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Film der Woche

Prince of Persia

Wem es gelingt, aus einer Disney-Park-Attraktion einen unterhaltsamen Action-Blockbuster zu stricken, dem sollte dasselbe auch mit einem populären Computerspiel gelingen. Erfolgs-Produzent Jerry Bruckheimer fährt auch in "Prince of Persia" die ganz großen Geschütze auf. Nur erweisen sich diese nicht immer als zielgenau.

"Prince of Persia" in unserem CineChannel

Längst beschränkt sich Hollywood bei der Suche nach neuen Geschichten nicht mehr auf die originäre Fantasie seiner Drehbuchautoren oder die Zugkraft eines literarischen Beststellers. Computer- und Videospiele sind spätestens seit "Lara Croft" eine ebenso beliebte Inspirationsquelle. Das bereits Ende der 1980er Jahre entwickelte Jump’n’Run-Spiel "Prince of Persia" gehört ebenso wie die schießwütige Lara nach Meinung vieler Gamer in den elitären Olymp der Pixel-Klassiker.

Seit seiner Erstveröffentlichung diente die Story um den edlen, dabei seltsamerweise stets namenlosen Prinzen unzähligen Fortsetzungen sowie Klonen als Vorbild. Dass den royalen Abenteuern aus 1001er-Nacht nun der Sprung vom heimischen Monitor auf die große Kinoleinwand gelang, ist Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer ("Fluch der Karibik", "The Rock") zu verdanken. Mit den für ihn typischen Insignien des Spektakels soll aus dem Kultspiel ein möglichst profitabler Box-Office-Hit werden.

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Die vom britischen Regisseur Mike Newell in diesem Fall zu verantwortende Ausführung der Bruckheim’schen Erfolgsformel hat dann auch alles, was man gemeinhin von einem sommerlichen Hollywood-Blockbuster erwartet: Rasante Action, schöne Darsteller, Witz, ein Schuss Romantik und ein monumentales Panorama, das den Zuschauer in nahezu jeder Einstellung erschlägt. Nur an der Story hapert es. Die ist nämlich nicht nur schnell umrissen, sondern auch mit allerlei Fantasy-Hokuspokus und albernen Erklärungen ausgeschmückt.

Der in den Spielen noch namenlose Prinz hört hier auf den Namen Dastan (Jake Gyllenhaal). Er ist ein echter Draufgänger und Frauenheld, dabei aber immer ehrlich, loyal und reinen Herzens. Anders als bei seinen beiden Brüdern, Prinz Tus (Richard Coyle) und Prinz Garsiv (Toby Kebbell), fließt jedoch kein blaues Blut durch Dastans Adern. Noch als kleiner Junge wurde er, der zunächst ohne Eltern aufwuchs, vom weisen König Sharaman (Ronald Pickup) adoptiert.

Für Dastan soll sich mit dem Tag, an dem er und die Armee seines Ziehvaters die legendäre Stadt Alamut einnehmen, sein gesamtes Leben ändern. So begegnet er dort nicht nur zum ersten Mal der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), wenig später stirbt König Sharaman bei einem feigen Giftattentat, für das man zunächst Dastan verantwortlich gibt. Ihm bleibt keine andere Wahl. Er muss fliehen, will er der Intrige im Königspalast entkommen und gleichzeitig den wahren Mörder finden.

Dastans Flucht ist nur der Auftakt zu einer bildgewaltigen Odyssee durch malerische Oasen, menschenleere Wüsten, gefährliche Schluchten und prunkvolle Paläste, bei dem sich der Prinz und die Prinzessin allmählich näher kommen dürfen. An Action spart der Film dabei nicht. Das Tempo ist konstant hoch, wobei auch die mit hübschen CGI-Effekten ausgekleidete Rastlosigkeit nicht ganz über das magere Story-Gerüst hinwegtäuschen kann. Man muss ohnehin einiges an guten Willen aufbringen, um die Pfade der Geschichte mit ihren Anleihen an alte Aladdin-Erzählungen nicht als kompletten Nonsens zu verdammen.

Ein magischer Dolch, mit dem es möglich sein soll, in der Zeit zurück zu reisen, dient hier als Aufhänger für einen wilden Ritt durch ein synthetisch nach Hollywood-Vorstellungen aufgebautes Morgenland. Die passende Themen-Achterbahn ist sicher schon in Arbeit. So wirr die Handlung bis zum finalen Effekt-Overkill auch voranschreitet respektive vorangaloppiert – bei den Reitsequenzen macht "Prince of Persia" sogar Ridley Scotts "Robin Hood"-Neuinterpretation mächtig Konkurrenz –, Bruckheimers strenge Aufsicht gewährleistet immerhin, dass dieser orientalische "Die Mumie"-Verschnitt nie zu einem leidenschaftslosen Langweiler verkommt.

Immer gibt es was zu sehen und zu entdecken, wobei insbesondere eine verführerische Gemma Arterton und ein Sixpack-gestählter Jake Gyllenhaal für das nötige Eyecandy sorgen. Letzterer turnt mit einer geradezu halsbrecherischen Leichtigkeit durch den aufgebauten Wüsten-Parcours, ganz so, als wolle er sich als Hollywoods künftiger Action-Star empfehlen und zugleich seinen Abschied vom Charakterfach mit zahllosen Salti zelebrieren. Bei Bruckheimer wird erwartungsgemäß nicht gekleckert sondern geklotzt. Und das in jeder Szene. Die Ausstattung der Paläste gleicht einem Traum in Gold und auch sonst kennt der Produzenten-Titan keine falsche Bescheidenheit.

Dass die opulente Schnitzeljagd bei all dem Krach zu keiner Zeit ernsthaft den Versuch unternimmt, ihre Figuren über das rein Offensichtliche und Naheliegende zu ergründen – jeder Charakter ist letztlich dünner als ein Blatt Papier –, gehört zu den weniger erfreulichen „Begleiterscheinungen“ eines Bruckheimer-Films. Hier macht noch einer Popcorn-Kino, das sich selbst genügt und den Glanz der eigenen Oberfläche ohne jede Bescheidenheit zelebriert.

Action/Abenteuer, USA 2010
Regie: Mike Newell
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Sir Ben Kingsley, Gemma Arterton
116 Min.
Ab 12 Jahren

"Prince of Persia" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"Prince of Persia" in den Kölner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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