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Film der Woche

The Book of Eli

Nach acht Jahren der Leinwandabstinenz kehren die Brüder Allen und Albert Hughes (From Hell) mit einem düsteren, an klassische Western angelehnten Endzeitthriller zurück. Superstar Denzel Washington gibt darin den wortkargen, mythischen Helden, der eine ganz besondere Mission zu erfüllen hat: Mit seinem Leben beschützt er ein geheimnisvolles Buch, dessen Worte alles verändern können.

"The Book of Eli" in unserem CineChannel

Die Erde im Jahr 2044 ist ein lebensfeindlicher, oder, deprimierender Ort. Nach einer nicht näher erläuterten Katastrophe ist der Mensch auf dem Rückzug und nahezu jede zivilisatorische Errungenschaft längst vergessen.

In dieser postapokalyptischen Tristesse folgt ein zunächst namenloser Wanderer (Denzel Washington) seiner inneren Stimme, die ihm unmissverständlich befiehlt, nach Westen zu ziehen. Neben wenigen Habseligkeiten trägt Eli – als dieser wird er uns später vorgestellt – ein geheimnisvolles Buch mit sich herum, das er jederzeit mit seinem Leben beschützt und das schon bald die Aufmerksamkeit eines zwielichtigen Kleinstadt-Despoten (Gary Oldman) auf sich zieht.

Carnegie verkörpert all das, was Eli gerade nicht ist. Er ist eigensinnig, egoistisch, bisweilen sadistisch, kurzum der perfekte Antagonist für unseren einsamen Helden. Für Gary Oldman ist es eine weitere große Schurken-Rolle an seiner an großen Schurken-Rollen nicht armen Karriere. Bevor der Bad Guy jedoch das Buch in seinen Besitz bringen kann, verhilft dessen Tochter Solara (Mila Kunis) Eli zur Flucht.

Mehr noch: Sie begleitet ihn fortan auf seiner Mission, bei der es für beide immer neue, brenzlige Situationen zu meistern gilt. So entpuppt sich ein auf den ersten Blick gastfreundliches, älteres Ehepaar (Michael Gambon, Frances de la Tour) als menschenfleischliebende Psychopathen. Zu allem Überfluss hetzt zeitgleich Carnegie seine folgsamen Schergen auf das ungleiche Ausreißer-Pärchen.

Erinnert das Szenario zumindest an die populäre „Mad Max“-Trilogie, unterscheidet sich der von den Gebrüder Hughes inszenierte Endzeitthriller letztlich doch in vielerlei Hinsicht von seinem 80er-Jahre-Pendant. „Book of Eli“ erscheint düsterer, erwachsener, ruhiger, bisweilen gar meditativ. Die Action, von der es weniger gibt, als man nach Ansicht des Trailers vermuten mag, ist mehr eine schmückende Randnotiz, als dass sie im Zentrum des Films stehen würde.

Dort hat es sich vielmehr Denzel Washington bequem gemacht. Seine Präsenz und Ausstrahlung hält die im Grunde recht simple Geschichte zusammen. Washington gelingt es, Eli als mystische Figur zu portraitieren, die einerseits übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen scheint – eine Horde wilder Krimineller stellt für Eli kein ernsthaftes Hindernis dar –, und die in anderen Augenblicken wiederum zutiefst verletzlich agiert.

Viele Fragen werden zudem nie geklärt. Was es beispielsweise mit den Brandverletzungen auf Elis Körper auf sich hat, bleibt ein Geheimnis. Anderes wie der Inhalt des Buches gibt dagegen weniger Rätsel auf. Die Befürchtung, bei dem Artefakt könnte es sich am Ende nur um einen banalen „MacGuffin“ handeln, bestätigt sich nicht.

Die trickreiche Auflösung ist nichtsdestoweniger gewagt, da sie einen stilistischen Bruch zum Rest des Films markiert. Auch der religiöse Unterton, der aus Elis unerschütterlichem Glauben resultiert, und die unübersehbare Retter-Metaphorik sind nicht unproblematisch. Letztlich erfährt aber beides eine wohltuende Relativierung, weshalb „Book of Eli“ zwar als christlich eingefärbter, nicht jedoch als fundamentalistischer Film einzustufen ist.

Obwohl die Geschichte in der Zukunft angesiedelt ist, ähnelt Elis Odyssee mehr einem Western von Sergio Leone denn einem durchgestylten Science-Fiction-Abenteuer. Die Optik ist – das Ende einmal ausgenommen – durch und durch Western. Die karge Wüstenlandschaft von New Mexiko bot hierfür die passende Kulisse. Ganze Szenenabfolgen wie das erste Aufeinandertreffen von Eli und Carnegie huldigen Einstellung für Einstellung dem Meister dieses Genres.

Die Hughes-Brüder vergreifen sich gleichwohl nicht in blindem Copy-and-Paste-Wahn an Filmen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“, aus dem unter anderem die Figur ihres schweigsamen Helden entlehnt wurde. Zusammen mit Kameramann Don Burgess kombinierten sie den Western-Look mit einer recht eigenwilligen Endzeitästhetik. Die einzelnen Tableaus bestehen im Ergebnis nahezu ausschließlich aus verwaschenen Grau- und Brauntönen. Alle übrigen Farben haben längst aufgehört zu existieren.

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„Book of Eli“ ist nicht ohne Schwächen. Gerade das anfangs schleppende Tempo fordert Geduld und den Willen, sich auf die Figur des mystischen Wanderers einzulassen. Später dann überzeugt der Film vor allem durch seinen Blick für Details. Dass die Wolken stets in die entgegen gesetzte Richtung ziehen, in die Eli unterwegs ist, dürfte nur wenigen auffallen und doch spürt man intuitiv, dass Washingtons Charakter auf seiner Reise immer wieder sichtbare und unsichtbare Widerstände überwinden muss. Für ihn, der am liebsten „How Can You Mend a Broken Heart“ von Al Green auf seinem iPod hört, ist nicht der Weg das Ziel. Es ist das Gefühl, gebraucht zu werden, das Eli antreibt. Welch schöner Gedanke.

 

Action/Science Fiction, USA 2009
Regie: Albert Hughes
Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis
118 Minuten
Ab 16 Jahren

"The Book of Eli" in unserem CineChannel
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"The Book of Eli" in den Kölner Kinos

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 16. Februar 2010 - 16:07 Uhr; aktualisiert 17. Februar 2010 - 14:49 Uhr)


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