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Film der Woche

Robin Hood

Er ist eine Legende, dessen Leben bereits unzählige Male verfilmt wurde: Robin Hood. Der selbstlose Kämpfer wird nicht erst seit Kevin Costners Auftritt zu den Klängen des Schmachtrockers Bryan Adams gnadenlos romantisiert. Ridley Scott geht es in seiner Annäherung an den Mythos weniger um Herzschmerz als um die Geschichte hinter der Geschichte.

"Robin Hood" in unserem CineChannel

Zunächst stellt sich die Frage, ob das Kino überhaupt eine weitere Robin-Hood-Lobpreisung benötigt. Denn eigentlich ist der Mann aus dem Sherwood Forest in den vergangenen acht Jahrzehnten längst tot gefilmt worden. Das fängt an bei einer Stummfilmfassung und geht über die weltberühmte Version mit Errol Flynn („König der Vagabunden“), einer Disney-Zeichentrickserie, in der sinnigerweise ein Fuchs in die Rolle des Titelhelden schlüpfte, und endete bei der Kuschelweich-Variante mit Kevin Costner („König der Diebe“).

Für Ridley Scott waren dann auch die sozial romantisierten Abenteuer des Meister-Bogenschützen nur sekundär von Interesse. Ihm ging es vielmehr darum, die Vorgeschichte zu liefern, das zu erzählen, was Hollywood bislang ausgespart hatte. Konsequenterweise hört sein Film da auf, wo die meisten anderen Produktionen ihre Geschichte erst begannen. Wenn Robin Hood (Russell Crowe) mit seinen Getreuen schließlich durch den Sherwood Forest zieht, fest entschlossen, den Kampf mit dem Sheriff von Nottingham aufzunehmen, dann lässt in diesem „Robin Hood“ der Abspann nicht mehr lange auf sich warten.

In den gut 130 Minuten zuvor schilderte Scott mit einer nicht immer überzeugenden Erzählhaltung wie ein gewisser Robin Longstride zu dem Mann wurde, der mehr als Mythos, denn als Mensch die Jahrhunderte überlebte. Als Bogenschütze in der Armee des nicht minder berühmten Richard Löwenherz (Danny Huston) nimmt er an den blutigen Kreuzzügen im heiligen Land teil. Auch den Weg zurück in die Heimat rauben sich die königlichen Truppen rücksichtslos frei. Bei einer Schlacht im Norden Frankreichs stirbt Löwenherz und Robin ergreift die Chance, dem Chaos zu entfliehen.

Wieder in England gibt er sich als der Sohn von Sir Walter Loxley (Max von Sydow) aus. Er reist nach Nottingham, wo er das Schicksal der verarmten, von Korruption und Hunger gebeutelten Bevölkerung hautnah miterlebt. Es ist zugleich das erste Mal, das er seinem späteren Erzfeind, dem gerissenen Sheriff von Nottingham (Matthew Macfayden), begegnet. Und er trifft auf die starke, entschlossene Witwe Lady Marion (Cate Blanchett), deren Mut und Tapferkeit er bewundert.

Die Ereignisse in und um Nottingham sind für Ridley Scott aber nur die mikroskopische Zuspitzung für das, was sich in viel größeren Dimensionen zeitgleich im englischen Königshaus zusammenbraut. Nach dem Tode Richard Löwenherz besteigt dessen Bruder, der mutlose, unerfahrene Johann (Oscar Isaac), den Thron. Schon nach kurzer Zeit sieht dieser sich mit einer schier gewaltigen Herausforderung konfrontiert. Eine vom französischen König Philipp II. angezettelte Verschwörung soll ihn schwächen und zeitgleich die geplante Invasion Englands vorbereiten.

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In dieser schweren Stunde erweist sich Robin Longstride als freiheitsliebender Patriot und unerschrockener Kämpfer. „Rise and Rise Again“ lautet sein Credo, mit dem er in die Schlacht gegen die Franzosen zieht. Scotts „Robin Hood“ ist folgerichtig mehr „Braveheart“, als dass er mit Costners Version abseits des Personals viel gemein hätte. Die Liebesgeschichte drängt Scott auf ein Minimum zurück. Viel mehr als Blicke dürfen Robin und Lady Marion nicht austauschen. Dafür wird umso mehr gekämpft, gestorben und gelitten. Bohrte sich der Pfeil bei Costner in einer bis heute spektakulären Filmsequenz lediglich in einen Baumstamm, so folgt die Kamera im neuen „Hood“ dem Geschoss bis zum Einschlag in die Halsschlagader des verhassten Verräters (Mark Strong).

Scott, der sich von einem Science-Fiction-Filmer in den letzten zehn Jahren immer mehr zu einem Geschichtschronisten wandelte, ist hier ganz in seinem Element. Die aufwändigen, historischen Sets setzen er und Kameramann John Mathieson durchaus eindrucksvoll in Szene, wobei auffällt, dass bei aller Nähe und Direktheit die Duelle Mann gegen Mann ohne sichtbares Blutvergießen ablaufen. Nur das Meer färbt sich am Ende rot, was den Verdacht nahelegt, dass der niedrige Blutzoll einer möglichst familienfreundlichen Altersfreigabe geschuldet ist.

Gerade die finale Schlacht am Strand nimmt in ihrer Dimension beinahe monumentale Ausmaße an. Bei der Ankunft der französischen Truppen muss man zwangsläufig an „Der Soldat James Ryan“ denken, dessen erste Viertelstunde in den Kanon großer Kinomomente längst aufgenommen wurde. Ganz so kompromisslos geht Scott dann allerdings nicht zu Werke, wobei auch seine Bebilderung der Wasser-zu-Land-Invasion Beklemmung und Herzklopfen hervorruft.

Sein Weggefährte Russell Crowe zeigt nicht nur in diesen Szenen einmal mehr vollen Körpereinsatz. Die Rolle des furchtlosen Kämpfers ist dem Australier seit „Gladiator“ ohnehin nicht mehr zu nehmen. Unrasiert kämpft sein Robin Longstride jeden Gegner nieder. Ansonsten bietet dieser „Robin Hood“ das übliche Best-of vergleichbarer Historienepen. Große Ansprachen, noch größere Gesten, jede Menge Pathos, wohl dosierte Lagerfeuerromantik und ein immer leicht museales Mittelalter-Bild. Allzu aufregend oder gar innovativ ist das nicht. Scott klaut bei sich („Königreich der Himmel“, „Gladiator“) und anderen.

Sogar die Kritik am christlichen Kreuzzug wird neu aufgekocht und mit einer Anklage der sozialen Missstände – die durchaus auch auf die heutige Zeit gemünzt ist – vermengt. Im Ergebnis schleppt sich der Film bis zu seinem dann wieder mitreißenden Finale recht spannungsarm dahin. Interessanter als die eigentliche Geschichte ist da schon Scotts Bild der blaublütigen Elite. Frankreichs Philipp II. wird in einer Szene als Austern schlürfernder Intrigant, sein Gegenspieler Johann, der neue König von England, als ängstlicher Jammerlappen karikiert. Aus dieser Darstellung spricht ein tiefes Misstrauen gegen ein offenkundig desolates Führungspersonal und ein feines Gespür für den von Wirtschaftskrisen und Beinahe-Staatsbankrotten beeinflussten Zeitgeist.

Action/Abenteuer, USA 2010
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Russell Crowe, Cate Blanchett, Max von Sydow
148 Min.

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Offizielle Homepage
"Robin Hood" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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