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Film der Woche

Sex and the City 2

Stilikone Carrie Bradshaw alias Sarah Jessica Parker und ihre nicht minder stilsicheren Freundinnen verlassen im zweiten „Sex in the City“-Kinofilm den Big Apple für einen Trip in ein Märchen aus 1001er-Nacht. Offenbar wurden New Yorks hippe Orte in der Serie längst totgefilmt.

"Sex and the City 2" in unserem CineChannel

Schuhe, Shopping und der schöne Schein. In der Welt von Carrie (Sarah Jessica Parker), Miranda (Cynthia Nixon), Charlotte (Kristin Davis) und Samantha (Kim Cattrall) wurde stets großen Wert auf Äußerlichkeiten, sprich auf die Verpackung gelegt, was zunächst der Serie und später dann auch dem ersten Kinofilm den Ruf einbrachte, oberflächlich und recht belanglos zu sein.

Nun ist an diesem meist als Vorwurf verstandenem Urteil sicherlich mehr als ein Funken Wahrheit dran, das ganze Gerede über die angesagtesten Labels und die neuesten Manolo-Blahnik-Stilettos lenkte aber bisweilen nur ungenügend davon ab, dass sich auch im „Sex and the City“-Universum letztlich wieder einmal alles um die Suche nach Mr. Right drehte. Damit bediente das Format trotz seines vermeintlich emanzipatorischen Anstrichs ähnliche Bedürfnisse wie die meisten kreuzbraven Hollywood-Romanzen.

Heute werden zudem wohl die wenigsten Zuschauer noch erröten, wenn vier Damen am Mittagstisch über sexuelle Vorlieben und den Mann als Lustobjekt debattieren. Damit hat sich „SatC“ praktisch selbst überflüssig gemacht, weshalb die Frage erlaubt sein darf, was uns ein weiterer „SatC“-Ausflug in Spielfilmlänge Neues zu erzählen hat. Kam im ersten Kinofilm endlich das zusammen, was augenscheinlich zusammengehört – Carrie und ihr „Big“ (Chris Noth) gaben sich nach unzähligen Irrungen und Wirrungen das Ja-Wort –, so soll dieses Mal der Ehealltag mit seiner nicht selten gefährlichen Routine im Mittelpunkt stehen.

Die Probleme für Carrie und Big fangen mit – kein Scherz – einem neuen TV-Gerät an, das die abendliche Romantik im ehelichen Schlafzimmer zu zerstören droht. Aber erst der Vorschlag, zwei Tage in der Woche als eine Art „Kurzurlaub“ vom Partner und Eheleben einzurichten, an denen jeder mit seinen Freunden etwas unternimmt, lässt Carrie wieder an der eigenen Beziehung zweifeln. Dabei verkauft sie die Idee gegenüber Samantha, Charlotte und Miranda anfangs als das alternative, nicht Mainstream-kompatible Eheverständnis zweier selbstbewusster Partner.

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Noch bevor das Zwei-Tage-Experiment jedoch in die Tat umgesetzt werden kann, fliegen Carrie und ihre Freundinnen für einen gesponserten Kurzurlaub in die Vereinigten Arabischen Emirate. In Abu Dhabi erleben sie den Zauber einer verschwenderischen Fantasie aus 1001er-Nacht. Man fliegt selbstverständlich auf Einladung des Scheichs, der seine Gäste mit vier Maybachs vom Flughafen abholen und in ein Sieben-Sterne-Hotel einquartieren lässt. Mit diesem eskapistischen Ausflug ins Morgenland gelingt dem Film eine nochmalige Steigerung seines vom Vorgänger und der Serie bereits gewohnten Dekadenzüberschusses.

Gegenüber den luxuriösen Suiten erscheinen selbst die teuren Appartements mit Blick auf den Central Park plötzlich irgendwie gewöhnlich. Spätestens hier kippt der Film mit seiner offensiven Zurschaustellung eines bestimmten Lifestyles in eine kaum mehr ernstzunehmende Farce. So albern wie manche der sündhaft teuren Designerfummel aussehen, so albern und nichtssagend ist auch das, was uns Regisseur und Autor Michael Patrick King ausgebreitet auf 140 Minuten als Geschichte anzubieten hat.

Verbirgt sich hinter der Orient-Episode bereits das Eingeständnis, Manhattans schönste Orte in den letzten rund zehn Jahren totgefilmt und als Kulisse genutzt zu haben, verliert der Film durch diese Flucht auch einen wesentlichen Teil seines großstädtischen Lokalkolorits. „Sex and the City“ ohne „The City“ will nicht so recht funktionieren.

Hinzu kommt, dass es auch um den Sex nicht allzu gut bestellt ist. Sogar Libidogöttin Samantha verspürt beim Anblick eines Dutzend durchtrainierter Männerkörper zeitweilig kein Verlangen mehr. Ohne Vitaminpillen und Hormone ist die Lust auf dem Rückzug, was die Hersteller solcher Präparate als Botschaft nur zu gerne hören dürften. Dafür wird mehr gekuschelt, vorausgesetzt, der Fernseher, der Job oder das neue, attraktive Kindermädchen sind einmal nicht im Weg. Dieses Leben zwischen Champagner-Empfängen, Boutique-Sightseeing und einer beinahe pathologischen Oberflächenfixierung bietet kaum etwas, von dem ein Reiz über die bloße Hülle hinaus ausginge.

Im Actionfach wird so etwas gerne als „Style over Substance“ umschrieben. Film wie Serie ähneln einem Potemkinschen Dorf, das bei näherer Betrachtung in sich zusammenfällt. Nicht nur, dass die Macher ihren Figuren ein biederes, weil viel zu langweiliges Ende aufbürden, das sämtliche Konflikte einfach beiseite wischt, dieser „SatC“ ist in seinen Mann-Frau-Beobachtungen bestenfalls auf Mario-Barth-Niveau unterwegs. Da rennen die Damen dann wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner durch Abu Dhabi, in Panik um ihre Handtaschen, den Rückflug und die strengen Moralvorstellungen des Gastlandes. Wo ist Alice Schwarzer, wenn man sie mal braucht?

Komödie, USA 2010
Regie: Michael Patrick King
Darsteller: Sarah Jessica Parker, Cynthia Nixon, Kim Catrall, Kristin Davis
146 Minuten
Ab 12 Jahren

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"Sex and the City 2" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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