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Film der Woche

Public Enemies

Nach fast neun Jahren Haft dürstet es John Dillinger nach dem prallen Leben: Nach seiner Entlassung im Mai 1933 organisiert er Banküberfälle und genießt Alkohol, Geld und Frauen. In Zeiten der großen Depression wird Dillinger mehr und mehr zum Helden, weil er die Banken bluten lässt. Doch die wollen ihn am liebsten tot sehen...

Von Marcus Wessel

Robin Hood nahm es bekanntlich von den Reichen und gab es den Armen. John Dillinger, Amerikas Staatsfeind Nr. 1 zur Zeiten der großen Depression, galt vielen Menschen als dessen Reinkarnation.

Er und seine Gang raubten Banken in Serie aus, um die Beute - im Gegensatz zum Gerechtigkeitsfanatiker aus dem Sherwood Forest - anschließend für sich zu behalten. Doch das tat Dillingers Popularität keinen Abbruch. Schließlich sahen viele in den Banken verhasste Blutsauger, die an der Entstehung der Weltwirtschaftskrise maßgeblich beteiligt waren.

Die besten Szenen aus "Public Enemies" in unserem CineChannel

Angesichts der aktuellen Rezession, deren Auslöser im Zusammenbruch des amerikanischen Häusermarktes zu suchen ist, erscheint das Szenario von Public Enemies plötzlich brandaktuell. Wieder werden die Banken für die Krise verantwortlich gemacht und wieder sehnen sich nicht wenige nach einem modernen Robin Hood. Auch wenn Regisseur Michael Mann bei der Planung zu seinem jüngsten Projekt das Ausmaß der jetzigen Krise wohl kaum vorhergesehen haben dürfte, wird er gegen den aufgezeigten Gegenwartsbezug als kostenlose Marketing-Idee vermutlich nichts einzuwenden haben.

Mann, der für seine kompromisslosen Crime-Dramen wie Heat und Miami Vice bekannt ist, bleibt auch in Public Enemies sich, seinen Themen und seinem Image als „Männer-Filmer" treu. Die Geschichte des John Dillinger (Johnny Depp) ist zu Ein-Hundert-Prozent schweißtreibendes Testosteron-Kino. Hier wird vor allem geschossen, geblutet und gestorben. Selbst Dillingers Liebesbeziehung zu der Sängerin Billie Frechette (Marion Cotillard) muss sich letztlich dem blutigen Geschäft des etwas anderen amerikanischen Volkshelden unterordnen.

Kein Film, schon gar nicht einer von Michael Mann, wäre jedoch ohne den gleichsam zu allem entschlossenen Gegenspieler komplett. In Heat forderte Al Pacino seinen Freund und Kollegen Robert De Niro zu einem an Intensität kaum zu überbietenden Duell heraus. Diese Aufgabe fällt nun Christian Bale zu.

Als FBI-Agent Melvin Purvis ist er Dillinger und seiner Bande stets dicht auf den Fersen. Während Purvis an der Front kämpft, versucht ein gewisser J. Edgar Hoover (Billy Crudup) die Jagd zum Aufbau einer polizeilichen Bundesbehörde zu nutzen. Dazu erklärt er Dillinger medienwirksam zum „Public Enemy No.1".

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Obwohl uns Public Enemies mit seiner detailreichen Ausstattung unter immensen Aufwand in die Zeit der großen Depression zurückkatapultiert, fällt der Blick zunächst nicht auf die stilsicheren Kulissen oder Sets. Es ist vielmehr die Optik, das „wie" und nicht das „was", das irritiert und unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. Wie schon bei Miami Vice und Collateral vertraut Mann erneut auf hochauflösende Digicams.

Die flexiblen Handkameras erlauben eine mit herkömmlicher Technik nicht herstellbare Tiefenschärfe und Genauigkeit. Für einen allzu eitlen Schauspieler muss es ein Albtraum sein, wenn der Zuschauer auf einmal jede Kontur und Falte in seinem Gesicht erkennt. Doch auf solche Befindlichkeiten nimmt Mann keine Rücksicht. Für ihn zählt nur das Ergebnis. Und das erscheint nach einer kurzen Eingewöhnungsphase geradezu revolutionär. Vor allem während der zahlreichen Nachtaufnahmen gelingt es der HD-Technik, ihre Stärken bei Kontrast und Lichtempfindlichkeit voll auszuspielen.

Der lange Zeit ungleiche Kampf zwischen Dillinger und Purvis, bei dem letzterer mehr als nur einmal eine unglückliche Figur abgibt, färbte auch auf die beiden Hauptdarsteller ab. Während Johnny Depp selbst in den Szenen, in denen er nicht auftritt, stets präsent ist, tritt Christian Bales rastloser FBI-Agent als Mann ohne Eigenschaften auf. Zu keiner Zeit hat man das Gefühl, er könne Depp auf Augenhöhe begegnen. Bis zuletzt bleibt Dillingers Gegenspieler ein konturloses Phantom in Nadelstreifen. Schwer greifbar und bieder.

Es fällt auf, dass Mann auf eine klassische Exposition verzichtet. Statt zu Beginn die Akteure und ihre Motive kurz anzureißen, zieht er es vor, über den recht actionlastigen Plot ein Psychogramm von Jäger und Gejagten zu erstellen. Auf den ersten Gefängnisausbruch von Dillinger folgt umgehend der nächste Bankraub, auf das kurze Gefühl des Triumphs schon mit der nächsten Szene die unausweichliche Flucht. Es ist der alte Wettstreit vom Hasen und Igel, den Mann hier erzählt, verpackt in ein opulentes, äußerst bleihaltiges Period Piece.

Die eher lose, intuitive Erzählweise, die es mit der historischen Wahrheit - nebenbei bemerkt - nicht immer so genau nimmt, sprengt gezielt den Rahmen eines konventionellen Thrillers. Immer wieder entstehen gerade dadurch spannende und gleichzeitig flüchtige Momente. Als sich die Schlinge schließlich um Dillingers Hals zuzieht, wird aus Public Enemies endgültig eine Tragödie mit beachtlicher Fallhöhe, in der rückblickend nicht das Geld, sondern die Liebe den Fortgang der Dinge bestimmte.

Krimi/Thriller USA 2009
Regie: Michael Mann
Darsteller: Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard
140 Min.

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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