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Film der Woche

Gnomeo und Julia

Auch Gartenzwerge haben ihren Stolz. Was passiert, wenn zwei verfeindete Clans, deren Nachwuchs sich verbotenerweise ineinander verliebt hat, in die große Schlacht ziehen, zeigt dieses zuckersüße 3D-Animationsabenteuer aus dem Hause Disney. Mit viel Charme, Witz und Tempo lässt der Film den oft beschriebenen Krieg am Gartenzaun auf einen Klassiker der Weltliteratur treffen.

Von Marcus Wessel

Die besten Szenen aus "Gnomeo und Julia" in unserem CineChannel 

Gartenzwerge und ihre Besitzer gelten gemeinhin als fleißige, pflichtbewusste und immer auch etwas spießige Zeitgenossen. Ein Konflikt scheint da vorprogrammiert, wenn zwei Vertreter dieser Spezies Tür an Tür und Garten an Garten wohnen. Wie Disneys „Gnomeo und Julia“ nun beweist, beschränkt sich die gegenseitige Abneigung nicht allein auf die jeweiligen Hausherren. Auch deren kleingewachsenes, zipfelmütziges Gartenpersonal ist auf die jeweils andere Seite nicht wirklich gut zu sprechen. Missgunst, Neid und sogar offener Hass bestimmen das tägliche Nebeneinander zwischen Gartenteich, Begonienfeld und Zierbrunnen. Nicht selten liefern sich die kleinen Kombattanten erbitterte Duelle um die Vorherrschaft in der nur auf den ersten Blick idyllischen Nachbarschaft.

Bildergalerie: Gnomeo und Julia

Eine Liebe entlang dieser streng nach Farben getrennten Demarkationslinie, zwischen einem Jungen der „Blauen“ und einem Mädchen der „Roten“, steht unter keinem guten Stern. Und doch gibt es sie. Denn der mutige Gnomeo (im Original gesprochen von James McAvoy) verguckt sich in die hübsche Julia (Emily Blunt) und sie sich in ihn. Wie im weltbekannten Drama von William Shakespeare müssen die Frischverliebten fortan eine Vielzahl an Hindernissen überwinden, wobei – soviel sei verraten – der Ausgang trotz einer zwischenzeitlich außer Kontrolle geratenen Zerstörungsorgie nicht dem des Originals entspricht. Wo bei Shakespeare noch Tod und Drama herrschten, tanzen bei Disney die versöhnten Zwergenfamilien am Ende zu Elton Johns „Crocodile Rock“.

Menschen spielen in diesem Disney-Spaß wieder einmal nur eine Nebenrolle. So liegt die Ursache des höchst unterhaltsamen, gnomeligen Gartenkrieges in der nicht näher ergründeten Aversion eines Herrn Capulet und einer Frau Montague, die ihr Nachbarschaftsverhältnis mit einer geradezu leidenschaftlichen Abneigung pflegen. Das dürfte so manch einem bekannt vorkommen. Schließlich verzeichnen die Gerichte seit Jahren eine stetig wachsende Zahl an Nachbarschaftsstreitigkeiten. Die Fähigkeit zur Einsicht und Versöhnung, wie sie zwischen den zunächst verfeindeten Gartenzwergfamilien möglich erscheint, ist in der Realität jedoch nur sehr gering ausgeprägt. Aber ein Disney-Märchen bleibt ein Disney-Märchen, in dem einfach andere Gesetze gelten.

"Gnomeo und Julia" in den Kölner Kinos - in 3D

„Gnomeo und Julia“ zündet von der ersten Minute und einer wunderbar selbstironischen Eröffnung ein so im Animationsfach nur selten zu beobachtendes Feuerwerk an liebevollen Ideen und hinreißend komischen Gags. Jede Nebenfigur – und davon gibt es hier über ein Dutzend – erhält ihr ganz eigenes Charakterdesign. Die Animationskünstler unter der Leitung von „Shrek 2“-Regisseur Kelly Asbury haben hier offenkundig gleich literweise Herzblut in die Ausgestaltung ihrer bunten Miniaturwunderwelt investiert. Ihnen gelingt es, eigentlich leblosen Dingen wie einem Plastik-Flamingo Leben einzuhauchen und ihr Schicksal als tieftraurige Geschichte-in-der-Geschichte in bedrückend-schönen Bildern nachzuerzählen. Daneben gibt es viel zu lachen. Die kleinsten Zipfelmützenträger machen mit ihren piepsigen Stimmen und tollpatschigem Verhalten dann sogar den unvergleichlichen Minions aus Dreamworks’ Publikumserfolg „Ich – einfach unverbesserlich“ mächtig Konkurrenz.

Wie sich eine alte, bereits unzählige Male erzählte Geschichte in neuem Gewand und mit der nötigen Frische erzählen lässt, hat Disney erst kürzlich mit seiner Interpretation des Grimm’schen Rapunzel-Märchens unter Beweis gestellt. Die Entfremdung von Shakespeares Liebestragödie, die sich in „Gnomeo und Julia“ lediglich in Grundzügen wiederfindet, fällt in diesem Fall natürlich um einiges radikaler aus, schon deshalb, weil die Charaktere Gartenzwerge (man muss es so deutlich sagen) sind und das junge Publikum nicht mit einem düsteren Todesreigen verängstigt werden soll. Der Film erscheint wie die quietschbunte Spiegelung der Vorlage, in die sich selbst ein Klavier spielender Elton-John-Doppelgänger-Gnom ohne Probleme einfügt. Englands wohl berühmtester Brillenträger steuerte darüber hinaus den Soundtrack zum Krieg am Gartenzaun bei und so erklingen alte Hits wie „Your Song“ textlich leicht abgeändert zum Duell der verfeindeten Zwergen-Clans.

Zumindest in der Originalversion bietet das in 3D verpackte Animationsabenteuer neben der nur von Hardcore-Zynikern bestreitbaren Lizenz zum Knuddeln und Liebhaben eine ganze Reihe charmanter Wortspiele. Da wird ein Rasenmäher schon einmal zum „Weapon of Grass Destruction“ und ein fröhliches „Kiss my Grass“ zum Kampfslogan der Winzlinge. Überhaupt stecken die Qualitäten von „Gnomeo und Julia“ im Detail. So erschaffen Asbury und sein Team auf wenigen Quadratmetern Grünfläche einen zauberhaften Mikrokosmos. Die Faszination für diese kleine Welt ist derart groß, dass man früher oder später vergisst, dass man es nur mit einer eigentlich leblosen Ansammlung aus Bits und Bytes zu tun hat. 


"Gnomeo und Julia" in den Kölner Kinos - in 3D

Bildergalerie: "Gnomeo und Julia"
Die besten Szenen aus "Gnomeo und Julia" in unserem CineChannel
Offizielle Website zum Film

Über den Autor

"Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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