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Film der Woche

Rubbeldiekatz

Komödien-Allzweckwaffe Matthias Schweighöfer scheint immer deutlicher die Nachfolge Til Schweigers antreten zu wollen. Dazu hilft es, in gefälligen Geschichten und unter vollem Körpereinsatz das eigene Sunnyboy-Image zu pflegen. Auch eine Karriere in Frauenklamotten kann in diesem Fall den erhofften Erfolg einbringen.

Von Marcus Wessel  

Die Geschichte vom Mann, der sich in seiner Verzweiflung in Frauenkleidern schmeißt, hat einen ziemlich langen Bart. So unterschiedliche Schauspieler wie Heinz Rühmann, Tony Curtis und Robin Williams wagten in ihren Filmen bereits erfolgreich den Rollen- und Geschlechterwechsel. Dabei war das Resultat beide Male ziemlich harmlos und – aus Sicht der Beteiligten viel wichtiger – sehr erfolgreich. Ganz offenbar mag das Publikum den Transvestiten-wider-Willen. Insofern ist das Kalkül, einen der hierzulande derzeit beliebtesten Darsteller in Rock und Bluse zu stecken, zumindest unter betriebswirtschaftlichen Aspekten eigentlich ein todsicheres Ding. Detlev Buck, der sich Deutschlands neuen Kino-Superstar Matthias Schweighöfer für seinen Film „Rubbeldiekatz“ schnappte, dürfte es gerne hören.

"Rubbeldiekatz" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "Rubbeldiekatz" in unserem CineChannel

Dumm nur, dass der Titel schon das Originellste an der gesamten Geschichte ist. Ansonsten galt augenscheinlich die Devise: Nur kein Risiko eingehen. Buck und seine Co-Autorin Anika Decker strickten um Sunnyboy Schweighöfer eine komplett überraschungs- und herzfreie Love Story, bei der zwei Menschen über Umwegen ihr Glück finden. Die Zwei, das sind der motivierte, bislang aber noch etwas glücklose Theaterschauspieler Alexander (Schweighöfer) und das Starlet Sarah Voss (Alexandra Maria Lara). L.A. trifft Kreuzberg. Es sind zwei Welten und doch verstehen sich die beiden auf Anhieb. Es folgt eine ereignisreiche Nacht und eine ebenso schnelle Trennung am nächsten Morgen. Seit dieser trauert Alex seiner Sarah hinterher.

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Bis dahin ist die Handlung sogar noch halbwegs plausibel. Was folgt, ist eine unentschlossene, überdrehte und erstaunlich flache Variante des „Armer Junge liebt reiches Mädchen“-Themas, angereichert mit satirischen und selbstreflexiven Kommentaren auf das Filmgeschäft. Wem das noch nicht reicht, für den gibt es Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten. Die trägt Alex nämlich, weil er für einen Hollywood-Film als Nazi-Gattin gecastet wurde. Weder die als übertrieben dümmlich portraitierte Ami-Filmcrew mit ihrem cholerischen Möchtegern-Regisseur (Joachim Meyerhoff) noch Alex’ Filmpartnerin Sarah merken, dass Alexandra eigentlich Alexander ist. Für den ist jeder Tag, an dem er sich hinter Schminke verstecken muss, eine Qual. Denn sein Herz will nur zu Sarah.

Um diese verhinderte Romanze bauten Buck und Decker skurrile, gnadenlos überdrehte Situationen und Typen. Knallchargen wie der mit Max Giermann (Switch) fehlbesetzte, von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Hitler-Darsteller oder Alex’ nervige (Ex-)Freundin Meike (Susanne Bormann) plappern viel ohne dabei jemals was zu sagen. Die Geschwätzigkeit von „Rubbeldiekatz“ verliert sich früher oder später in blutleeren Pointen und dem typischen Einheitsbrei deutscher Komödien.

Hierzu gehören auch kleine Gastrollen von TV-„Prominenz“ wie Klass Heuer-Umlauf und Palina Rojinski. Til Schweiger hat es in seinen Komödienerfolgen vorgemacht. Wirklich irritierend ist aber, dass ein gestandener Filmemacher wie Detlev Buck ihm nun auf diesem Irrweg folgt. Müßig zu erwähnen, dass der Film rein gar nichts zur Gender-Diskussion beizutragen hat.

Überhaupt ist Bucks typische Handschrift, das Kauzige und Kantige, aus diesem Film verschwunden. Gegenüber dem bezaubernden, komischen wie berührenden „Same same but different“ lässt sich der Qualitätsabfall auch objektiv kaum leugnen. Sogar Bucks eigene Rolle, er spielt Alex’ älteren Bruder und Manager Jürgen, bringt keinen Witz und Esprit in die Geschichte ein. Stattdessen bekommen wir einen verklemmten, komplett unglaubwürdigen Mann-in-Frauenklamotten-Klamauk vorgesetzt. Denn auch wenn Matthias Schweighöfer in Rock und High Heels eine erstaunlich gute Figur macht, so ist doch nicht zu übersehen, dass hier ein Mann in Frauenkleidern steckt. Richtig peinlich wird es, als der Film glaubt, das auf den reinen Verwertungserfolg fixierte US-Kino kritisieren zu können. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen.

"Rubbeldiekatz" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Die besten Szenen aus "Rubbeldiekatz" in unserem CineChannel
Bildergalerie: Die besten Szenen aus "Rubbeldiekatz"

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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