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Film der Woche

The Amazing Spider-Man

Von Marcus Wessel

Ein Spider-Man-Film ohne Tobey Maguire, Kirsten Dunst und den „Daily Bugle“? Sony ging das Wagnis ein. Unter der Regie von Marc Webb entstand eine Neuinterpretation des wohl bekanntesten Superhelden, welche sich vor Sam Raimis Version keinesfalls zu verstecken braucht.

Als nur fünf Jahre nach dem letzten Spider-Man-Abenteuer ein Neustart der Reihe angekündigt wurde, schien eine gewisse Skepsis durchaus angebracht. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass der Reboot eher aus der Not geboren wurde, schließlich hatte Tobey Maguire bereits frühzeitig seine Mitwirkung an einem neuen Spider-Man-Film abgesagt.

Ohne ihn und Regisseur Sam Raimi setzten die Verantwortlichen bei Sony auf ein konsequentes Facelift ihres wohl populärsten Superhelden. An Geschichten über und mit Spider-Man herrschte zumindest nach gut 50 Jahren im Dienst kein Mangel. Doch der neue Regisseur Marc Webb („(500) Days of Summer“), der im Umgang mit Blockbustern bislang noch keine Erfahrung vorzuweisen hatte, wählte den keinesfalls leichten Weg. Er und Drehbuchautor James Vanderbilt („Zodiac“) wollten einen neuen Spider-Man-Typus erschaffen, der Raimis Version nicht bloß ersetzt, sondern neben dieser auch zu bestehen vermag.

Bildergalerie: The Amazing Spiderman

Ihre Geschichte beginnt dort, wo auch schon Raimis „Spider-Man“ seinerzeit ansetzte. Webb und Vanderbilt zeigen, wie aus dem High School Schüler Peter Parker (Andrew Garfield) der für das Gute und die Gerechtigkeit kämpfende Spinnenmensch wurde. Dabei gehen sie jedoch noch einen weiteren Schritt zurück. In den ersten Szenen begegnen wir einem kleinen Jungen, der von seinen Eltern in großer Eile bei seiner Tante May (Sally Field) und seinem Onkel Ben (Martin Sheen) zurückgelassen wird. Als Teenager wird er alles daran setzen, mehr über seine Eltern zu erfahren und über die Gründe, warum sie ihn verlassen haben. Bei diesen Recherchen begegnet er erstmals dem ehemaligen Forschungspartner seines Vaters. Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) arbeitet in seinem Labor an komplexen Genexperimenten, für die sich Peter sofort begeistern kann. Er liefert sogar den entscheidenden Hinweis, der Connors Forschungen zu ihrem Durchbruch verhelfen.

Dominanten Actionsequenzen - vor allem am Schluss

Damit ist die Bühne bereitet für ein spektakuläres, actiongeladenes Finale in und über Manhattan. Peter alias Spider-Man wird sich Connors Alter Ego, dem Lizard, stellen müssen. Seine Figur ähnelt Tobey Maguires Gegenspieler im ersten und zweiten „Spider-Man“. Auch der grüne Kobold und Doc Octopus waren schizophrene, von Wissensdurst und Forscherdrang besessene Charaktere. Deutlich zugenommen hat hingegen die Intensität dieses Kampfes, der dank des erstmaligen Einsatzes von 3D die früheren Duelle auf einmal recht zahm und langweilig erscheinen lässt. Geschickt nutzt der Film seine technischen Vorzüge für die Etablierung und Ausgestaltung seiner zum Ende hin recht dominanten Actionsequenzen. Wenn Spider-Man von Hochhaus zu Hochhaus sprintet oder auf der Williamsburg-Brücke erstmals der Gewalt des Lizards begegnet, ist das für uns Zuschauer ein ungemein intensives Miterleben. Wir fühlen uns mittendrin und spüren gleichzeitig die Gefahr, in die sich Peter begibt.

Für Webb und Vanderbilt sind diese Actionelemente, so perfekt sie auch arrangiert sein mögen, allenfalls eine Zugabe. Ihr Interesse gilt dem Schüler Peter Parker und seiner Identitätssuche. Zu dieser gehört neben den ganz normalen Sorgen eines Teenagers auch die erste große Liebe. Shooting-Star Emma Stone spielt Peters High School-Schwarm Stacy. Der Vergleich zu Kirsten Dunsts Rolle liegt auf der Hand und ist doch schon bald nebensächlich. So wie sich Andrew Garfield an keiner Tobey-Maguire-Kopie versucht – sein Peter ist deutlich unangepasster, frecher und eigensinniger –, so gelingt es Stone, sich vom Vorbild der MJ zu lösen. Ohnehin nahm man Maguire und Dunst nie so ganz ihr Verliebtsein ab. Stone und Garfield harmonieren da schon weitaus besser. Sie sind ein gegensätzliches Paar, dem man gerne bei ihren Aufs und Abs zusieht. 

Eine neue Sicht auf das Superhelden-Thema

„The Amazing Spider-Man“ ist weder ein Remake des Raimi-Films, noch liefert er eine fundamental neue Sicht auf das Superhelden-Thema. Webb und Vanderbilt arrangieren vielmehr bekannte mit neuen Elementen. Ihr Spider-Man bleibt stets eigenständig und doch dem Geist der millionenfach gelesenen Comics treu. Im direkten Vergleich zur Raimis Trilogie ist dieser „Spider-Man“-Film weniger weinerlich und sentimental, was gut ist. Garfield interpretiert die Figur darüber hinaus mehr als einen rebellischen Teenager denn als den freundlichen Nerd mit geheimer Identität. Das passt zur erwachseneren, düsteren Stimmung der Neuauflage, die sich nicht über ihre Action sondern über das Seelenleben ihres jugendlichen Helden definiert.

Wer am Ende nicht gleich aus dem Kino flüchtet, wird mit einem Hinweis auf Spider-Mans nächsten Gegner belohnt. Das Abenteuer geht weiter, die Vorfreude steigt.

Bildergalerie: The Amazing Spiderman
"The Amazing Spiderman" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 


 

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