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Film der Woche

Jerry Cotton

Was James Bond für die Engländer ist, das ist Jerry Cotton für uns Deutsche. Seit einer gefühlten Ewigkeit löst der furchtlose FBI-Agent die absurdesten Kriminalfälle. Nun kehrt der populäre Pulp-Romanheld in Gestalt einer aufwändigen Kinoproduktion zurück. Diese soll eine neue Generation von Kinogängern begeistern.

Die besten Szenen aus "Jerry Cotton" in unserem CineChannel

Der Anzug sitzt, die Frisur ebenso. Rein äußerlich hat sich der beste Mann des FBI in all den Jahren nicht sonderlich verändert. Auch sein Ruf eilt ihm immer noch voraus. Gleichwohl kam es an vorderster Front zu einem nicht ganz unbedeutenden Wechsel.

Die Nachfolge George Naders, der in den 1960er Jahren in insgesamt acht Kinoproduktionen Jerry Cotton verkörperte, trat Christian Tramitz an. Der alte „Bully“-Weggefährte darf gleich in der ersten Szene auch seine körperliche Eignung für die Rolle des G-Man unter Beweis stellen. In letzter Sekunde rettet er sich aus den Fängen skrupelloser Ganoven. Sein Partner Ted Conroy (Janek Rieke) hat hingegen weniger Glück.

Schnell ist jedoch für Ersatz gesorgt. Jerrys nach Publicity lechzender Boss John High (Herbert Knaup) stellt ihm den Sohn eines einflussreichen Senators an die Seite. Der heißt Phil Decker (Christian Ulmen) und ist ein echter Grünschnabel mit einem Faible für außergewöhnliche Verkleidungen. Es dauert nicht lange, da werden Jerry und sein neuer Partner zu ihrem ersten gemeinsamen Einsatz gerufen. Die New Yorker Unterweltgröße Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu), Jerrys Erzfeind, liegt tot, von mehreren Kugeln durchsiebt in der luxuriösen Penthouse-Wohnung. Unverzüglich nimmt das FBI-Duo seine Arbeit auf. Eine erste heiße Spur führt dabei ins Rotlichtmilieu, wo Jerry zunächst undercover und ohne Decker ermittelt.

Die Neuauflage der Cotton-Reihe ist von Beginn an um einen möglichst durchgestylten Retro-Look bemüht. Zeitlupen-Sequenzen verschmelzen mit schnellen Schnittfolgen, dazu erfreut jede Menge alter Chic das Auge, der mit modernen, als Eyecatcher eingesetzten Texteinblendungen einen spielerischen Kontrast ergibt.

Hier zeigt sich, wie erfahren die beiden Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert im Umgang mit alten Vorbildern und Schwarz-Weiss-Helden sind. Schon ihre Edgar-Wallace-Parodie „Der Wixxer“ zeichnete sich durch ihre hübsch bebilderte Mimikry eines vergangenen Kapitels deutscher Kinogeschichte aus.

Die besten Bilder aus "Jerry Cotton"

Dafür leistet sich „Jerry Cotton“ so einige Durchhänger bei Story und Unterhaltungswert. Letzterer weist im Rückblick leider mehr Tiefen als Höhen auf. Nach einer frischen, flotten Ouvertüre plätschern die Ermittlungen und mit ihnen der gesamte Film auf einem recht überschaubaren Niveau dahin. Wäre da nicht ein wie fast immer wunderbar durchgeknallter Christian Ulmen, der als kleiner, schüchterner Milchbubi mit viel zu großen Ambitionen für die richtige Dosis Wahnwitz sorgt, man hätte den Film vermutlich noch vor Verlassen des Kinos bereits wieder vergessen.

Und das nicht weil die präsentierte Mischung aus Krimifarce und Buddy-Komödie so unglaublich schlecht wäre, die dargebotenen Späße und Pointen fallen einfach viel zu brav aus. Ein solcher „Jerry Cotton“ hätte im Grunde auch von Michael Herbig inszeniert werden können. So groß ist der Unterschied zu dessen Klamaukarbeiten nämlich nicht.

Dass der Reboot, der von den Machern ausdrücklich nicht als Persiflage auf die alten Filme verstanden wird, recht blass bleibt, erklärt sich abseits aller humoristischen Geschmacksfragen mit der eingenommenen Perspektive. Die Jerry-Cotton-Reihe klaute schon immer dreist bei den Vorbildern des amerikanischen Fernsehens und Kinos. Die dort gewonnenen Ideen wurden zumeist wenig elegant „eingedeutscht“ und den heimischen Seh- und Lesegewohnheiten angepasst. Allerdings nahmen die Hefte und später auch die Filme ihren banalen, leidlich spannenden Kriminalplot überaus ernst.

Gerade diese Diskrepanz zwischen Intention und Wirkung fehlt bei der aufwändig produzierten Neuauflage. Im Jahr 2010 werden das Augenzwinkern und der ironische Kommentar von Boss und Stennert gleich mitgeliefert, weshalb ihr Film bestenfalls als selbstbewusste Gag-Parade wahrgenommen werden kann. Man stelle sich nur vor, Trash-Regisseur Ed Wood hätte seine legendären Arbeiten bereits selbst als Komödienstoff betrachtet und inszeniert. Das Ergebnis wäre nicht halb so unterhaltsam.

Komödie/Action, Deutschland 2010
Regie: Cyril Boss
Darsteller: Christian Ulmen, Christian Tramitz, Monica Cruz
100 Min.
Ab 12 Jahren

"Jerry Cotton" in unserem CineChannel
Offizielle Homepage
"Jerry Cotton" in den Kölner Kinos

"Jerry Cotton" in Bonner Kinos

 

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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