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Film der Woche

Männertrip

Es darf gelacht werden: Ohne Angst vor derben Zoten und peinlichen Anzüglichkeiten setzt diese Komödie aus dem Apatow-Stall auf Gags im Minutentakt. Nicht alle zünden, aber das ist am Ende nur halb so schlimm. Denn man fühlt sich dank des blendend auf gelegten Ensembles auch so gut unterhalten.

Bildergalerie: "Männertrip"

Zu einem echten Rockstarleben gehören neben der Musik vor allem Sex und Drugs. Zumindest früher einmal. Heute sind die meisten Stars professioneller als ihre Manager. Sie achten auf sich, ihren Körper und ihre Gesundheit. Der britische Sänger Aldous Snow (Russell Brand), Frontmann der legendären Rock-Combo „Infant Sorrow“, bildet da keine Ausnahme. Leider klingt seine Musik ziemlich scheiße seitdem er weitgehend abstinent lebt. Die Folge ist ein gigantischer Flop, der Aldous zu der Erkenntnis bringt, dass es ohne Drogen und Alkohol einfach nicht geht.

Für seine Plattenfirma ist Aldous’ kommerzieller Sinkflug erst recht unschön, hat man in Zeiten illegaler Downloads ohnehin schon mit einbrechenden Verkaufszahlen zu kämpfen. Das alte Zugpferd Aldous Snow muss also dringend zurück auf die Erfolgsspur. Nur wie soll das gelingen? Aaron Green (Jonah Hill), ein junger Angestellte des Plattenlabels, hat da die rettende Idee: Aldous Snow soll zehn Jahre nach seinem legendären Auftritt im „Greek Theatre“ ein Jubiläumskonzert geben. Mit den TV-Rechten und dem Verkauf einer Live-CD/DVD könnte man noch einmal ordentlich an den alten Hits verdienen. Leider ist das leichter gesagt als getan. Erst einmal muss Aldous rechtzeitig aus London in L.A. eintreffen. Plattenboss Roma (Sean Combs) beauftragt ausgerechnet den unerfahrenen Aaron mit dieser heiklen Mission.

Die besten Szenen aus "Männertrip" in unserem CineChannel

Das Grundgerüst von „Männertrip“ – im Original „Get him to the Greek“ – ähnelt einer Road-Movie-Installation. Aaron und Aldous reisen von London zunächst nach New York und von da aus weiter nach Las Vegas, wo der exzentrische Rockstar seinen Vater (Colm Meaney) das erste Mal seit Jahren wieder besuchen will. Die Reise zum „Greek Theatre“ verläuft somit weder auf direktem Wege, noch kommt sie ohne hochpeinliche Situationen aus, in die Aldous seinen Schützling in schöner Regelmäßigkeit bringt. Egal ob experimentelle Drogencocktails, schmutziger Toiletten-Sex oder missglückte Familienzusammenführungen, dem jungen Aaron bleibt in diesen Tagen wirklich nichts erspart.

Produziert wurde „Männertrip“ vom Meister des gefühlvoll-derben Nerd-Humors, Judd Apatow. Regie führte Nicholas Stoller, der mit Apatow bereits den Komödienerfolg „Nie wieder Sex mit der Ex“ realisierte. Schon damals war der Brite Russell Brand mit von der Partie, der in einer Nebenrolle sein Alter Ego Aldous Snow mit hinreißender Lässigkeit und exaltierter Gestik zu einer echten Leinwanderscheinung adelte. Brands schräger Auftritt kam beim Publikum dermaßen gut an, dass man ihn hier gleich zum Hauptdarsteller beförderte. An seiner Seite steht mit Jonah Hill ebenfalls ein Apatow-Buddy. Hill gelingt das Kunststück, neben dem Paradiesvogel einen eigenen Eindruck zu hinterlassen und auch in den wenigen ernsten Momenten jederzeit souverän zu agieren. Den engen Schuhen als spaßiger Sidekick ist er mit dieser Rolle wohl endgültig entwachsen.

Für eine US-Komödie, die sich durchaus dem Mainstream und der Popkultur verbunden fühlt, gibt sich der Film recht freizügig und explizit. So mangelt es nicht an nackter Haut und verbalen Anzüglichkeiten mit reichlich Fremdschämpotenzial. Aaron stolpert quasi fortlaufend von einem Fettnäpfchen ins nächste. Dabei ist nicht jeder Drehbucheinfall so lustig, wie sich das die Macher vermutlich vorgestellt hatten. Vor Witzen rund um das männliche Geschlechtsteil gibt es in jedem Fall kein Entkommen.

Zum Ende hin wird dann der homoerotische Unterton unüberhörbar. Aber auch das ist beinahe typisch für Apatows Slacker-Universum. Man denke hier nur an die letzten Minuten von „Superbad“. In Wahrheit dreht sich jedoch fast alles in „Männertrip“ um ganz traditionelle Themen und Werte. Während Aaron versucht, seine Beziehung zu retten, sehnt sich der große Star nach Anerkennung und einer verlässlichen Freundschaft. Um Rock’n’Roll geht es dagegen erst in zweiter Linie.

Der Film gesteht seinen Helden wie selbstverständlich allerlei Schwächen und Sentimentalitäten zu. Sogar „Metallica“-Drummer Lars Ulrich (der sich wie so viele Stars selbst spielt), so erfahren wir, weint gerne einmal in den Armen einer Frau. Klarer Fall von harter Schale, weicher Kern. Gespickt ist diese männliche Sinnsuche mit vielen Seitenhieben auf die wirtschaftlich schwer angeschlagene Musikindustrie und die glitzernde Showbiz-Welt, in der Eitelkeiten und exzentrische Spleens wie modische Accessoires sorgsam gepflegt werden. Dass dieses Hegen und Pflegen nicht selten viel zu viel Kraft und Energie kostet, lässt „Männertrip“ zwischen seinen eindeutigen Späßen knapp über und unter der Gürtellinie immer wieder durchblicken.

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Die besten Szenen aus "Männertrip" in unserem CineChannel

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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