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Film der Woche

Sherlock Holmes

Um Guy Ritchie war es nach mehreren Flops und dem Rückzug aus der Yellow Press zuletzt merklich ruhiger geworden. Umso mehr erstaunt es, welch erfolgreiches Comeback der Brite dank eines ungleich berühmteren Briten nun feiern darf. Die Neuauflage von Sir Arthur Conan Doyles Detektivlegende „Sherlock Holmes“ katapultiert Ritchie zurück in die erste Regie-Garde Hollywoods.

"Sherlock Holmes" in unserem CineChannel

Auch Guy Ritchie ist mit ihm groß geworden. Mit den Geschichten um Londons Meisterschnüffler aus der Baker Street: Sherlock Holmes. An seiner Seite immer mit dabei Holmes’ loyale, rechte Hand Dr. John Watson. Obwohl die Schaffenszeit ihres Erfinders Sir Arthur Conan Doyle inzwischen mehr als einhundert Jahre zurückliegt, ist der Einfluss seiner Detektiv-Storys noch heute nicht nur im Krimi-Genre allgegenwärtig. Unzählige moderne Ermittlerfiguren sind auf die eine oder andere Weise dem passionierten Pfeifenraucher nachempfunden, was ihn zu einem Teil unserer Popkultur macht.

Ritchies Idee war es, dieser Legende mit modernen filmischen Mitteln zu Leibe zu rücken und ihn hierüber für eine neue Generation von Kinogängern wieder interessant zu machen. Das sicherlich ambitionierte Vorhaben schien mit Ritchie den richtigen Filmemacher gefunden zu haben. Denn egal was man an seinen früheren Werken auch bemängeln mag, auf eine schicke Verpackung und eine hübsch anzusehende Oberfläche legte der Brite stets großen Wert.

Dass die Wahl des Hauptdarstellers ausgerechnet auf Robert Downey jr., also einen Amerikaner, fiel, erzürnte zwar einige Holmes-Puristen, deren Meinung dürfte letztlich jedoch nicht maßgeblich sein, zumal man ihm mit Jude Law den britischsten aller aktuellen Hollywood-Stars an die Seite stellte.

Der Schauplatz ist derselbe wie bei Doyle. London in den 1890er Jahren. Eine Serie brutaler Ritualmorde erschüttert die Stadt an der Themse. Im letzten Moment können Holmes und Watson ein weiteres Opfer aus der Gewalt des Mörders befreien und den Fall, so scheint es, lösen. Der exzentrische Lord Blackwood (Mark Strong) wird für seine Verbrechen inhaftiert, verurteilt und schließlich zum Tode verurteilt. Doch die Ruhe währt nur kurz.

Auf einmal kursieren Augenzeugenberichte, wonach Blackwood seinem Grab entstiegen sein soll. Und tatsächlich scheint der Tod dem adeligen Psychopathen nichts anhaben zu können. Für Holmes und Watson beginnt der Fall damit von vorne. Im Zuge ihrer Ermittlungen treffen sie schon bald auf einen mächtigen Geheimbund, schwarze Magie und eine überaus verführerische Femme fatale (Rachel McAdams), die unserem Meisterdetektiv gehörig den Kopf verdreht.

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Bis hierhin klingt alles nach einem typischen Fall für den Mann aus der Baker Street. Dabei unterscheidet sich Ritchies Neuinterpretation erheblich von früheren Verfilmungen. Das gemütliche, oftmals gemächliche Tempo der alten Sherlock-Holmes-Umsetzungen tauschte er zugunsten einer Hollywood-erprobten Action-Dramaturgie aus. Holmes ist hier nicht nur das intellektuelle Genie, bei Ritchie mutiert der zerebrale Handwerker gleichsam zur Actionfigur, zum Hasardeur, und Draufgänger, der sich auch schon mal in „Fight-Club“-Manier mit harten Jungs prügelt und dem sein loyaler Adjutant Watson mehr als einmal zur Hilfe eilen muss.

Die Gleichberechtigung von Hirn und Hand macht aus „Sherlock Holmes“ endgültig einen Jungsfilm, bei dem die Frauenfiguren bestenfalls als hübsche Staffage eingesetzt werden. Sowohl Rachel McAdams Rolle als auch die ihrer Filmpartnerin Kelly Reilly, die Watsons Herzdame verkörpert, bleiben recht unausgearbeitet, was den Eindruck erweckt, sie seien letztlich überflüssig.

Ohnehin gelingt es dem Film immer dann zu unterhalten, wenn er sich ganz auf sein ungleiches Ermittlerduo einlässt. Das verbale, stets neckische Kräftemessen zwischen Holmes und Watson versöhnt mit einer aus Freimaurer-Mystik und Magier-Filmen wie „The Prestige“ zusammengeklauten Geschichte, die weitgehend sinnfrei auf ihren Showdown zusteuert und sich dabei mitunter in schönen Bildern verliert.

Für Ritchie, den Verpackungskünstler, bot das viktorianische London die perfekte Spielwiese und so zieht sein Film zumindest optisch sämtliche Register. Dynamische Kamerafahrten durch die engen Straßen der Stadt sorgen von Beginn an für ein echtes „Mittendrin-statt-nur-dabei“-Gefühl, das dank des großzügigen Einsatzes von CGI kaum Wünsche offen lässt.

Lediglich die Künstlichkeit mancher Bilder kann – wenn man sie nicht als Ritchies Stilwillen akzeptiert – einen etwas schalen Nachgeschmack entfalten. Dafür hämmert Hans Zimmers Score umso gewaltiger. Seine Musik fungiert als Pulsschlag und Taktgeber, wenn Holmes etwas zu beseelt vom eigenen Ego Londons High Society herausfordert.

Das Gespann Robert Downey jr. und Jude Law versucht erst gar nicht, den Vorstellungen und Bilder der alten Sherlock-Holmes-Adaptionen zu entsprechen. Sie erarbeiten sich passend zur Philosophie des Guy Ritchie einen neuen, frischen Zugang zu zwei Ikonen der Kriminalliteratur. Vor allem Laws Part überrascht.

Statt Watson als bloßen Zuarbeiter und Laufburschen zu verkaufen, tritt er in dieser Verfilmung fast schon als gleichberechtigter Partner auf. „Sherlock Holmes“, der in allein in den USA bislang an die 200 Mio. Dollar eingespielt hat und dessen Fortsetzung dem offenen Ende nach zu urteilen längst in Planung sein dürfte, verlegt die gute alte Buddy-Komödie in das Zeitalter von Jack the Ripper und Queen Viktoria. Wem das nicht reicht, wird sich womöglich langweilen.

Action, USA 2009
Regie: Guy Ritchie
Darsteller: Jude Law, Robert Downey Jr., Rachel McAdams
128 Min.
Ab 12 Jahren

"Sherlock Holmes" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"Sherlock Holmes" in den Kölner Kinos

"Sherlock Holmest" in Bonner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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