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Film der Woche

Salt

Zu Beginn ihrer Karriere legte CIA-Agentin Evelyn Salt einen Eid auf ihre Ehre und ihr Vaterland ab. Sie wird jedoch von einem Überläufer beschuldigt, eine russische Schläferin zu sein. Um einer Verhaftung zu entgehen, das Leben ihres Mannes zu schützen muss Salt sich voll und ganz auf ihre Fähigkeiten und ihre Erfahrung als verdeckte Ermittlerin verlassen.

Von Marcus Wessel

Hollywood zelebriert das Revival des Kalten Krieges. Wenn sich Angelina Jolie als mutmaßliche Doppelagentin mit ihren Verfolgern ein kompromissloses Katz-und-Maus-Spiel liefert, werden alte Feindbilder genüsslich reaktiviert. Das Konzept hinter „Salt“ erscheint dabei überdeutlich an die erfolgreiche „Bourne“-Reihe angelehnt.

Manchmal holt die Realität selbst die wundersamsten Drehbucheinfälle ein. So geschehen im Fall des Spionage-Reißers „Salt“. Erst im Juli kam es zwischen den USA und Russland zum größten Agentenaustausch seit dem Ende des Kalten Krieges. Die neuen, selbsternannten Freunde scheinen sich in Wahrheit noch immer nicht zu vertrauen – allen großen Gesten der Gemeinsamkeit zum Trotz. Es ist dieses Klima eines nebulösen Misstrauens, das auch in „Salt“ von Beginn an spürbar ist. Dabei beginnt der Film dort, wo man heute schon eher den großen Schurken vermuten würde: In Nordkorea.

Evelyn Salt muss sich in nordkoreanischer Gefangenschaft allerlei sadistischen Folterspielchen erwehren. Sie ist gezwungen, Benzin zu schlucken und die Schläge der Wärter zu ertragen. Dass sie letztlich im Austausch gegen einen anderen Agenten freikommt, hat sie dem Einsatz ihres Ehemanns (August Diehl in einer Nebenrolle) zu verdanken. Normalerweise, so erfahren wir später, lassen sich die USA nicht zu einem solchen Deal überreden. Lieber opfern sie das Leben eines Agenten.

Es vergehen einige Jahre, in denen Salt zurück in der Heimat ihre Arbeit zur vollsten Zufriedenheit ihres Vorgesetzten Ted Winter (Liev Schreiber) ausführt. Als einer der besten Verhörspezialisten des Geheimdienstes wird sie hinzugezogen, als plötzlich ein russischer Überläufer (Daniel Olbrychski) mit brisanten Informationen bei den Amerikanern auftaucht. Er berichtet von einem geplanten, unmittelbar bevorstehenden Attentat auf den Präsidenten mit dessen Ausführung angeblich ein russischer Doppelagent beauftragt wurde. Der Name des Maulwurfs: Evelyn Salt. Von diesem Moment an beginnt für alle Beteiligten ein rasantes, temporeiches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem Salt in die Rolle der Maus und ganz Langley in die Rolle der Katze schlüpft.

Mit List und Geschick macht die taffe Agentin das weg, was ihr an Manpower und logistischer Unterstützung fehlt. Das Ergebnis ähnelt bisweilen einer weiblichen MacGyver-Kopie auf der Flucht. Wie sie immer wieder ihren Verfolgern entkommt und bei ihren Hakenschlägen den mächtigen CIA-Apparat ganz schön alt aussehen lässt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Ansonsten gibt sich der Film jede Mühe, erwachsen, ernst und möglichst humorlos zu wirken, wobei dieser Vorsatz nicht immer überzeugend aufgeht. Vor allem Salts spätere Metamorphose zur eiskalten Kampfmaschine mangelt es an Glaubwürdigkeit und passt eher zu Jolies früheren Auftritten als Killerqueen Lara Croft.

Das über weite Strecken angenehm sinnfreie Gerenne und Gekloppe, bei dem der stilistische Einfluss der so erfolgreichen „Bourne“-Reihe unverkennbar ist, stellt sich zum martialischen Finale im Präsidentenbunker allerdings selbst ein Bein. Auf einmal wird Evelyns Schicksal zur Vorlage für ein aufgeblasenes Endzeitszenario, das mit der Brechstange sogar die Nachwehen vom 11. September zu beschwören versucht. Plötzlich spielt der Film mit der im Westen tief verwurzelten Angst vor einem Aufstand der islamischen Welt, was grundsätzlich legitim ist, in diesem Fall jedoch nicht zum Rest der ganz auf Salt und Jolie zugeschnittenen Geschichte passen will. Das Star-Gen der weiblichen Brangelina-Hälfte ist dann auch der größte Trumpf, den Regisseur Phillip Noyce – seit „Die Stunde der Patrioten“ und „Das Kartell“ hinlänglich erfahren mit CIA-Interna – in den Händen hält. Für ihre Gage legt sich die Mittdreißigerin ordentlich ins Zeug. Ihr Körper ist hier vor allem Material, das schwitzt, blutet, leidet.

Den naheliegenden Vergleich zu den Filmen des „Bourne“-Universums kann „Salt“ nichtsdestoweniger nur verlieren. Wo das Gespann Greengrass/Damon das Informationsdefizit ihres Helden immer wieder für eine weitere Enthüllung zu nutzen wusste, kommen die Überraschungen hier fast schon mit Ansage daher. Ein Plottwist ohne Twist ist jedoch nicht mehr als ein überflüssiges Gimmick. Zudem lässt es „Salt“ wie einen Möchtegern-Suspense-Vertreter erscheinen, der mehr vorgibt als er tatsächlich einlösen kann. Das offene Ende ist im Vergleich dazu kein echter Aufreger. Die Geschichte schreit praktisch nach einer Fortsetzung, deren Umsetzung angesichts der bisher soliden Einspielergebnisse recht wahrscheinlich ist. Auftrag ausgeführt, Mrs. Jolie! (Szenenfotos: 2010 Sony Pictures Releasing GmbH)

Bildergalerie: "Salt"
Offizielle Homepage
"Salt" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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