Film der Woche

Gefährten

Von Marcus Wessel

Es ist der Stoff, aus dem Oscar-Gewinner gemacht sind: In epischen Bildern verfilmte Steven Spielberg die abenteuerliche Odyssee eines tapferen Pferdes in den Wirrungen des Ersten Weltkrieges. Die über weite Strecken etwas zu brav erzählte Geschichte spart nicht an Pathos, Kitsch und großen Gefühlen – klassisches Hollywoodkino eben mit allen Stärken und auch Schwächen.

Grüne Wiesen, malerische Hügel, beides eingetaucht in das warme, fast schon zu perfekte Licht einer untergehenden Sonne. Mit derartigen Bilderbuchimpressionen beginnt Steven Spielbergs Abenteuerepos „Gefährten“. Die weit angelegte Geschichte über ein ganz besonderes Pferd und sein außergewöhnliches Schicksal in den Wirrungen des Ersten Weltkriegs lässt jederzeit Spielbergs Ambitionen als Erzähler großer, emotionaler Kinomomente erkennen. Ein Film wie dieser greift nach jedem Preis, den er bekommen kann. Das mag kalkuliert erscheinen, tatsächlich adressiert Hollywoods Meisterregisseur genau jene Erwartungen und Emotionen, aus denen für gewöhnlich die Lieblinge der Oscar-Jury geformt sind. Dafür werden die ersten Bilder einer ländlichen Idylle schon bald gegen andere, weniger freundliche Aufnahmen ausgetauscht. Schließlich befinden wir uns in den von Tod und Leid geformten Schützengräben zwischen Deutschen und Briten während einer der verlustreichen Schlachten des Ersten Weltkriegs.

Bildergalerie: Gefährten

Am Beginn dieser langen Reise, auf die uns Spielberg mitnimmt, steht eine besondere Freundschaft. Es ist die eines Jungen, der seine Liebe und Begeisterung für ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnliches Pferd entdeckt. Als Alberts (Jeremy Irvine) dem Alkohol nicht abgeneigter Vater (Peter Mullan) mehr aus Trotz denn aus Vernunft den prächtigen jungen Hengst mit den weißen Fesseln und der markanten Stirn ersteigert, ist das zunächst eine ziemlich kostspielige Dummheit. Denn die Familie kann sich ein solch teures Pferd eigentlich nicht leisten. Doch Albert kann seine sichtlich verärgerte Mutter (Emily Watson) davon überzeugen, den auf den Namen Joey getauften Hengst zu behalten und auszubilden. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs trennen sich dann aber die Wege der beiden Freunde. Joey wird an die britische Kavallerie verkauft, wo er unter dem pflichtbewussten Captain Nicholls (Tom Hiddleston) in die Schlacht gegen die Truppen des deutschen Kaiserreichs zieht.

Auch wenn „Gefährten“, dessen englischer Originaltitel „War Horse“ weitaus treffender den Charakter von Spielbergs Film beschreibt, gleich mit einer Reihe profilierter Schauspieler besetzt ist, so besteht kein Zweifel, wer der eigentliche Star dieser ganz nach Hollywood-Logik erzählten Geschichte ist. Mit Respekt und sogar Bewunderung umkreist Janusz Kaminskis Kamera immer wieder den stolzen Hengst. Gerade die finalen Szenen auf dem Schlachtfeld, Joeys beinahe selbstmörderische Flucht inmitten von Bomben, Granaten und Stacheldraht sind beeindruckend. Mehrmals gelingen Spielberg Aufnahmen, bei denen einem als Zuschauer der Atem stocken muss. Selbst wer von sich behauptet, zu Pferden und der ihnen angeborenen Anmut bislang keinen Bezug gehabt zu haben, wird die Kraft dieser Szenen nur schwer leugnen können. Es sind die stärksten und eindringlichsten von insgesamt nicht immer restlos überzeugenden 140 Minuten.

Die besten Szenen aus "Gefährten" in unserem CineChannel

Letzteres liegt vornehmlich am Aufbau der einzelnen Episoden, die viel zu oft allein durch das Schicksal ihres tierischen Hauptdarstellers zusammengehalten werden. Mehrmals wechseln Joeys Begleiter und mit ihnen auch der Verlauf der Front. Von den Briten geht es zu den Deutschen, den Franzosen und wieder zurück zu den Briten. Spielbergs Blick auf das Europa jener Zeit ist dabei ein durchweg amerikanischer. In der Anhäufung bestimmter Klischees werden Briten wahlweise als sympathische Raubeine oder pflichtbewusste Royalisten, Deutsche als gehorsame Stechschrittsoldaten und Franzosen als rebellische Lebenskünstler portraitiert. Mit Rücksicht auf eine gewisse Familienkompatibilität blendet der Film zudem die hässlichsten Seiten des Krieges geschickt aus. So schmerzhaft, blutig und direkt wie in „Der Soldat James Ryan“ wird es hier zu keiner Zeit. Das Leiden und Sterben findet größtenteils in der Totalen statt, was es auch für jüngere Zuschauer um einiges erträglicher macht. Als emotionaler Kitt nutzte Spielberg die von Hollywood perfektionierte Mischung aus Pathos und Kitsch. Dazu erklingt John Williams’ epischer Score, der „Gefährten“ nicht nur zeitweilig in die Nähe einer nostalgischen Zeitreise mit märchenhaften Elementen rückt.

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"Gefährten" in den Kölner Kinos
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Über den Autor

Marcus Wessel lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln. Seine große Leidenschaft gilt dem Kino, wobei er eine strikte Einteilung in Blockbuster und Arthaus ablehnt. Für ihn gibt es nur gute und schlechte Filme.
http://marcus-filmseite.blogspot.com/

 

 

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