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Film der Woche

Nine

Spätestens seit "Moulin Rouge" und "Chicago" erlebt das Musical, dieses vielleicht künstlichste aller Filmgenres, eine Renaissance. Rob Marshall, der sich bereits für die Adaption des Oscar-Erfolgs von 2003 verantwortlich zeichnete, holt in "Nine" das Italien der 1960er Jahre in verführerischen Bildern auf die Kinoleinwand zurück. Wie schon das gleichnamige Broadway-Musical will sein Film vor allem als Hommage an Fellinis "8 ½" verstanden werden.

"Nine" in unserem CineChannel

Bei einem Autor spricht man gemeinhin von einer Schreibblockade, wenn das Blatt weiß und die Gedanken trotz höchster Anstrengung ungeordnet bleiben. Ganz ähnlich ergeht es Regisseur Guido Contini (Daniel Day-Lewis). In den 1960er Jahren gilt er als Meister seines Fachs.

Doch Contini durchlebt eine tiefe Schaffenskrise und das ausgerechnet während der Vorbereitungen zu seinem neuen, mit Spannung erwarteten Film "Italia". Die sich unaufhaltsam entwickelnde Regieblockade dringt bis in Continis Privatleben vor. Er ist hin- und hergerissen zwischen seiner ihn trotz aller Eskapaden liebenden Ehefrau Luisa (Marion Cotillard) und der verführerischen Carla (Penélope Cruz), seiner Geliebten.

Doch das sind nicht die einzigen Frauen in Continis Leben. Lilli (Judi Dench), die Kostümbildnerin seiner Filme, ist eine enge Freundin und von ihm sehr geschätzte Ratgeberin. Mit der Hollywood-Diva Claudia Jenssen (Nicole Kidman) verbindet ihn mehr als nur ein reines Arbeitsverhältnis und zu seiner verstorbenen Mutter (Sophia Loren) flüchtet er sich in seinen Erinnerungen und Träumen. Dort taucht immer wieder auch die verführerische Hure Saraghina (Stacy Ferguson) auf. Continis unerreichbare Jugendliebe weckte in ihm seinerzeit als erste Frau bis dahin unbekannte, leidenschaftliche Gefühle für das andere Geschlecht.

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Inmitten all dieser außergewöhnlichen Frauen, dieser Schönheiten und Musen, fällt es einem als Mann zugegeben nicht leicht, seine Sinne beisammen zu halten. Insofern erscheint Continis Verwirrung bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehbar.

Auch der Druck, der aus einer übersteigerten Erwartungshaltung resultiert und der Guido letztlich in eine kreative Krise stürzt, dürfte vielen vertraut vorkommen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich das Filmgeschäft kaum von anderen Industrien, in denen Leistung am Endprodukt gemessen wird.

Und dennoch ist "Nine", diese als Oscar-Hoffnung gestartete und in den USA äußerst reserviert aufgenommene Filmversion des Broadway-Musicals von Arthur Kopit und Maury Yeston, selbstredend auch eine eitle Nabelschau der Branche und als solche für nicht am Medium Film interessierte Zuschauer vermutlich ein Langweiler. Anders als noch bei "Chicago" nimmt die Story vom kreativen, selbstverliebten Regie-Exzentriker nie wirklich Fahrt auf.

Eher schon gleicht Rob Marshalls oftmals unterkühlter Film einer knapp zweistündigen Nummernrevue, die mit ihren pittoresken Bildern zwar mühelos das Herz jedes Italien-Liebhabers erobern dürfte, bei der man aber nie das Gefühl los wird, dass die Schauwerte vor allem eine inhaltliche Leere kaschieren sollen.

"Nine" stellt sein Personal wie Trophäen aus. Hier reiht sich Oscar-Preisträger an Oscar-Preisträger. Auf das kurze Tête-à-tête mit einer zum Vamp aufgestylten Penélope Cruz folgt die ebenso flüchtige Begegnung mit Frankreichs neuem Super-Star Marion Cotillard und die eigentlich wie immer grandiose Judi Dench wird von einer gewohnt distinguierten Nicole Kidman abgelöst. Jede dieser Diven erhält ein bis zwei Songs, von denen jedoch keiner wirklich in Erinnerung bleibt.

Zu sehr ähneln sich die einzelnen Stücke in Arrangement und Interpretation. Für ein Musical ist das eher ungewöhnlich und ein Hinweis darauf, warum „Nine“ beim amerikanischen Publikum durchfiel. Es fehlt zumeist an Schwung und Rhythmus. Allein das von "Black Eyed Peas"-Sängerin Fergie temperamentvoll vorgetragene „Be Italian“ hebt sich wohltuend von den übrigen Nummern ab.

Daniel Day-Lewis, ebenfalls (mehrfach) Oscar-dekoriert, vermeidet es glücklicherweise, Contini als platte Fellini-Kopie zu installieren. Trotz italienischem Akzent und intellektuellem Habitus bleibt seine Filmfigur eigenständig. Gleichwohl liegt der Vergleich mit dem Schöpfer von bis heute unvergessenen Werken wie "Das süße Leben" und "La Strada" auf der Hand. Marshall will seinen Film dann auch als Hommage – jedoch nicht als (Hollywood-)Remake – von Fellinis "8 ½" verstanden wissen. Damit steht er wiederum ganz in der Tradition des beliebten Broadway-Musicals, dem man eine vitalere, mitreißendere Umsetzung gewünscht hätte.

Musikfilm/Drama, USA 2009
Regie: Rob Marshall
Darsteller: Penélope Cruz, Nicole Kidman, Marion Cotillard
109 Min.

"Nine" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"Nine" in den Kölner Kinos

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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