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Film der Woche

Ponyo

Von Marcus Wessel

Es ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, die Anime-Legende Hayao Miyazaki in seiner Version von Hans Christian Andersens Märchen „Die kleine Meerjungfrau“ erzählt. Das Schicksal bringt darin ein verzaubertes Goldfischmädchen und einen kleinen Jungen zusammen.

Bildergalerie: "Ponyo"

Kindheitserinnerungen sind für die meisten von uns untrennbar mit den Märchen verbunden, die uns unsere Eltern, Großeltern oder Geschwister vorlasen und in deren zauberhafte Welten wir in unserer Fantasie immer wieder, oft Nacht für Nacht zurückreisten. Vieles konnte uns noch in Staunen versetzen, vieles begeistern, von dem wir heute womöglich kaum mehr Notiz nehmen. Die Welt mit Kinderaugen sehen, genau das ist es, was die Filme des japanischen Trickfilm-Großmeisters Hayao Miyazaki und des von ihm gegründeten Studio Ghibli auszeichnet.

Der Oscar-Preisträger entwirft seit nunmehr fast vier Jahrzehnten faszinierende Welten, in denen die Grenzen zwischen Realität, Traum, asiatischem Götterglauben und klassischem Märchen kunstvoll miteinander verschmelzen. In „Chihiros Reise ins Zauberland“, Miyazakis vielleicht bekanntester Arbeit, deutet bereits der Titel auf den anschließenden fantastischen Trip in ein fremdes Universum hin. Als Weltenbauer und aufmerksamer Beobachter kindlicher Befindlichkeiten schätzen Filmfreunde aus aller Welt Miyazakis kreatives Geschick.

"Ponyo" in den Kölner Kinos

Es ist daher vor allem seiner immensen Popularität auch hierzulande zu verdanken, dass ein zauberhafter Film wie „Ponyo“ letztlich doch seine verdiente Kinoauswertung erhält. Nachdem Bernd Eichingers Verleih Constantin die Geschichte um das verzauberte Goldfischmädchen ursprünglich bereits Anfang 2009 in die Kinos bringen wollte, sah es zwischenzeitlich so aus, als würde „Ponyo“ in Deutschland lediglich auf DVD erscheinen. Diese Option ist Gott sei Dank vom Tisch. Universum Film besaß den Mut, mit dem Kauf der Rechte die Möglichkeit einer Kinoauswertung wiederzubeleben.

Zweifellos sind Miyazakis farbenfrohe Bilder mit ihren unzähligen Details für die große Leinwand wie geschaffen. Die allesamt noch handgezeichneten Animationen heben sich in ihrem naiv-unschuldigen Look wohltuend vom Diktat der Computertechnik und des gerenderten Zeitgeistes ab. In „Ponyo“, der einer modernisierten Version von Hans Christian Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ entspricht, passt Miyazakis unverwechselbarer Zeichenstil besonders gut zu der bewusst kindlich gehaltenen Geschichte.

Darin entwickelt sich zwischen dem fünfjährigen Sosuke und dem von ihm auf den Namen Ponyo getauften Goldfischmädchen eine innige, ganz besondere Freundschaft. Gefangen in einem Marmeladenglas entdeckt der Junge das kleine Geschöpf, als er gerade sein Spielzeugboot ins Meer lassen will. Er nimmt Ponyo bei sich auf, woraufhin seine neue Freundin ihre Gestalt ändert und sich in ein Menschenkind verwandelt. Sosuke ahnt in diesem Moment noch nicht, dass Ponyos Metamorphose die unbändigen Kräfte des Meeres entfesselt hat. Ihr Vater, der zornige Unterwasserzauberer Fujimoto (gesprochen von Christian Tramitz), wird fortan alles daran setzen, das Goldfischmädchen zu sich zurück zu holen.

Natürlich ist Miyazakis Film zunächst einmal als ein Angebot an die jüngsten Kinogänger zu verstehen. Das heißt aber noch nicht, dass nicht auch (jung gebliebene) Erwachsene Gefallen an „Ponyo“ finden können. Vorausgesetzt sie sind bereit, sich auf die charmante, in ihrer Ausgestaltung jederzeit kindgerechte Erzählung wirklich einzulassen. Belohnt werden sie mit dem für Miyazaki so charakteristischen Blick auf unsere Welt, in der eine friedliche Koexistenz von Mensch und Natur nicht länger eine bloße Utopie ist. Sosuke und seine Mutter verstehen, dass ihr Handeln nicht ohne Konsequenzen bleibt. Miyazakis Plädoyer für einen respektvollen Umgang mit der Natur und all ihren Bewohnern ist dabei aufrichtig und – fast noch wichtiger – angenehm zurückhaltend formuliert.

Auch dieses Mal sollte es ihm gelingen, die Herzen des Publikums über die liebevoll gezeichneten Charaktere zu erobern. Kleine wie große Miyazaki-Fans erhalten darüber hinaus mit dem mutigen Sosuke respektive seiner fürsorglichen Mutter eine wohl durchdachte Identifikationsfigur, über die sie in die mit japanischen Mythen durchzogene Märchenwelt des Films eintauchen können. Der Meister selber betrachtet seinen Film als Antwort auf „das Leid und die Ungewissheit in unserer heutigen Zeit“. Wer dem kleinen Wirbelwind Ponyo einmal begegnet ist, der wird intuitiv verstehen, dass dieses Statement nicht zu hoch gegriffen ist. „Ponyo“ macht glücklich. Ganz sicher.

Bildergalerie: "Ponyo"
Offizielle Homepage
"Ponyo" in den Kölner Kinos


Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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