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Film der Woche

Russendisko

Die Russen Wladimir, Mischa und Andrej immigrieren nach Deutschland, um ihr Glück zu machen. Sie kommen nach Ostberlin, im Gepäck nicht mehr als Musik und Träume. Andrej träumt von großem Reichtum, Mischa von einer Karriere als Musiker, nur Wladimir weiß nicht, was er will. Und er trifft Olga, die schönste Frau, die er jemals gesehen hat.

Von Marcus Wessel

Verfilmungen von populärer Gegenwartsliteratur sind meist sichere Publikumserfolge – noch dazu wenn sie wie in diesem Fall so prominent besetzt sind. Das „Friendship!“-Duo Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke feiert in der Kinoadaption von Wladimir Kaminers „Russendisko“ seine Wiedervereinigung. Aus der episodenhaften Vorlage wurde eine unterhaltsame Geschichte über Freundschaft und Freiheitsliebe.

Die besten Szenen aus "Russendisko" in unserem CineChannel 

Berlin im Sommer 1990. Es ist nicht nur die Zeit der Fußball-Weltmeisterschaft, die Menschen erfahren zugleich eine ungemein spannende Phase des Umbruchs, die ihre einst geteilte Stadt nachhaltig verändern wird. Seit dem Fall der Mauer leben die Ostdeutschen in einem System-Vakuum, irgendwo zwischen gescheitertem Sozialismus und der verheißungsvollen Aussicht auf die vermeintlichen Errungenschaften des Kapitalismus. Die DDR ist Geschichte und mit ihr die Lügen des selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaates.

Bildergalerie: Russendisko

Von diesem Neuanfang einer Stadt, eines Landes und seiner Menschen werden auch die jungen Russen Wladimir (Matthias Schweighöfer), Mischa (Friedrich Mücke) und Andrej (Christian Friedel) angelockt. Sie wollen die Plattenbauten ihrer Heimatstadt Moskau endlich hinter sich lassen und im Westen ihr Glück versuchen. Als Russen mit jüdischen Wurzeln erhalten Wladimir und Andrej von den DDR-Behörden eine unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung. Nur Mischa, der keine jüdischen Vorfahren angeben kann, muss sich mit einem dreimonatigen Touristenvisum zufrieden geben. Doch dieser Schönheitsfehler kann der Begeisterung der Drei nicht wirklich etwas anhaben. Zu verlockend ist das Unbekannte, was sie in Berlin an jeder Ecke erwartet. Die drei Freunde genießen es, endlich frei zu sein. Während Mischa von einer Musikkarriere träumt, zeigt sich schon bald Andrejs Geschäftssinn. Und Wladimir? Der hat sich Hals über Kopf in die russische Tänzerin Olga (Peri Baumeister) verliebt.

Kreative Anarchie geht verloren

Mit seinen Erlebnissen und zum Teil skurrilen Anekdoten aus der Wendezeit gelang Wladimir Kaminer ein überraschender Bestseller, der sich bislang über 1,3 Millionen Mal verkaufte. Es ist ein größtenteils autobiografischer Stoff, ausgeschmückt mit vielen Beobachtungen dieses einzigartigen Abschnitts deutscher und europäischer Geschichte. Überall in Berlin entstanden seinerzeit neue Clubs, spontane Zusammenkünfte und unorganisierte Künstlerprojekte. Von dieser kreativen Anarchie ist in der nun vorliegenden Verfilmung leider nicht mehr viel zu spüren. Vielleicht weil sich auch das echte Berlin in den letzten zwei Jahrzehnten grundlegend verändert hat. Aus einem Mangel an geeigneten Schauplätzen fühlen sich Kaminers verfilmte Berlin-Erfahrungen nicht selten wie die Betrachtung einer bloßen Studiokulisse an. Wer heute beispielsweise durch den ehemaligen Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg spaziert, wird den ursprünglichen Charme dieses Viertels nur noch in wenigen Strassen finden.

Da Berlin als Hauptdarsteller somit ausfällt, müssen Schweighöfer und seine Schauspielkollegen in die Bresche springen. Tatsächlich liegen die Stärken von „Russendisko“ dort, wo man es zunächst nicht unbedingt vermuten würde. Schließlich war Schweighöfers letzter Auftritt in Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ ziemlich ernüchternd. Ohne Perücke und High Heels kann der zum neuen Superstar des deutschen Kinos ausgerufene Schweighöfer aber seinen Sunnyboy-Charme wieder vollends ausspielen. Sein Spaß ist ansteckend, zumal mit Friedrich Mücke und Christian Friedel zwei ebenso spielfreudige Kollegen an seiner Seite agieren. Das Trio macht aus „Russendisko“ einen unbekümmerten, manchmal auch albernen Jungsfilm, der mit jeder Menge Wendenostalgie auf sein offensichtliches Happy End hinarbeitet. Selbst zwei (unglückliche) Romanzen stehen dem hier mit Verve propagierten Glücks- und Freiheitsgefühl nur kurzzeitig entgegen.

Apropos Freiheit. Es ist diese Sehnsucht, die in den Wendetagen besonders spürbar war und die in „Russendisko“ als das Lebensgefühl einer jungen Generation immer wieder betont wird. Zusammen mit der Freundschaft von Wladimir, Andrej und Mischa dient sie der Geschichte als roter Faden. Autor und Regisseur Oliver Ziegenbalg krempelte Kaminers episodenhaften Bestseller letztlich zu einer flotten, aber auch etwas biederen Großstadtkomödie um. Anders als seine Protagonisten geht er damit kein Risiko ein. Die Kombination aus bekannten Namen und einer ebenso populären Vorlage deutet auf einen sicheren Publikumserfolg.

Die besten Szenen aus "Russendisko" in unserem CineChannel
Bildergalerie: Russendisko
"Russendisko" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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