Film der Woche

Ghost Rider 2: Spirit of Vengeance

Marcus Wessel

Bereits zum zweiten Mal zieht es Oscar-Preisträger Nicolas Cage als verfluchter Rächer mit brennendem Schädel auf ein heißes Motorrad. Die Fortsetzung des Box-Office-Hits aus dem Jahre 2007 gibt sich verspielter, rasanter und insgesamt weniger stromlinienförmig.

Der „Ghost Rider“ gehörte lange Zeit zu den eher unbekannteren Marvel-Charakteren. Während Spider-Man, Hulk oder den X-Men gleich mehrfach die Ehre einer aufwändigen Hollywood-Umsetzung zuteil wurde, traute sich niemand so recht an den ungleich düsteren (Anti-)Helden heran. Vermutlich war die Figur mit ihren manischen Zügen, ihren dunklen Seiten und dem furchteinflößenden Aussehen zu wenig Mainstream, als dass man sie ohne weiteres als strahlenden Kämpfer für das Gute umbiegen konnte. Der erste „Ghost Rider“ versuchte genau das und scheiterte damit zumindest bei eingefleischten Fans. Für die Fortsetzung engagierte das Studio das Regie-Duo Mark Neveldine und Brian Taylor. Diese sind seit den beiden „Crank“-Filmen so etwas wie die neuen Enfants terribles des modernen Actionkinos.

Der Wechsel hinter der Kamera ging mit einem nahezu kompletten Austausch der Darsteller einher. Allein „Ghost Rider“ Nicolas Cage ist von der Mannschaft aus Teil eins noch übrig geblieben. Für Eva Mendes, die auf eine Fortsetzung angeblich wenig Lust hatte, engagierte man die ebenso hübsche Italienerin Violante Placido. Zuletzt verdrehte die Dame George Clooney in „The American“ den Kopf. Cages Gegenspieler werden dieses Mal vom Briten Ciarán Hinds und dem Newcomer Johnny Whitworth verkörpert. Ersterer ist der Teufel himself, der für ein satanisches Ritual einen kleinen Jungen (Fergus Riordan) benötigt und diesen mit allen Mitteln jagt. Whitworth spielt des Teufels willigen Vollstrecker Carrigan, welcher später zum Monsterwesen Blackout mutiert.

Bildergalerie: Ghost Rider 2 

Für den Ghost Rider geht es darum, den Jungen und seine Mutter zu beschützen. Dadurch könne er den auf ihn lastenden Fluch beenden und seiner verhassten Existenz endlich entfliehen. Dieses Ziel vor Augen reisen Cages’ Hitzkopf und seine Patchwork-Familie quer durch Osteuropa. Von Tschechien aus geht es über die Karpaten bis in die Türkei. Ausgeschmückt mit der passenden Osteuropa-Folklore und jeder Menge christlich-mystischer Symbolik – tättowierte Mönche (!) mit Christopher Lambert in einer Gastrolle – legen Neveldine und Taylor so ziemlich alles, was ihnen begegnet, in Schutt und Asche. Dabei erfinden sie mitunter spektakuläre Action-Sets. Die Sequenz mit dem gigantischen Schaufelradbagger ist schon jetzt das Markenzeichen dieser Fortsetzung und dürfte mit Sicherheit am Ende zu den Action-Highlights dieses Kinojahres zählen.

Effektiver als andere Vertreter des 3D-Kinos nutzt ihr Film die dritte Dimension für ein räumliches Erleben. Bereits die rasant inszenierte Einleitung in der von Mönchen bewohnten Klosterfestung sucht immer wieder den Wechsel zwischen verschiedenen Bildebenen, zwischen Vorder- und Hintergrund. Leider hält „Ghost Rider: Spirit of Vengeance“ diesen gefälligen 3D-Einsatz nicht konsequent bei. Später erscheint auch hier der räumliche Effekt wie ein überflüssiges Gimmick. Immerhin verstehen es Neveldine und Taylor die nur bedingt originelle Story, die mehr als einmal an „Terminator 2“ erinnert, rasch vergessen zu machen. Dazu genügt es, einen Bildersturm aus rasanten Stunts, schneller Montage und verspielten Handkamera-Shots zu entfesseln. Noch etwas genretypischer Hard Rock als Hintergrundberieselung, fertig ist das Actionstück. Von ihren absurden Einfällen, mit denen sie einst in „Crank“männliche Pubertätsfantasien bedienten, finden sich hier nur zaghafte Ansätze.

Und doch ist die Fortsetzung dem ersten Teil klar überlegen. Das liegt neben dem hohen Tempo des Films vor allem an der Figur des Ghost Riders. Es hat den Anschein, als ob Neveldine und Taylor mehr Verständnis für die Abgründe und Widersprüche des eigentlich recht untypischen Marvel-Helden aufbringen würden. Wusste ihr Vorgänger Mark Steven Johnson nicht so recht, was er mit dem seelenjagenden Biker anfangen sollte, so zeigt das Action-erfahrene Regie-Gespann endlich dessen ganzen Wahnsinn. Hierfür lassen sie ihrem Star ganz einfach freie Hand. Cage kann grimassieren, posieren, leiden und lachen, als sei er kein Comicheld sondern Insasse einer Nervenklinik. Und obwohl – oder gerade weil – Cages Schauspiel eigentlich jenseits von Gut und Böse ist, passt es perfekt in dieses wahnwitzige Setting. Da stört es auch nicht, dass aus dem Ghost Rider am Ende zeitweise ein Geisterfahrer wird.

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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

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