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Film der Woche

In Time - Deine Zeit läuft ab

Von Marcus Wessel

Was für eine schöne neue Welt. In naher Zukunft werden Menschen nicht mehr altern. Mit gerade einmal 25 Jahren wird ihre biologische Uhr angehalten. Die Sache hat nur einen Haken: Jeder erhält nur ein weiteres Jahr, um diesen Menschheitstraum auszukosten. Wer länger leben will, muss sich seine Zeit erst hart verdienen.

In den Zeiten von Finanz-, Euro- und Schuldenkrise schwindet allmählich das Vertrauen in unser Geldsystem. Menschen flüchten in Gold und Immobilien als vermeintlich sichere Anlage. In der Welt von „In Time“ ist Zeit die neue Währung und die Flucht vor ihr ähnelt einem ständigen Kampf ums Überleben. Manche haben Zeit im Überfluss – ein Jahrhundert oder noch mehr – während andere nur noch von Tag zu Tag leben, in der Hoffnung sich rechtzeitig einige Minuten und Stunden hinzu verdienen zu können. Die Kluft zwischen denen, die unendlich viel Zeit besitzen und denen, die ihr Leben nur noch als Endlos-Countdown wahrnehmen, könnte kaum größer sein. Dabei ersetzt in dieser Welt das eigene Zeitkonto den gut bewachten Banktresor.

Ausgedacht hat sich diese Zeit-/Geld-Parabel Regisseur und Autor Andrew Niccol, dessen Skript zur Reality-TV-Satire „Die Truman Show“ seinerzeit für einen Oscar nominiert war. Auch als Regisseur ging es Niccol schon immer um mehr als nur um bloße Unterhaltung. Seine beängstigend kühle, perfekt durchdesignte Zukunftsvision „Gattaca“ spielte beispielsweise mit der Idee genetischer Manipulationen. Für „In Time“ verknüpfte er den Plot eines Science-Fiction-Thrillers mit der derzeit ungemein populären Kritik am Kapitalismus. Die Aussage seines Films ist im Grunde recht simpel und ähnelt alten Klassenkampfparolen. Die oberen Zehntausend leben gut und ohne schlechtes Gewissen auf Kosten der Massen.

Bildergalerie: Die besten Szenen aus "In Time - Deine Zeit läuft ab"

Der Traum von der ewigen Jugend hat bei Niccol zudem einen hohen Preis. Zwar stellt der Körper mit 25 Jahren das Altern ein, von diesem Moment an bleibt jedem allerdings nur ein Jahr, um diesen Traum auszukosten. Wer sich bis dahin keine neue Zeit verdienen konnte, für den ist dann bereits Schluss. Und so kommt es, dass manche jeden Tag dem Tod ins Auge blicken. Zu diesem Zeit-Prekariat gehört auch Will Salas (Justin Timberlake). Eine zufällige Begegnung in einer Bar macht aus ihm dann aber einen anderen Menschen. Ein Unbekannter, dem Will zunächst das Leben rettet, schenkt ihm sein gesamtes Zeitkonto. Kurz darauf stürzt sich der großzügige Spender von einer Brücke in den Tod. Will gerät daraufhin als Verdächtiger in das Visier der Behörden. Ein Ermittler (Cillian Murphy) nimmt schließlich die Verfolgung unseres Helden auf. Dieser gilt inzwischen als Gefahr für die öffentliche Ordnung.

Bei seiner Abrechnung mit unserem Wirtschaftssystem, das immer mehr Ungleichheit produziert, geht Niccol nicht gerade zimperlich vor. Die Reichen und Schönen sind bei ihm allesamt arrogante Unsympathen, die sich für ihre Mitmenschen nicht im Geringsten interessieren. Sie erscheinen ausnahmslos als oberflächliche, kalte und herzlose Roboter. Mag Niccols Konzept vielleicht als fixe Idee noch halbwegs funktionieren, so versagt sie doch als tragfähige Grundlage für einen intelligenten Thriller. Stattdessen driftet sein Film immer tiefer in die Gefilde eines recht gewöhnlichen B-Movies ab. An dieser Tatsache ändert selbst die hochkarätige Besetzung – Justin Timberlake, Amanda Seyfried, Cillian Murphy – nichts. Logische Fehler und ein nicht selten unfreiwillig komisches Drehbuch katapultieren „In Time“ endgültig ins Abseits.

Die besten Szenen aus "In Time - Deine Zeit läuft ab" in unserem CineChannel

Letztlich ist der Film nicht halb so intelligent, wie Niccols ihn gerne hätte. Eigentlich tauscht er nur die Währung Geld gegen Zeit aus. Ein Kaffee kostet hier keine 2 Dollar sondern 6 Minuten und um in die gut bewachten Stadtviertel der Reichen zu gelangen, muss man zunächst einige Stunden und Tage an vorinstallierten Kontrollpunkten opfern. Natürlich lässt sich problemlos ein Bezug zum viel gescholtenen Raubtierkapitalismus und den Forderungen der „Occupy“-Bewegung herstellen. Weil „In Time“ seine Zeitgeist- und Systemschelte aber derart einfallslos formuliert, eignet sich Niccols Film bestenfalls als Parodie einer Sozialsatire. Von der Brillanz einer „Truman Show“ oder eines „Gattaca“ ist die Geschichte in jeder einzelnen Sekunde meilenwert entfernt.

"In Time - Deine Zeit läuft ab" in den Kölner Kinos
Die besten Szenen aus "In Time - Deine Zeit läuft ab" in unserem CineChannel
Die offizielle Homepage zum Film

Bildergalerie: Die besten Szenen aus "In Time - Deine Zeit läuft ab"



Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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