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Film der Woche

Midnight in Paris

Von Marcus Wessel

Woody Allens Arbeitspensum ist mehr als außergewöhnlich. Jahr für Jahr dreht der wohl bekannteste Stadtneurotiker einen neuen Film. Nach zuletzt eher düsteren und mitunter recht zynischen Geschichten entführt uns sein jüngstes, bezaubernd leichtfüßiges Werk in die Stadt der Lichter und der Liebe. Seine ungemein verspielte Liebeserklärung an Paris bietet Wohlfühlkino und reichlich Nostalgie.

Die besten Szenen aus Midnight in Paris in unserem CineChannel

Schon die ersten Bilder lassen keine Zweifel aufkommen, dass wir uns in einem Woody-Allen-Film befinden. Untermalt von jazzigen Klängen eröffnet „Midnight in Paris“ mit typischen Postkarten-Impressionen der Seine-Metropole. Allen betätigt sich in knapp drei Minuten als Touristenführer, der die weltbekannten Ansichten der Stadt am liebsten im Schnelldurchlauf abhandeln möchte, nur um im weiteren Verlauf möglichst viel Zeit für seinen ganz persönlichen Blick auf Paris zu haben. Louvre, Montmatre, Pigalle, Triumphbogen, Champs-Élysées, Sacré Cœur, die Tuileries und natürlich der Eiffel-Turm, kein Wahrzeichen darf in dem kurzen „Best-of“ fehlen. Sogar an Boule spielende Franzosen hat Allen gedacht.

Es ist zugleich die Sicht eines Ausländers, genauer die eines amerikanischen Touristen, die der Film seiner eigentlichen Geschichte voranstellt. Da werden Klischees praktisch im Sekundentakt aneinandergereiht und gleichzeitig durchaus ironisch kommentiert. Als wir schließlich Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams kennenlernen – die nicht mehr ganz so frisch verliebten Eheleute-in-spe –, hat uns Allen mit seinen Paris-Ansichten bereits infiziert. Auch Gil, der nur zu gerne als ernsthafter Schriftsteller arbeiten und ernst genommen werden möchte, stattdessen aber Drehbücher für große, ziemlich anspruchslose Hollywood-Produktionen verfasst, ist Paris verfallen. Vor allem die dortige Kunstszene hat es ihm angetan, seitdem er einst als junger Mann die Stadt besuchte und sich Hals über Kopf in sie verliebte.

Bildergalerie: Midnight in Paris

Die Liebe und Leidenschaft zu seiner Verlobten Inez – dem typischen „All American Girl“ aus reichem und noch dazu schwer konservativem Elternhaus – ist hingegen merklich abgekühlt. Während sie ganz genau zu wissen scheint, wie sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte, befindet sich Gil noch auf der Suche. Eines Abends zieht es ihn alleine durch Paris. In den engen und verwinkelten Straßen scheint er den eigenen Wünschen allmählich näher zu kommen. Punkt Mitternacht geschieht dann etwas, was unmöglich wahr sein kann, was sich für Gil aber tatsächlich ziemlich wahr und real anfühlt. Eine alte Limousine fährt unseren zweifelnden Helden in die Zeit der „Goldenen Zwanziger“. In mehreren für ihn unvergesslichen Nächten lernt er so legendäre Künstler wie Cole Porter, Scott Fitzgerald, Ernest Hemingway, Salvador Dali und Pablo Picasso kennen – die Helden seiner Jugend.

Es deutet sich schnell an, dass der neue Woody Allen die geerdeten Pfade seiner letzten Filme missachtet und deren zum Teil beißenden Zynismus einfach links liegen lässt. „Midnight in Paris“ ist das exakte Gegenteil eines „Ich sehe den Mann Deiner Träume“ und des bitterbösen „Match Point“. Es ist ein modernes Märchen – natürlich nicht frei von mancherlei Bosheiten und Seitenhieben wie man sie von Allen kennt – an einem dafür wahrlich märchenhaften Ort. Die Zeitreise in die wunderbar fotografierten und ausgestatteten „Roaring Twenties“ und später sogar in die Ära der legendären Belle Epoque nutzt Allen geschickt für ein nach seinen Maßstäben ungewöhnlich lebensbejahendes Plädoyer zugunsten des Hier und Jetzt. Denn die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, so suggeriert es uns der frankophone Stadtneurotiker, entpuppt sich am Ende immer als ein erfolgloser Selbstbetrug, dem ein Prozess der Verdrängung vorausgeht.

Gil muss sich eingestehen, dass Inez vielleicht doch nicht die Liebe seines Lebens ist, und dass er sich von einer falschen Sicherheit hat blenden lassen. Aber auch wenn diese Erkenntnis bitter und deprimierend klingen mag, so ist der Film doch keines von beidem. Allen konzentriert sich auf die positiven Aspekte einer viel zu lange aufgeschobenen Veränderung. Er schenkt seinem liebenswerten Helden einen durchaus hoffnungsvollen Neubeginn ohne blind der langweiligen Dramaturgie gängiger romantischer Komödien zu folgen. Der märchenhafte, rundum optimistische Ton seines lebendigen, sehr französischen Intermezzo macht Lust auf Leben, die Liebe und auf Paris.

Bildergalerie: Midnight in Paris
Midnight in Paris in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus Midnight in Paris in unserem CineChannel
Offizielle Website zum Film

Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

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