten König George V., Großvater der heutigen Königin Elizabeth II., war die Medienwelt noch eine andere und doch sahen sich die Bewohner des Buckingham Palace schon damals durchaus anspruchsvollen Herausforderungen in Bezug auf die Kommunikation mit ihren Untertanen ausgesetzt. Die neu eingeführten Radioansprachen waren Teil der nach heutigen Maßstäben recht zurückhaltenden PR-Offensive, wobei die Schwierigkeit vor allem für einen Windsor eine ganz erhebliche war.

Die besten Szenen aus "The King's Speech" in unserem CineChannel 

Prinz Albert (Colin Firth) – von der Familie meist „Bertie“ genannt – litt unter einem hartnäckigen Stottern, das von den königlichen Ärzten und Therapeuten bislang nur ungenügend behandelt werden konnte. Seine öffentlichen Auftritte endeten regelmäßig in mehr oder weniger peinlichen Stammel-Attacken, was dem armen Albert so ziemlich den letzten Rest seines ohnehin nicht sehr ausgeprägten Selbstbewusstseins kostete. Seine Ehefrau Elizabeth (Helena Bonham Carter) sucht daher den für seine unorthodoxen Methoden bekannten Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush) auf. Dieser soll den Prinzen endlich von seiner größten Schwäche befreien.

Die Unterrichtsstunden des exzentrischen Lionel Logue werden von dem hier wieder einmal großartigen Geoffrey Rush, aber vor allem von Colin Firth in eine schauspielerische Gala-Vorstellung verwandelt. Firth beherrscht seine komplexe, sprachlich anspruchsvolle Rolle mit einer unglaublichen Souveränität. Er ist umwerfend komisch während der heiteren Parts und dann wieder mehr als unsicher, verletzlich in anderen Augenblicken. Das Stottern erscheint bei ihm nicht wie ein erzwungenes, aufgesetztes Add-on zur Belustigung des Zuschauers. Wenn Firth hier als Prinz Albert vor ein Mikrofon tritt, dann bangen, hoffen, leider wir mit ihm. Mit dieser Darbietung hat der Brite in diesem Jahr seine Hand ganz nah am schon lange verdienten Oscar. Bereits letztes Jahr gelang ihm in Tom Fords „A Single Man“ ein ähnlicher Parforceritt. Am Ende musste er sich dann jedoch Jeff Bridges geschlagen geben.

Auch wenn Firth zweifellos Herz und Seele des Films verkörpert, ist es nicht allein sein Verdienst, dass „The King’s Speech“ derart begeistert. Die Weinstein-Produktion ist bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. Für Helena Bonham Carter als Prinzengattin Elizabeth bietet das Skript von David Seidler zwar weit weniger Raum zur Entfaltung, was sie aus den Möglichkeiten ihrer Rolle dann aber macht, fügt sich nahtlos in die hohe Schauspielkunst des mit Ausnahme von Rush größtenteils britischen Ensembles ein. Sie ist die gute Seele und Ruhepol der weitgehend an historischen Ereignissen orientierten Geschichte. Ihre Präsenz ist zurückhaltend und doch nimmt man jeden ihrer Auftritte genauestens wahr.

Ganz und gar britisch sind nicht nur viele Schauspieler. Auch das Verständnis von Film knüpft an die Tradition großer englischer Period Pieces an. Beseelt von einem geradezu altmodischen Understatement und vornehmer Noblesse erscheint „The King’s Speech“ als ein Vertreter jener Schule, die in den Pausen zwischen zwei Sätzen nach Spannung und Gefühlen sucht. Mit Ausnahme einer von Beethovens 7. Symphonie kraftvoll untermalten Montage, die zugleich den dramaturgischen Höhepunkt des Films abbildet, geizt die Geschichte mit Emotionen. Offenbar ist Hooper ein Anhänger des Prinzips, dass in der Zurücknahme eine Steigerung des Effekts sieht. Das Ergebnis gibt ihm Recht.

Vieles in „The King’s Speech“ atmet Geschichte, wobei die Verknüpfung von Alberts persönlichem Trauma mit dem einer ganzen Nation nie gewollt wirkt. Als sein älterer Bruder David (Guy Pearce) – Edward VIII. – abdankt und er plötzlich zum König gekrönt wird, lässt sich die zentnerschwere Last auf Alberts Schultern förmlich greifen. Großbritannien, das von Hitler erst aus der Luft bombardiert und damit zum Kriegseintritt gezwungen wird, blickt in diesen schweren Stunden mit besonderen Erwartungen zu seinem Regenten auf. Der wiederum bereitet sich wie ein Boxer auf den alles entscheidenden Kampf vor. Statt in einen Ring zu steigen, muss er sich vor einem unscheinbaren Mikrofon in einem kleinem Hinterzimmer seinen Zweifel, Versagensängsten und Komplexen stellen. Bei Hooper erwächst aus dieser Konfrontation ganz großes Kino. Und für „Bertie“ am Ende ein hart erkämpfter Sieg.

Offizielle Website zum Film
Bildergalerie: The King's Speech
Die besten Szenen aus "The King's Speech" in unserem CineChannel
"The King's Speech" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

Schon gelesen?

Nächster Artikel: Die Kinder von Paris
Vorheriger Artikel: True Grit

Onlinespiele

hex-puzzle-225.jpg
Ganz schön knifflig: Platzieren Sie die Sechseck-Elemente so, dass möglichst viele auf das Spielfeld passen.  Jetzt spielen!
smartybubbles-225.jpg
Schießen Sie Ihre Luftblasen auf mindestens zwei Blasen mit der gleichen Farbe und bringen Sie diese so zum Platzen. Achtung! Suchtgefahr!   Jetzt spielen!
mahjong-600.jpg
Mahjong op kölsch - können Sie alle Steine entfernen?  Mahjong spielen