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Film der Woche

Rock of Ages

Von Marcus Wessel

Lange Haare, Lederoutfits, Schulterpolster, Stadion-Rock. Die Kino-Adaption des gleichnamigen Broadway-Hits setzt ganz auf das , bekannte Melodien und große Namen. An der Seite der beiden Nachwuchsstars Julianne Hough – bekannt aus dem Musical „Burlesque“ – und Diego Boneta laufen alte Hasen wie Alec Baldwin und Tom Cruise zur Höchstform auf.

Hollywood ist ein ganz besonderes Fleckchen Erde. Dort, wo Illusionen und Träume praktisch am Fließband produziert werden, suchen immer wieder junge Menschen nach dem Glück. Sie kommen von überall, meist nur mit der vagen Hoffnung im Gepäck, eines Tages entdeckt zu werden und ihren Traum als Rock- oder Filmstar endlich leben zu dürfen. So geht es auch Sherrie (Julianne Hough), die ihrem alten Leben in Tulsa, Oklahoma mit dem Einstieg in den Bus am liebsten Lebewohl sagen möchte. Auf dem Sunset-Strip angekommen wird sie jedoch zunächst einmal ihrer geliebten Plattensammlung beraubt. Es wäre kein guter Start, gäbe es da nicht den jungen Nachwuchsrocker Drew (Diego Boneta), der ihr sogleich einen Job im „Bourbon“, einem fast schon legendären Rockschuppen, besorgt. Drews eigensinnigen Chef (Alec Baldwin) plagen derweil ganz andere Probleme. Steuerschulden und die ultrakonservative Frau des Bürgermeisters (Catherine Zeta-Jones) sitzen dem Altrocker im Nacken. Es scheint, als seien die Tage des „Bourbon“ endgültig gezählt.

Bildergalerie: Rock of Ages

Auch die Kinofassung des Broadway-Musical „Rock of Ages“ spielt mit gesellschaftlichen Gegensätzen und unterschiedlichen Weltanschauungen. Hier tritt das gottesfürchtige, scheinbar saubere Amerika gegen die von Konservativen so verhasste Freizügigkeit und Anarchie der Westküste und des guten, alten Rock’n’Roll an. Letzterer ist nicht ohne Sex & Drugs vorstellbar, was den bigotten Tugendwächtern förmlich die Zornesröte ins Gesicht treibt. Wenngleich das Ganze in den 80ern spielt – einer Zeit, in der gefälliger, familienkompatibler Stadionrock das Schmuddel-Image der Branche zunehmend ablöste –, so lässt sich der Film doch auch als aktuelles Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft deuten. Nach acht Jahren George W. Bush und vier Jahren Barack Obama sind die Fronten zwischen beiden politischen Lagern erkennbar verhärtet.

Dabei macht „Rock of Ages“ keinen Hehl daraus, wem seine Sympathien gehören. Schon die Besetzung des alten Rock’n’Rollers mit Alec Baldwin – eines bei Konservativen besonders verhassten Vertreters des Hollywood-Lifestyles – ist ein ziemlich eindeutiges Statement. Baldwin hat sichtlich Freude an seiner Rolle, die es ihm nicht nur erlaubt, in exaltiertes Overacting auszubrechen, sondern sogar leidenschaftlich und wunderbar unperfekt alte und neue Rocksongs anzustimmen. Ein homoerotisches, augenzwinkerndes Duett mit seinem Filmpartner Russell Brand bleibt hierbei in besonderer Erinnerung.

Die besten Szenen aus "Rock og Ages" in unserem CineChannel    

Neben Baldwin und einer ebenso furios aufspielenden Catherine Zeta-Jones gehört die „Rock of Ages“-Bühne eindeutig Tom Cruise. Wie schon in „Tropic Thunder“ liefert der umstrittene Hollywood-Star ein denkwürdiges Schauspiel von allergrößter Komik und Selbstironie ab. Als permanent zugedröhnter, sexbesessener Rocker Stacee Jaxx schmeißt er die Show praktisch im Alleingang. Seine Figur, die mit ihrer Langhaarfrisur, den schwarz lackierten Fingernägeln und Tattoos auf geniale Weise an die Rockgrößen der 80er erinnert, fegt alles und jeden hinweg. Absolutes Highlight ist das zusammen mit Malin Akerman zu Trockensexübungen intonierte „I wanna know what love is“. Alles was danach kommt, hat gegen diesen absurd-hinreißenden Auftritt keine Chance mehr.

Das gilt insbesondere für die beiden Nachwuchstalente Julianne Hough und Diego Boneta. Da können beide noch so fröhlich in die Kamera lächeln. Ihr Castingshow-Charme verfängt nicht, er nervt. An ihnen scheint nichts echt, was ihre Liebesromanze ebenso künstlich und falsch erscheinen lässt. Ohnehin bietet „Rock of Ages“ nur in Ansätzen so etwas wie eine tragfähige Geschichte. Der von Musical-Fachmann Adam Shankman („Hairspray“) inszenierte Film funktioniert vielmehr als in seinem Unterhaltungswert durchaus stark schwankendes Rockkonzert. Manche Nummern – vor allem die bekannten und besonders schaurigen – sorgen für die nötige Stimmung und Nostalgie. Hinzu kommen Schulterpolster, Föhnfrisuren und Steinzeit-Handys. Als Liebeserklärung an den schlechten Geschmack ist das Ergebnis dann aber ziemlich überzeugend.

Die besten Szenen aus "Rock of Ages" in unserem CineChannel
Bildergalerie: Rock of Ages
"Rock of Ages" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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