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Film der Woche

LOL - Laughing Out Loud

Von Marcus Wessel

Das Verhältnis von Teenagern zu ihren Eltern ist nur selten frei von Spannungen und Konflikten. Das späte Weggehen und das zu frühe Nachhausekommen, die Clique, der Freund oder die Freundin, Drogen und Partys, all das sorgt regelmäßig für Zoff im Elternhaus. Die französische Teenie-Komödie LOL begleitet die pubertierende Lola ein Schuljahr bei dem Versuch, sich zwischen Liebe, Lernen und Erwachsenwerden zu Recht zu finden. Ein gewisser Wiedererkennungswert scheint dabei vorprogrammiert.

Die besten Szenen aus "LOL - Laughing Out Loud" in unserem CineChannel

Dieses verfluchte Internet. Immer häufiger eilt inzwischen ein Aufschrei des Entsetzens durch Medien und Politik. Während für viele Jugendliche und junge Erwachsene das World Wide Web längst zu einem selbstverständlichen und unverzichtbaren Bestandteil ihrer Lebenswirklichkeit geworden ist, tun sich manche Vertreter der Generation 50+ immer noch schwer, die Bedeutung der vom Netz ausgegangenen digitalen Revolution zu begreifen.

Hinter der Forderung nach strengerer Regulierung und Kontrolle verbirgt sich abgesehen von bestimmten Lobbyinteressen vor allem ein Generationenkonflikt. Ein solcher zeigt sich auch in der locker-leichten Teenager-Komödie LOL, die ihre Netzaffinität bereits im Namen trägt. (LOL, das steht für „Laughing out Loud" und bedeutet soviel wie lautes Lachen. Der Begriff findet häufig in Chats, Foren und Emails Verwendung)

Teenagerstress und erste Liebe

Dass Eltern und ihre pubertierenden Sprösslinge aneinender vorbeireden, ist jedoch kein neues Phänomen oder eines, das dem Internet zuzuschreiben wäre. Und so dürften viele der Konflikte, die die 15-jährige Lola (Christa Theret) mit ihrer besorgten Mutter (Sophie Marceau) austragen muss, auch älteren Semestern bekannt vorkommen. Es geht um erste Erfahrungen mit Jungs und Drogen, schlechte Zensuren und vermeintlich ausschweifende Partys, welche letztlich weitaus harmloser sind, als sich das die Eltern in ihrer Sorge um den Nachwuchs regelmäßig ausmalen.

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Lola hat sich zu Beginn des Schuljahres von ihrem Freund Arthur (Félix Moati) getrennt und er sich irgendwie auch von ihr. Nun gilt es Ausschau nach einem neuen „Love Interest" zu halten. Dumm nur, dass Lolas Herz ausgerechnet für Maël (Jérémy Kapone), den besten Freund ihres Ex, schlägt. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Während Lola um ihre neue Liebe kämpft, findet sich ihre Mutter Anne plötzlich in einer nicht minder verzwickten Lage wieder. Eigentlich sind sie und Alain (Alexandre Astier) längst geschieden, was beide jedoch nicht daran hindert, gelegentlich miteinander zu schlafen. Als Anne den äußerst flirtwilligen Polizisten Lucas (Jocelyn Quivrin) kennenlernt, weiß sie zunächst nicht, wie sie mit der Situation umgehen soll. Sie ahnt lediglich, dass ihr Ex-Mann vor Eifersucht kochen wird.

Ganz so unterschiedlich, das suggeriert uns Regisseurin Lisa Azuelos mit dieser Gegenüberstellung in Liebesdingen, ticken Mutter und Tochter am Ende dann doch nicht. Selbst wenn Lola sich mitunter mehr in virtuellen denn realen Welten aufhalten mag, in Chats, sozialen Netzwerken und Online-Foren, existiert da immer noch jenes unsichtbare Band, das sie und ihre Mutter auf ewig verbindet.

Stereotype und Marken-Hype

Der Film findet sichtlich Gefallen, den Lifestyle der Clique um Lola in möglichst werbewirksamen Einstellungen und Montagen auszustellen. Wie ein Fetischist seinem Objekt der Begierde nähert sich hier die Kamera den unzähligen Mac-Notebooks und Mobiltelefonen. Passend dazu wird zu rechten Zeit sogar die Oberfläche eines Instant-Messenger-Dienstes eingeblendet. Der Eindruck, man habe es in Wahrheit nur mit einem überlangen Werbeclip für Elektronikartikel zu tun, wird durch die allesamt modelltauglichen Jungdarsteller noch verstärkt.

Sogar der „Freak", der in Filmen wie LOL niemals fehlen darf, ist mit seinem Milchbubigesicht ein verkappter Mädchenschwarm. Die einzigen, nach gängigem Schönheitsideal hässlichen Menschen treffen Lola und der Zuschauer bezeichnenderweise bei einem Klassenausflug nach England. Dorthin sind vor langer Zeit das schlechte Wetter und der schlechte Geschmack ausgewandert, jedenfalls scheint Azuelos uns das - mit einem unübersehbaren Augenzwinkern - suggerieren zu wollen.

Das Erbe der Sophie Marceau

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, über LOL zu schreiben ohne Sophie Marceau zu erwähnen und ihr Filmdebüt als pubertierender Teenager in der Erfolgskomödie La Boum - Die Fete. Knapp drei Jahrzehnte später spielt sie die überforderte Mutter, die sich um den Lebenswandel ihrer Tochter sorgt. Lässt man jedoch den Rollentausch einmal außer Acht, so fällt schnell auf, dass sich nicht wirklich viel verändert hat.

Die heutigen Teenies mögen anders miteinander kommunizieren, andere Klamotten tragen und andere Musik hören - statt schwülstigem Elektropop gibt es bei Azuelos hippen Indie-Rock auf die Ohren -, im Grunde sind die Probleme jedoch die gleichen wie schon zu La Boum-Zeiten. Im Kontext dieser wohl behütet aufgewachsenen Kids der Pariser Oberschicht sollte man besser von „Problemchen" sprechen. Jedenfalls scheint das innige Verhältnis von Mutter und Tochter nie ernsthaft in Gefahr. Per SMS verabredet man sich abends regelmäßig zum Kuscheln.

LOL ist reines Zielgruppenkino, nicht mehr und nicht weniger. Wer das Teenager-Alter bereits vor Jahren verlassen hat, wird sich schwertun, den charmanten, gleichwohl recht oberflächlichen Liebesverwicklungen mit vollem Enthusiasmus zu folgen. Immerhin: Dass Richard Sandersons Schmuse-Hit „Reality" ausgerechnet als Hintergrundgedudel in einer Supermarkt-Szene zu hören ist, entlockt dann aber selbst alten La Boum-Hasen ein Schmunzeln.

Komödie, Frankreich 2008
Regie: Lisa Azuelos
Darsteller: Sophie Marceau, Christa Theret, Jocelyn Quivrin
103 Min.

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Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 25. August 2009 - 10:54 Uhr; aktualisiert 27. August 2009 - 16:02 Uhr)


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