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Film der Woche

Happy New Year

Silvester in New York. Rund um den Jahreswechsel am Times Square strickten "Pretty Woman"-Regisseur Garry Marshall und die Autorin von „Valentinstag“ eine Reihe kleiner Episoden, die allesamt nur ein Thema kennen: Die Liebe. Das Ergebnis ist mal komisch, mal anrührend und oftmals Kitsch pur. Dabei beeindruckt der Film vor allem mit seinem beispiellosen Aufgebot an Hollywood-Stars.

Von Marcus Wessel 

Der Countdown läuft. In wenigen Stunden macht das alte Jahr einem neuen Platz. Mit diesem Szenario ist uns "Happy New Year" zwar um einige Wochen voraus, weil die Weihnachtszeit und Silvester jedoch schon irgendwie miteinander zusammenhängen, dachte der Verleih, er könne die romantische Komödie von "Pretty Woman"-Regisseur Garry Marshall problemlos auch etwas früher starten. Und tatsächlich ist die Geschichte mit ihren vielen kleinen Episoden ein gefühlter Weihnachtsfilm, in dem alles auf ein großes, glückseliges Happy End hinausläuft. Niemand muss das neue Jahr hier alleine beginnen, ganz gleich welche Fehler er oder sie in der Vergangenheit auch gemacht hat.

"Happy New Year" in den Kölner Kinos

Da wäre zunächst die von sich und ihrem Leben enttäuschte Angestellte Ingrid (Michelle Pfeiffer). Als ihr Chef sie wieder einmal demütigt, nimmt sie allen Mut zusammen und kündigt. Für Sam (Josh Duhamel) geht es hingegen darum, rechtzeitig in einer kleinen New Yorker Pizzeria die Frau zu treffen, mit der er sich dort vor einem Jahr verabredet hat. Laura (Katherine Heigl) stürzt sich lieber in ihre Arbeit, als noch länger ihrer gescheiterten Beziehung mit dem erfolgreichen Rockmusiker Jenson (Jon Bon Jovi) nachzutrauern. Dieser hat kurz vor der geplanten Hochzeit kalte Füße bekommen und sie einfach sitzen lassen. Natürlich sieht er inzwischen ein, dass er sich ziemlich mies benommen hat.

Das sind nur drei von insgesamt knapp einem Dutzend Geschichten, aus denen sich „Happy New Year“ zusammensetzt. Während Robert Altman diesen erzählerischen Ansatz einst perfektionierte, bedient sich Gary Marshall einer etwas unsauberen und deutlich einfacheren Blaupause. Wie schon in dem sehr ähnlich gelagerten Date-Movie "Valentinstag" spielen sich sämtliche Ereignisse und Episoden innerhalb weniger Stunden ab. Höhepunkt ist dabei der alljährliche "Ball Drop" am New Yorker Times Square. In der Silvesternacht versammeln sich Hunderttausende Menschen, um das neue Jahr auf diese Art zu beginnen und den Fall der gigantischen Lichterkugel live mitzuerleben. Hinzu kommen eine Milliarde Fernsehzuschauer.

Die Funktionsweise von "Happy New Year" liegt auf der Hand. Gleich mit einer ganzen Armee bekannter Namen soll ein möglichst großes Publikum angelockt werden. Für die Teenies gibt es Zac Efron und "Glee"-Star Lea Michele, für die Mittzwanziger Ashton Kutcher und Rapper Ludacris und für die Fraktion der Ü30 schließlich Jessica Biel, Jon Bon Jovi (ein ernstzunehmender Kandidat für die "Goldene Himbeere") und Katherine Heigl. Noch ältere Semester dürfen sich wiederum auf Michelle Pfeiffer und Robert De Niro freuen. Die deutschen Zuschauer bekommen sogar "ihren" Til Schweiger.

Bei soviel Star-Power könnte man leicht annehmen, dass sich die Geschichte von anderen romantischen Komödien unterscheidet. Leider ist das Gegenteil der Fall. "Happy New Year" erzählt meist langweilige, rührselige Liebesanekdoten, melodramatisch zugespitzt und mit einer Zuckergussglasur aus Kitsch. Nur selten bricht eine Episode für einen kurzen Moment aus diesem Muster aus. Die schönste, weil charmanteste ist zweifellos die, in der Michelle Pfeiffers graue Sekretärin auch dank ihres jungen Begleiters (Zac Efron) allmählich neue Lust am Leben entwickelt.

Zumindest fragwürdig erscheint hierbei das von Autorin Katherine Fugate skizzierte Frauenbild. Die Dame scheint ihre Geschlechtsgenossinnen vornehmlich als frustrierte und überdrehte Karrierefrauen wahrzunehmen. Sie sind leicht reizbar, notorisch unzufrieden und schrecklich unentspannt. Im Vergleich dazu kommen wir Männer doch bedeutend besser weg. Echtes Glück, so suggeriert "Happy New Year", kann es überdies nur in einer klassischen Paarbeziehung geben. Da passt es, dass der offenbar von Nivea und der Stadt New York gesponserte Film ganz auf Pärchen und Frischverliebte zugeschnitten ist. Alle anderen dürften ohnehin nach wenigen Minuten reflexartig das Kino verlassen.

"Happy New Year" in den Kölner Kinos
Die offizielle Homepage zum Film

Bildergalerie: Die besten Szenen aus "Happy New Year"



Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

(Erstellt am 7. Dezember 2011 - 10:59 Uhr; aktualisiert 8. Dezember 2011 - 13:31 Uhr)


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