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Film der Woche

Starbuck

Von Marcus Wessel

Mit Anfang 40 wird David zu seiner Überraschung Vater. Und das nicht bloß einmal sondern gleich in 533 Fällen. Die komplizierten und höchst amüsanten Folgen eines lange zurückliegenden Nebenjobs als zuverlässiger Samenspender holen den sorglosen Slacker reichlich unvorbereitet ein. Die rundum gelungene Independent-Komödie ist ein echter Glücksfall und der Geheimtipp dieses Sommers.

David Wozniaks (Patrick Huard) Leben verläuft nicht unbedingt in geregelten Bahnen. Die Beziehung zu seiner von ihm schwangeren Freundin Valerie (Julie LeBreton) war zuletzt weniger ein Auf als ein Ab, seine Arbeit im Familienbetrieb bereitet ihm wenig Freude und zu allem Überfluss schuldet er dubiosen Leuten eine Menge Geld, das er ausgerechnet mit dem Anbau von Marihuana wieder einzunehmen versucht. Valerie ist schließlich fest entschlossen, sich von David zu trennen, glaubt sie doch nicht, dass er ein guter und vor allem verantwortungsvoller Vater sein kann.

Die besten Szenen aus Starbuck in unserem Cine Channel 

Ihre Befürchtung wird auf eine recht bizarre Weise schon bald Realität. Als ein schmieriger Anwalt in Davids Wohnung auftaucht und ihm erklärt, dass aus seinem einstigen Nebenjob als Samenspender 533 Kinder entstanden sind, glaubt dieser zuerst an einen schlechten Scherz. Ein Fehler der Klinik, die stets nur seine gespendeten Spermien verwendete, führt nun dazu, dass sich Davids Verwandtschaft schlagartig vergrößert. 142 seiner Sprösslinge haben inzwischen eine Sammelklage eingereicht, um die wahre Identität ihres bislang nur unter dem Pseudonym „Starbuck“ bekannten Vaters zu erfahren. Nun soll ausgerechnet sein bester Freund (Antoine Bertrand), ein chronisch erfolgloser Anwalt, ihn aus der misslichen Lage befreien.

Bildergalerie: Starbuck

Auch David ist ein Loser wie er im Buche steht und wie man ihn in den Slacker-Komödien eines Judd Apatow zuhauf antrifft. Zwar ist „Starbuck“ kein Apatow-Stück, der raue, liebenswerte Charme des Films ähnelt bisweilen jedoch sehr dessen Komödien. Im Unterschied zu Publikumserfolgen wie „Beim ersten Mal“ vertraut die kanadische Independent-Produktion aber weniger auf derbe Zoten als auf eine über weite Strecken recht wirkungsvolle Mischung aus leichten Pointen mit den Zutaten eines etwas anderen, aus der Norm gefallenen Familiendramas. Vieles ist hier nämlich gleichermaßen komisch wie tragisch. Dabei leisten sich die beiden Autoren Ken Scott und Martin Petit insbesondere zum Ende hin so manche Sentimentalität, die man aber weder ihnen noch ihrem Film wirklich übel nimmt. Ohnehin bestehen an einem positiven Ausgang von Davids multipler Vaterschaft nie die geringsten Zweifel.

„Starbuck“ folgt damit der Logik und Dramaturgie eines echten Feel-Good-Movies, bei dem bekanntlich der Weg das Ziel ist. Auf dieser Reise begleiten wir David nur zu gerne, immerhin ist er bei – oder wegen – aller Erfolglosigkeit ein ziemlich netter Kerl, der das Herz erkennbar am rechten Fleck trägt. Patrick Huard als Idealbesetzung für die Rolle zu bezeichnen, scheint maßlos untertrieben. Er spielt nicht nur, er lebt Davids Dilemma, seine Ängste, Zweifel und auch seine Freude, wenn er zunächst noch inkognito dem plötzlichen Nachwuchs begegnet. Diese ersten schüchternen Momente der Kontaktaufnahme rühren dann auch mehr als das etwas zu forcierte Happy End, dem man deutlich anmerkt, wie es den Zuschauer gefangen nehmen soll.

Es sind überhaupt die kleinen, stillen Beobachtungen, aus denen der Film seine Anziehungskraft und Emotionalität entwickelt. Davids besonderes Verhältnis zu seinem eigenen Vater, der seinerzeit mit nicht mehr als 10 Dollar in der Tasche die polnische Heimat verließ, oder sein stolzer, glückserfüllter Blick, als er zum ersten Mal eines seiner Kinder trifft, zählen zu den großen Momenten dieses kleinen Films mit Gute-Laune-Garantie. Letztere erinnert außerdem sehr an die Wirkungsweise des französischen Überraschungserfolgs „Ziemlich beste Freunde“. Vielleicht gelingt „Starbuck“ ja ein ähnliches Kunststück in etwas kleinerem Maßstab. Im Gegensatz zu der zeitgleich startenden Schwangerschaftsklamotte „Was passiert, wenn’s passiert ist“, die außer ihrer Hollywood-Prominenz nichts zu bieten hat, besitzt der kanadische Festival-Hit eine Vater-Geschichte zum Mitfühlen, Mitleiden und Mitlachen.

Bildergalerie: Starbuck

"Starbuck" in den Kölner Kinos

Die besten Szenen aus Starbuck in unserem Cine Channel 
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.

 

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