Film der Woche

Silver Linings

Von Marcus Wessel

Nach einem Zusammenbruch, einer gescheiterten Ehe und der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, kehrt ein ehemaliger High-School-Lehrer aus der Psychiatrie in den Kreis seiner Familie zurück. David O. Russell inszenierte mit Bradley Cooper und Shooting-Star Jennifer Lawrence ("Die Tribute von Panem") eine ungewöhnlich tiefsinnige und dabei sehr witzige romantische Komödie.

Im Leben von High-School-Lehrer Pat (Bradley Cooper) dominierten zuletzt nicht unbedingt die schönen Momente. Nachdem er seine Frau Nikki (Brea Bee) in flagranti mit einem Arbeitskollegen unter Dusche erwischte, fällt er in ein tiefes Loch, aus dem er sich ohne fremde Hilfe nicht mehr befreien kann. Die Ärzte diagnostizieren bei ihm nicht nur einen mentalen Zusammenbruch, Pat leidet auch an einer bipolaren Persönlichkeitsstörung. Er zwingt sich fortan, eine positivere Einstellung zum Leben und dem, was ihm widerfährt, zu entwickeln. Als er schließlich nach acht Monaten aus der Therapie entlassen wird, kehrt er zu seinen Eltern und Freunden in einen beschaulichen Vorort von Philadelphia zurück. Sein ebenfalls recht impulsiver Vater (Robert De Niro), ein Football-Fan mit Leib und Seele, versucht, zu seinem einzigen Kind allmählich wieder eine engere Beziehung aufzubauen. Das ist jedoch leichter gesagt als getan.

Silver Linings in den Kölner Kinos

Vor allem aber glaubt Pat, seine große Liebe Nikki doch noch eines Tages zurückerobern zu können. Weil sie ihm jeden direkten Kontakt gerichtlich untersagen ließ, spannt er seine neue Bekannte Tiffany (Jennifer Lawrence) in sein zugegeben wenig aussichtsreiches Vorhaben ein. Aber Tiffany, die selbst manisch-depressiv und mit Anfang 20 bereits Witwe ist, lässt sich von Pats Ideen nicht so leicht überzeugen. Vielmehr schlägt sie ihm einen durchaus ungewöhnlichen Deal vor. Wenn sie Nikki seine Briefe überbringt, muss Pat als ihr Tanzpartner bei einem für sie überaus bedeutsamen Amateurturnier antreten. Ohne lange über die Konsequenzen nachzudenken, willigt der Verlassene in das Vorhaben ein.

 

Man ahnt recht schnell, auf welche Reise uns David O. Russell mitnehmen möchte. Wie schon in seinem Debüt "Flirting with Disaster" steht auch dieses Mal eine nicht ganz normale Familie im Zentrum der mit viel Wortwitz erzählten Geschichte, wobei das allenfalls die halbe Wahrheit ist. Hinter der oftmals amüsanten Familiensituation verbirgt "Silver Linings" ein einfühlsames Charakter- und Beziehungsportrait. Ohne Scheu verknüpft Russell dabei komische mit tragischen Momenten, von denen letztere jedoch keineswegs den durchaus lebensbejahenden Grundton seines Films in Frage stellen. Die Qualitäten, die sich hier im Arrangement einzelner Szenen immer wieder zeigen – man denke nur an die turbulente Hinführung an eine sehr besondere Wette, die praktisch das Finale einläutet –, lassen hingegen die meisten, oftmals sehr generischen Familien- und Liebeskomödien aus Hollywood vermissen.

Die Figuren spiegeln diese Ambivalenz wider. Pat, so wie Bradley Cooper ihn spielt, ist nicht der typische Protagonist einer Romantic Comedy. Dafür plagen ihn zu viele Ängste und schmerzhafte Erinnerungen. Seine Erkrankung, gegen die er fortwährend mit Optimismus und manchmal auch Naivität ankämpft, verbindet Pat mit Tiffany, die ihre eigenen Dämonen zu bändigen sucht. Dass sie sich ihm zunächst als "crazy slut with a dead husband" (als "verrückte Schlampe mit einem toten Ehemann") vorstellt, ist mehr als nur ein gelungener Gag des Drehbuchs. Alles was Pat und Tiffany sagen, was sie laut und manchmal auch sehr leise aussprechen, was sie tun und was sie lassen, das alles hat bei Russell Gewicht ohne jemals bedenkenträgerisch oder bedeutungsschwer zu wirken. Wenn man diese Rollen dazu noch mit Schauspielern besetzt, die miteinander so wie Cooper und Lawrence harmonieren, dann ist einem der Erfolg kaum mehr zu nehmen. Natürlich weiß auch Russell, dass gerade bei einer Komödie mit romantischem Einschlag vieles auf die Chemie zwischen dem auf Umwegen verliebten Paar ankommt.

Die offizielle Homepage zum Film

Mit einem mutigen Auftritt voller emotionaler Auf und Abs lässt Bradley Cooper sein altes Sunnyboy-Image aus "Hangover" endgültig hinter sich. Er ist als Schauspieler erkennbar gereift, hat sich weiterentwickelt. Gleiches müsste man über Jennifer Lawrence sagen, wäre der Shooting-Star aus "Winter’s Bone" und "Die Tribute von Panem" nicht gerade einmal 22 Jahre jung. Ihre manisch-depressive Tiffany wirbelt wie eine Naturgewalt durch den Film, dem man bestenfalls seine Vorhersehbarkeit vorwerfen kann. Vielleicht wollte Russell aber auch nicht gleich alle Regeln des Genres brechen. Ein bisschen Verlässlichkeit tut schließlich nicht nur Pat und Tiffany gelegentlich gut. Allen Robert De Niro-Fans sei zuletzt noch versichert, dass ihr Idol hier endlich wieder zu ganz großer Form aufläuft.

Silver Linings in den Kölner Kinos
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
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Filmkritik zu Silver Linings
Nach einem Zusammenbruch, einer gescheiterten Ehe und der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, kehrt ein ehemaliger High-School-Lehrer aus der Psychiatrie in den Kreis seiner Familie zurück. David O. Russell inszenierte mit Bradley Cooper und Shooting-Star Jennifer Lawrence eine ungewöhnlich tiefsinnige und dabei sehr witzige romantische Komödie.
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